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Modeaktien-Analyse

Corona, Konsum, Konjunktur

Die Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus Covid-19 liegt nun bei 2200 – die der bestätigten Infektionen bei über 75.000. Die schon vom US-Handelsstreit geschwächte chinesische Konjunktur stockt – mit zeitverzögerten Folgen für die internationale Wirtschaft. Asiatische Nachbarländer bieten bereits einen Vorgeschmack: Rezessionsängste in Japan, wo das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2019 (vor allem wegen der Umsatzsteuererhöhung) eingeknickt ist und das Auftaktquartal wegen des Coronavirus erneut einen Rückgang erwarten lässt.


Singapur reduziert die Wachstumsprognosen für 2020. Auch Thailand befürchtet einen Rückgang des BIP.

Indes sind die Aktienmärkte gemäß der Devise „Viren kommen und gehen“ gelassen und notieren auf Höchstständen. Man scheint eine V-förmige Erholung einzupreisen. Hinter diesem Optimismus steht ein großes Fragezeichen, zumal erste Konjunkturdaten, die den Corona-Effekt berücksichtigen, noch ausstehen.

Die internationalen Lieferketten sind eng verknüpft. Zu den anfälligsten Sektoren zählt neben Transport und Tourismus alles, was mit Retail und Konsum zu tun hat – so auch Mode, und zwar produktions- wie absatzseitig. Je höher der Asien-Umsatzanteil, umso naheliegender ist eine Delle bei den Erlösen. In Sachen Sourcing sind Unternehmen, die relativ wenig aus China beziehen wie Inditex, im Gegensatz zu H&M im Vorteil.

Von den MAI-Titeln ist der japanische Konzern Fast Retailing (Uniqlo) besonders hart betroffen. Etwa die Hälfte der 750 in China betriebenen Uniqlo-Stores wurde temporär geschlossen. China ist mit einem Anteil von 22% am Konzernumsatz nicht nur größter Einzelmarkt nach Japan, sondern auch der Wachstumstreiber. Aber auch mehr als die Hälfte der Zulieferbetriebe befindet sich in China. Produktions- und Lieferverzögerungen für die kommende Herbst-/Winterware sind wahrscheinlich. Die Abwärtstendenz der Aktie seit Jahresanfang (minus 7%) dürfte sich mit Publikation der Quartalsbilanz per 29.2. beschleunigen.



Mit deutlichen Einbußen ist (zumindest im 1. Quartal) bei den Vertretern der Luxusgüter-Branche zu rechnen. Der Subsektor hat innerhalb des MAI den höchsten Umsatzanteil in Asien und damit wohl auch in China – gefolgt von der Sportartikelbranche. Schon die Protestbewegung in Hongkong schlug negativ zu Buche. In einem Klima der Angst steht der Sinn kaum nach Luxuswaren. Zudem dürften Reisebeschränkungen das Geschäft mit Shoppingtouristen auch außerhalb des Reichs der Mitte dämpfen. Während sich die Big Player LVMH und Kering wacker schlagen, sind Konzerne wie Prada und Burberry, die noch im Umbau stecken, stärker betroffen.


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