Karl Conzelmann-Mit-Geschäftsführerin Martina Bandte zu Corona

"Das größte Problem liegt in Europa"

Karl Conzelmann GmbH & Co.KG, Karl Conzelmann GmbH & Co KG
Martina Bandte Mit-Geschäftsführerin Karl Conzelmann GmbH & Co KG. Nina von C
Martina Bandte Mit-Geschäftsführerin Karl Conzelmann GmbH & Co KG. Nina von C

Martina Bandte verantwortet als Mit-Geschäftsführerin bei dem Wäscheunternehmen Karl Conzelmann, Albstadt, Beschaffung und Design für die Marke Nina von C. Im TW-Interview spricht sie über die aktuelle Corona-Lage und welche Probleme sich ergeben.

TextilWirtschaft: Frau Bandte, wie stellt sich die aktuelle Lage dar?
Martina Bandte: Aktuell können die Versender Wäsche sehr gut verkaufen, da gibt es noch Potenzial. Auch haben wir einige Bestellungen für Standardartikel in größeren Mengen, wie kochfeste Pagenhosen. Da wissen wir: Der Auftrag kommt aus einem Alten- und Pflegeheim. Allerdings merken wir jetzt verstärkt Probleme in den Lieferketten. Asien sehen wir aktuell nicht als das größte Problem an. In China läuft die Produktion nun langsam wieder an. Die Schwierigkeiten liegen jetzt mehr in Europa.


Mit welchen Problemen sind Sie konfrontiert?
Der Transport aus und über die Balkanländer gestaltet sich sehr schwierig. Beispielsweise wird der Verkehr unserer Ware aus Rumänien, wo wir produzieren, auf dem Weg über Ungarn blockiert. Man findet zudem so gut wie keine Spediteure, die länderübergreifend fahren, denn in vielen Ländern müssen die LKW-Fahrer bei einem Grenzübertritt erstmal 14 Tage in Quarantäne. Auch die Fertigung in der Türkei und in Portugal gestaltet sich zunehmend schwieriger aufgrund der Pandemie. Auch hier gibt es das Problem des Warentransfers – und die Ware einzufliegen, ist viel zu teuer bei diesen Produktionsmengen.

Welchen Einfluss hat diese Situation auf die Kollektionserstellung?
Die Planung und Hochrechnung vieler Produkte gestaltet sich zunehmend schwieriger. Nehmen wir mal als Beispiel einen unserer Bestseller, den Dirndl-BH. Bis heute ist nicht klar, ob die Münchner Wiesn im Herbst stattfinden werden. Das Münchner Oktoberfest hat Einfluss auf die Herbstevents in ganz Deutschland. Bislang gibt es dazu keine Entscheidung. Wie sollen wir also den Bedarf an Dirndl-BHs und Dirndl-Blusen kalkulieren? Wir können uns ja nur bedingt ein Lager für dieses Saisonprodukt anlegen. Natürlich überlegen wir auch, in welchem Umfang wir noch Lieferthemen verkleinern, streichen und Liefertermine verschieben können.

Ein Bestseller von Nina von C: Der Dirndl-BH
Nina von C
Ein Bestseller von Nina von C: Der Dirndl-BH
Sie haben hier schon konkret angesetzt?
Ja. Die geplante Zwischenkollektion zum Sommer 2020 mit Liefertermin 30. März ist nach hinten geschoben und wird in Absprache mit den Händlern ausgeliefert, wenn die Geschäfte wieder öffnen. Die Zwischenkollektion für Herbst 2020 haben wir ersatzlos gestrichen. Wir prüfen gerade, ob wir Artikel daraus  für das kommende Frühjahr verwenden können. Unsere hochwertige Bohème-Serie mit Lieferstart September, die wir zum 100-jährigen Jubiläum auflegen, kann der Handel auf Wunsch auch später ausgeliefert bekommen.

Kommt es zu Problemen bei der Musterbeschaffung für die Frühjahrs-Kollektion 2021?
Sicher, und auch hier zeichnet sich eher ein europäisches Problem ab. Beispielsweise arbeiten wir mit einem bekannten italienischen Drucker zusammen, der einen hervorragenden Digitaldruck anbietet. Der hat nun seine Produktion geschlossen und näht stattdessen Gesichtsmasken. Aktuell ist es also nicht sicher, zu welchem Zeitpunkt wir unsere neue Kollektion endgültig fertig bekommen.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus der Situation?
Die Kollektion wird auf jeden Fall kleiner. Bei den Dessous werden wir reduzieren. Das Angebot an Loungewear lassen wir gleich groß. Wir rechnen damit, dass Frauen nach vielen Wochen im Homeoffice wieder Lust auf neue Loungewear haben. Und das auch noch im nächsten Frühjahr. Schon in den letzten Saisons haben wir in der Wäsche die Modefarben reduziert. Das setzen wir 2021 fort und bauen das Angebot an wäschigen Non Colors daher weiter aus.

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