Mitarbeiterabstimmung

Darum will Desigual eine 4-Tage-Woche einführen

Desigual
Schöne Aussicht: Das Headquarter von Desigual befindet sich direkt am Strand von Barcelona.
Schöne Aussicht: Das Headquarter von Desigual befindet sich direkt am Strand von Barcelona.

Drei Tage im Büro, einen Tag im Homeoffice und einen ganz frei. Genau das schlägt Desigual jetzt einem Teil seiner Mitarbeiter vor. Zwar gibt es dadurch auch weniger Gehalt, aber das spanische Unternehmen erklärte sich bereit, den Ausfall teilweise aufzustocken. Anfang Oktober dürfen die Mitarbeiter über das neue Modell abstimmen.

"Um das Unternehmen zum besten Arbeitsplatz zu machen", wie es in einer Mitteilung heißt, hat Desigual den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Zentrale in Barcelona ein "disruptives Work-Life-Balance-Modell" vorgeschlagen: Alle, die nicht im operativen oder im Vertriebsteam beschäftigt sind, sollen die Möglichkeit erhalten, nur noch von Montag bis Donnerstag zu arbeiten. An einem der Tage müssen sie außerdem nicht ins Büro kommen, sondern dürfen aus der Ferne arbeiten.

Das Angebot richtet sich an 502 Personen, insgesamt sind weltweit mehr als 2700 Beschäftigte für die Spanier tätig. Die betreffenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können am 7. Oktober selbst über den Vorschlag abstimmen, den Gründer Thomas Meyer vergangene Woche in einer Präsentation vorgestellt hat. Die Umsetzung sieht Änderungen in den Vertragsbedingungen vor, die nur dann zum Tragen kommen, wenn mindestens 66% der Befragten mit "Ja" stimmen.

Tritt das ein, wird die Wochenarbeitszeit ab Mitte Oktober von derzeit 39,5 auf 34,5 Stunden reduziert – eine Arbeitszeitverkürzung von rund 13%. Das geht auch mit Lohnkürzungen einher, die allerdings nicht im gleichen Umfang umgesetzt werden sollen. Stattdessen erklärte sich Desigual bereit, die Hälfte des Ausfalls zu übernehmen, sodass der Lohn nur um 6,5% reduziert werde.

Desigual-CCO Alberto Ojinaga erklärt, dass der Vorschlag dem Wunsch entspringe, "Desigual zum besten Arbeitsplatz zu machen und einen einzigartigen Platz zu schaffen, an dem sich Menschen durch eine bessere Work-Life-Balance einerseits beruflich entwickeln, andererseits aber auch ihrer Tätigkeit mit Freude nachgehen und sie mit ihrem Privatleben vereinbaren können."

Die vergangenen Monate, in denen durch die Einschränkungen aufgrund der Covid-19-Pandemie neue Arbeitsmodelle umgesetzt werden mussten, hätten gezeigt, "dass wir unsere Arbeit und unsere Teams auf andere Art und Weise organisieren können, dabei effizient bleiben und das wirklich Wichtige priorisieren", erläutert Ojinaga. Das Umsetzen der 4-Tage-Woche bezeichnet er zwar als Herausforderung, allerdings ist er überzeugt: "Sie wird uns als Organisation attraktiver machen, uns ermöglichen, die besten Talente anzuziehen, und zeigen, dass wir ein anderes, disruptives, junges, optimistisches Unternehmen sind, das sich permanent verändert und keine Angst davor hat, neue Ideen vorzuschlagen."

Der Pilotversuch läuft

Bis zur Abstimmung haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gelegenheit, Fragen zu stellen und Zweifel zu äußern. Diese sollen bei jetzt stattfindenden Informationswochen aus dem Weg geräumt werden. Zudem gibt es einen Pilotversuch, der es den Beschäftigten erlauben soll, den Nutzen des neuen Modells besser bewerten zu können.

Das Unternehmen betont, dass die Initiative Teil eines umfassenderen Plans sei, "disruptive Work-Life-Balance-Modelle anzubieten, die auch die Umsetzung von Verbesserungen für die anderen Mitarbeiter umfassen, die aufgrund der spezifischen Anforderungen ihrer Arbeitsplätze nicht für diesen Zeitplan in Frage kommen". Neben den operativen und den Vertriebsteams betrifft das das Personal in den Stores und in der Logistik.

CPO Coral Alcaraz: "Wir sind uns bewusst, dass dies ein sehr mutiger Vorschlag ist, der zu einer gewissen Unsicherheit führen kann." Gerade aus diesem Grund sei es so wichtig, dass die 4-Tage-Woche mehrheitlich unterstützt werde. "Wir wollen ein Umfeld schaffen, in dem Wohlbefinden und Gesundheit zusammen mit der Freude an dem, was wir tun, die Motivation unserer Mitarbeiter steigern und uns für neue Generationen attraktiv machen können", sagt sie abschließend.
Über Desigual
Das 1984 in Barcelona gegründete Unternehmen beschäftigt 2700 Mitarbeiter und ist in 89 Ländern über 10 Vertriebskanäle, 428 Monobrand-Stores und sechs Produktkategorien vertreten (Womens-, Mens- und Kidswear sowie Accessoires, Schuhe und Sport). Im Geschäftsjahr 2020 ist der Umsatz von Desigual um 39% auf 360 Mio. Euro zurückgegangen. Nach einem Gewinn von 7,5 Mio. Euro im Vorjahr mussten die Spanier 2020 einen Verlust von 83 Mio. Euro hinnehmen. Immerhin konnte der Umsatz im E-Commerce um 49% gestiegert werden, sodass der Kanal Ende 2020 bereits mehr als ein Viertel (28%) zum Gesamtumsatz beitrug.
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