Millionenprogramm zur Unterstützung des Handels

Lerros verzichtet auf drei Liefertermine

Der Menswear-Anbieter Lerros streicht radikal Liefertermine. Im Mai, Juni und November soll keine Ware ausgeliefert werden. Damit sollen Liquiditätsengpässe auf Handelsseite gemildert und eine mögliche Entwertung der Ware über aggressive Sales vermieden werden.

Eine Zahlungsverlängerung hier, ein Rabatt da. All das helfe in dieser Ausnahmesituation nicht weiter. Stattdessen müssen gerade jetzt auch unangenehme Schritte gegangen werden, erklärt Lerros-Geschäftsführer Jan ten Brinke in einem Schreiben an seine Handelspartner. Nach intensiven Gesprächen über die letzten Tage und Wochen hinweg, habe sich das Unternehmen deshalb dazu entschlossen, radikale Maßnahmen zu treffen.


„Wenn die komplette Ware, die sich mit heutigem Stand noch in der Lieferkette befindet, zur Auslieferung kommt, wird das zu Konsequenzen führen, die wir uns weder für unsere Marken, noch für unsere Handelspartner wünschen. Wir sehen, neben den Liquiditätsengpässen unserer Handelspartner, die große Gefahr, dass aktuelle Ware unserer Marken über massive Preisabschriften vermarktet und entwertet wird. Das können wir alle nicht wollen“, sagt ten Brinke.

Als Konsequenz bietet Lerros seinen Handelspartnern an, die für Mai und Juni georderte Ware bis zum selben Zeitpunkt des kommenden Jahres auf eigene Kosten einzulagern und die noch ausstehende Ware für die verbliebenen Liefertermine nicht auszuliefern. Darüber hinaus sei man der festen Überzeugung, dass der Saisonverlauf für Frühjahr/Sommer 20 verlängert werden sollte.

Zuvor hatte sich das Unternehmen bereits dazu entschlossen, die Auslieferung der ersten Langarmartikel für den Herbst auf Ende August zu verschieben. Dies hat nun auch zur Folge, dass die für Ende April geplante Order für den Liefertermin November vollständig gestrichen wird. Das gilt auch für das junge, progressive Label New in town, das im November ebenfalls keine Ware ausliefern wird. Im Gegensatz zur Kernmarke Lerros endet hier jedoch die Frühjahr/Sommerauslieferung im April.

Die bis dato noch nicht vollständig ausgelieferte Ware für Liefertermin April – sie besteht zu 90% aus Sommerartikeln – soll jedoch nach Wiedereröffnung der Geschäfte den Weg auf die Flächen finden. Auch NOS- und vor allem Seasonal-Artikel, die für 40% des Flächenumsatzes stehen, sind ab dem Zeitpunkt der Wiedereröffnungen nachbestellbar.

Der eigene Online-Shop soll nicht mit der Ware bespielt werden

„Ihnen ist sicher klar, dass eine solch massive Verschiebung von Warenströmen für uns als mittelständisches Familienunternehmen einen drastischen wirtschaftlichen Einschnitt bedeutet. Mit der Verschiebung der Mai- und Juni-Order um ein komplettes Jahr, der Verschiebung der ersten Herbst/Winter-Wareneingänge um fast zwei Monate und dem Wegfall der Novemberkollektion sprechen wir hier von Maßnahmen, die uns tatsächlich an die Grenze dessen bringen, das für uns wirtschaftlich leistbar ist“, heißt es in dem Schreiben an die Partner. In Summe spreche man hier von einem Anteil von rund 20% des kompletten Jahreslimits an Kollektionsware und Kosten in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags.

„Auch wenn diese Maßnahmen für uns gravierende finanzielle Einschnitte bedeuten, sehen wir sie als alternativlos an, wenn man die Lage einmal realistisch und ehrlich einschätzt“, sagt ten Brinke. „Eine Überversorgung mit Ware, ein „Hauptsache weg“ an Stelle einer sinnvollen und margenschonenden Vermarktung, kann für niemanden der richtige Weg sein“, heißt es dazu im Schreiben. Zudem versichert der Lerros-Geschäftsführer, dass die nicht ausgelieferte Ware für die Monate Mai und Juni auch nicht über eigens bespielte Online-Kanäle angeboten wird. „Alle von uns getroffenen Maßnahmen sehen wir im Geiste einer Partnerschaft, die ihren Namen auch verdient.“

Um die nun eingelagerte Ware in die Kollektion für Frühjahr/Sommer 21 harmonisch integrieren zu können, wird diese noch einmal überarbeitet beziehungsweise an die Farbthemen der aktuellen Mai/Juni-Ware angepasst.

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