Michael Meyer von Meyer Potz im Interview

"Wir bekommen eine riesige Preisschlacht"

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Michael Meyer: "Auf starke Partner setzen wird noch wichtiger."
Michael Meyer: "Auf starke Partner setzen wird noch wichtiger."

Von Sylt bis Kitzbühel reicht die Bandbreite an Standorten, an denen Michael Meyer Premium- und Luxushäuser führt. Die ersten haben in diesen Tagen wieder geöffnet. Im Gespräch mit der TextilWirtschaft spricht der Macher der Meyer Potz-Gruppe, Düsseldorf, über seine Konsequenzen aus dem Lockdown, über echte Partner, konzentrierte Order und das richtige Saisontiming.

TextilWirtschaft: Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse nach vier Wochen Lockdown?
Michael Meyer: Wir sind sicher in der Arbeit und vor allem in der Kommunikation sehr viel flexibler, effizienter und vor allem digitaler geworden. Alle Abteilungen haben plötzlich aus dem Homeoffice gearbeitet. Aber vor allem das Marketing wurde von heute auf morgen zu 100% digital. Wir haben in den Filialen über alle Online-Kanäle mit den Kunden kommuniziert. Am Ende hat das den Mitarbeitern auch richtig Spaß gemacht und sie zusätzlich motiviert. Wir haben zum Beispiel am Sonntag gepostet, dass wir ab Montag wieder öffnen. Da war die spontane Resonanz vieler Kunden, dass wir das mit den Online-Stories auf jeden Fall bei beibehalten sollen. Wir sind also auf jeden Fall digitaler geworden.


Gilt das grundsätzlich in Sachen Online-Business?
Online hat uns definitiv sehr geholfen. Wir haben extrem gute Umsätze über Farfetch gemacht. Da haben wir wahnsinnig zugelegt. Wir haben natürlich auch deutlich mehr Ware online gestellt. Für den Zeitraum des Lockdowns haben wir im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 56% über Farfetch generiert. Das lief vor allem über Luxuslabels und ging bevorzugt an eine internationale Klientel. An einen eigenen Online-Shop glaube ich aber dennoch auch in Zukunft nicht. Wenn, dann an Aktivitäten über Social Media, die aber mehr der Kundenbindung als dem Umsatz dienen.

Was hat die vergangenen vier Wochen außerdem geprägt?
Ganz wichtig war, die Kosten in den Griff zu bekommen – und zwar auf allen Ebenen. Da hat man sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht mit allen Geschäftspartnern, ob Lieferanten, Vermieter, Mitarbeiter oder Dienstleister. Vor allem internationale Brands haben sich sehr kooperativ und partnerschaftlich gezeigt, weil sie genau wissen, wie Image-schädigend es für ihre Marke ist, wenn zu viel Ware via Sale verschleudert wird. Hier haben viele Partner Ware aus dem Markt genommen und sowohl aus dem Sommer als auch aus der kommenden Saison storniert. Einfach, um den Markt nicht mit Ware zu überschwemmen. In solchen Zeiten spürt man schon, wer ein echter Partner ist, mit dem man auch stürmische Zeiten überlebt. Ich denke zukünftig muss es so sein, dass man auf wenige starke Partner setzt, mit denen man auch durch solche Zeiten kommt. Die Vielzahl an kleinen Labels, die man meint, als Highlight führen zu müssen, machen wirtschaftlich keinen Sinn. Zumal die Verhandlungen mit einigen Agenturen in der aktuellen Situation sehr schwierig waren. Die Zeit hat gezeigt, dass wir da effizienter werden müssen.

„Diese ganzen Diskussionen über eine Saisonverschiebung, die derzeit kursieren - das ist mir, ehrlich gesagt, zu romantisch. “
Michael Meyer, Meyer-Potz


Heißt das, dass Sie weniger ordern werden?
Wir werden natürlich weniger ordern, einfach, weil die Zeit ungewiss ist. Denn wir wissen ja gar nicht, wie sich das Konsumverhalten verändert oder in welche Richtung die Infektionsraten nach den Lockerungen gehen und ob es nicht doch wieder zu einem Shutdown kommt. Deshalb müssen wir weniger ordern. Aber im Kern ist vor allem die Warenmenge, die aktuell im Markt ist, das Hauptproblem. Denn da bekommen wir ja in Kürze eine riesige Preisschlacht, die den gesamten Markt durchziehen wird.

Werden sie nicht nur weniger, sondern auch später ordern? Denn im Premium- und Luxusmarkt würde die neue Orderphase ja schon im Mai wieder beginnen.
Ich denke, in puncto Order wird sich viel verändern. Man kann da heute sehr viel mehr digital machen. Denn was auf dem Papier nicht funktioniert, funktioniert auch nicht auf der Stange. Außerdem müssen die Kollektionen kleiner und lesbarer werden. Ich werde den Einkaufsmarathon wie zuletzt auf jeden Fall nicht mehr mitmachen. Für einen Termin nach Mailand und wieder zurück. Da wird man auch unter den Lieferanten zu besseren Terminabsprachen kommen müssen. Das ist  das eine. Das andere sind diese ganzen Diskussionen über eine Saisonverschiebung, die derzeit kursieren. Das ist mir, ehrlich gesagt, zu romantisch. Ich glaube zwar nicht, dass wir die extrem frühen Exzesse noch brauchen, dass Herbstware Anfang Mai und Frühjahrsware im Oktober geliefert wird. Das hat sicher unterm Strich mehr zerstört. Aber wir brauchen doch neue Ware im Dezember für das Weihnachtsgeschäft und auf jeden Fall Anfang Juli. Denn wir müssen doch über neue Ware immer wieder Begehrlichkeit schaffen. Das Hauptproblem ist doch nicht das Timing, sondern das Zuviel an Ware im Markt. Da müssen wir uns konzentrieren.

Apropos viel Ware, wie gehen Sie jetzt in den Restart? Einige Ihrer Läden haben seit wenigen Tagen wieder geöffnet. Wie ist die Resonanz?
In Kitzbühel sind wir nach Ostern an den Start gegangen. Wir haben dort jeden Tag einen gewissen Umsatz. Es tut sich etwas. Es kommen vor allem Kunden, die dort ihren Erstwohnsitz haben und sich jetzt freuen, dass sie wieder raus dürfen. Bei allem ist es natürlich extrem wichtig, die Hygiene-Vorschriften einzuhalten.

Planen Sie Sale-Aktionen, um die Kunden zu locken?
Grundsätzlich nein. Wir haben schöne sommerliche Ware im Laden, die absolut richtig ist. Wir versuchen, das Image hoch zu halten. Das funktioniert nicht über Sale-Preise. Wenn wir Aktionen machen, dann intelligent und subtil, vielleicht über Bonus-Modelle. Ich will aber nicht die Ware verramschen. Das erwarten die Kunden auch nicht. Die wollen sich doch, wenn, dann etwas Gutes tun.

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