Mey Bodywear-Chef Matthias Mey über die Lehren des Lockdown

"Lernen, mit dem Virus zu leben"

Mey Bodywear
Matthias Mey: "Die Corona-Krise führt uns deutlich vor Augen, wie anfällig unsere weltweiten Lieferketten sind."
Matthias Mey: "Die Corona-Krise führt uns deutlich vor Augen, wie anfällig unsere weltweiten Lieferketten sind."

Die TextilWirtschaft hat wichtige Köpfe der Branche gefragt, welche Learnings sie aus der Krise ziehen, wie sie den Restart gestalten und wie ihre Vision für 2021 aussieht. Matthias Mey, Geschäftsführer von Mey Bodywear, spricht über Werteverfall, Kontrollverlust und Nachhaltigkeit.

TextilWirtschaft: Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse in dieser Krise?
Matthias Mey:  Die wichtigste Erkenntnis ist für mich die Bedeutung einer nationalen bzw. europäischen Produktion. Es wird derzeit klar, wie wichtig die nationale und die europäische Versorgung von grundlegenden Produkten wie bspw. Arzneimittel sind. Wir waren gutgläubig und gleichzeitig hirnlos, die Versorgung solcher elementaren Güter aus der Hand zu geben. Das jahrzehntelange Streben nach kurz- und mittelfristigen Renditen und Rabattschlachten führten zu einem Werteverfall und letztlich auch zu einem Kontrollverlust. Mangelnde Loyalität, geringes Sicherheitsdenken und zu wenig Nachhaltigkeit haben viel zu oft die Entscheidungen und das Handeln geprägt. Wir haben unser Ökosystem außer Acht gelassen und sind heute somit zum Teil gar nicht mehr in der Lage, lebenswichtige Produktgruppen in Europa in ausreichender Menge selber herzustellen. Die Corona-Krise führt uns deutlich vor Augen, wie anfällig unsere heutigen weltweiten Lieferketten sind.

Wie sieht Ihr Restart-Szenario aus?
Wir sind bereit für den Wiedereinstieg. Auch wenn wir vorerst mit einer deutlich reduzierten Nachfrage rechnen. Für uns ist es wichtig, dass die Kunden mit einem guten Gefühl zu uns kommen können, da wir sämtliche hygienischen Voraussetzungen für einen entspannten Einkauf geschaffen haben. Auch Mund-Nasen-Masken sind bei uns ausreichend vorhanden. Für alle Kunden, die sich trotz gelockerter Vorgaben noch nicht in den Store trauen oder aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen können, bieten wir einen Personal Shopping-Service an. Die Kundin kann sich sowohl telefonisch als auch über WhatsApp über das Angebot im lokalen Store beraten lassen und erhält auf Wunsch eine Auswahlsendung nach Hause.

Was ist Ihre Vision für das Jahr 2021?
Aktuell können wir noch nicht abschätzen, wie hart uns diese Krise treffen wird. Es sind jedoch massive Umsatzeinbrüche und daraus resultierende Verluste zu erwarten. Wir werden lernen müssen, mit diesem Virus zu leben und Wege finden, um den Alltag wieder aktiv gestalten zu können. Aus diesem Grunde hoffe ich und bin der festen Überzeugung, dass wir im Jahre 2021 wieder stabile Verhältnisse haben werden. Eventuell tragen wir Mundschutz im ÖPNV und Flugzeug. Dennoch denke ich, dass wir uns wieder relativ frei bewegen können werden. Zumindest wäre dies mein Wunsch.

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