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Modeaktien-Analyse

Corona-Effekt bei Inditex und H&M

Schien es zu Jahresbeginn noch so, als würden die beiden Big-Player die brillante Kursperformance aus 2019 fortsetzen (Inditex: plus 42%; H&M: plus 51%), ließen die desaströsen Handelstage im März die Aktien abstürzen, was den Kursgewinn eines ganzen Jahres zunichtemachte.

Geschäftszahlen, die in normalen Zeiten beeindrucken, verpuffen einfach. Investoren, die vor Monaten trotz ambitionierter Bewertung noch bei Inditex und H&M zugriffen, trauen sich jetzt – nach immensen Kursabschläge – (noch) nicht einzusteigen.


Der wesentliche Punkt für Anlageentscheidungen in Zeiten wie diesen ist die Finanzkraft. Inditex zeigt sich in dieser Hinsicht robust. Allein die Nettoliquidität erhöhte sich im Fiskaljahr 2019/20 (per 31.1.) dank starker operativer Entwicklung um 20% auf 8,1 Mrd. Euro. Zum Vergleich: H&M weist in der Position „Cash and cash equivalents and short-term investments” (per 30.11.) gerade mal einen Betrag von umgerechnet 1,2 Mill. Euro aus.



Die Eigenkapitalquote – eine wichtige Risikokennzahl – ist bei H&M mit 47% zweifellos gut, bei Inditex mit 53% aber besser. Nach dem erfolgreichen Geschäftsjahr von Inditex – bei einem flächenbereinigten Umsatzplus von 6,5% stieg der Nettogewinn (vor Sondereffekten) um 12% – hatte man eigentlich eine Erhöhung der Dividende erwartet. Trotzdem ist es richtig, die eingangs für die Dividende vorgesehenen Mittel (vorbehaltlich der Zustimmung durch die Hauptversammlung) in die Rücklagen zu stecken. Da Firmengründer Amancio Ortega, einer der reichsten Männer der Welt, die Mehrheit der Stimmrechte hält, dürfte der Vorschlag durchgehen.



Auch H&M (ebenfalls mehrheitlich im Familienbesitz) will die für 2019 vorgeschlagene Dividende aussetzen. Inditex produziert und spendet für sein Heimatland Spanien nun auch Schutzmasken. H&M bietet logistische Hilfe bei der Beschaffung von Schutzbekleidung an. Beides ist ein Solidaritätsakt im Kampf gegen die Pandemie, der Inditex wie H&M einen Reputationsbonus einbringen dürfte. Den rund 25 Tausend von temporärer Entlassung bedrohten Mitarbeitern in Spanien die Differenz zwischen Arbeitslosengeld und Gehalt zu zahlen, ist vorausschauend. Inditex generiert 16% des Umsatzes im Heimatmarkt. Letztlich sind Mitarbeiter samt sozialem Umfeld auch Kunden.

Der Kursanstieg von H&M vor dem Crash war vor allem der Turnaround-Story geschuldet, die unter normalen Umständen gute Chancen auf eine Fortsetzung hatte. Massenhafte Ladenschließungen werden herbe Umsatzeinbrüche bei H&M wie bei Inditex nach sich ziehen, auch wenn der Online-Handel weiterläuft. Asien (der Umsatzanteil ist bei Inditex ungleich höher als bei H&M) könnte mit Entspannung der Lage etwas abfedern. Ein Rückgang der operativen Marge in 2020 ist wohl kaum zu vermeiden. Hier hat Inditex mit 16,9% weit mehr Luft als H&M (7,5%).

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