Interview mit Tam Fashion-Manager Jens Bastian

"Ich gehe davon aus, dass sich Masken als Accessoires durchsetzen"

Tam Fashion
Jens Bastian, Vertriebsleiter bei Tam Fashion, hat sich bei der Produktion von modischen Behelfsmasken an China orientiert: „Dort tragen viele Menschen über medizinischen Produkten für die Optik eine gemusterte Stoffmaske.“
Jens Bastian, Vertriebsleiter bei Tam Fashion, hat sich bei der Produktion von modischen Behelfsmasken an China orientiert: „Dort tragen viele Menschen über medizinischen Produkten für die Optik eine gemusterte Stoffmaske.“

Ein Blick nach China. Haily's bietet Handelspartnern modische Behelfsmasken mit auswechselbarem Filter an und ließ sich bei dem Design von den farbenfrohen Modellen aus dem Reich der Mitte inspirieren. Zudem fertigt das Label, das wie Zabaione zur Tam Fashion GmbH gehört, die Masken in China. Allerdings ist der Transport eine enorme Herausforderung. Vertriebsleiter Jens Bastian spricht im TW-Interview über explodierte Frachtkosten, den Hype um Masken und schockierte Kollegen in asiatischen Büros.

TextilWirtschaft: Wie kam es, dass Sie sich für die Produktion von Masken entschieden haben?
Jens Bastian: Der Auslöser waren die Kollegen in unseren chinesischen Büros. Sie haben uns schon zu Beginn der Corona-Krise Masken für den Eigenbedarf geschickt, weil sie fassungslos waren, dass sich die Menschen in Europa kaum schützen. So wurde unsere Aufmerksamkeit auf die Thematik gelenkt. Viele Menschen in China tragen Fashion-Masken und auch unsere internationalen Kunden zeigten zunehmend Interesse an den bunten Modellen. Medizinische Masken herzustellen, konnten wir uns nicht vorstellen. Dem Handel modische Stoffmasken anzubieten, hingegen schon.


Was können Ihre Masken?
Wir vertreiben Behelfsmasken ohne Zertifikat, also keine medizinischen Produkte. Die Masken haben sicher einen gewissen Schutzgrad. Wie hoch dieser ist, ist allerdings schwer zu sagen. Wir statten die Produkte mit einem Einwegfilter aus Papier aus, der dafür sorgt, dass die Maske beim Ausatmen nicht feucht wird. Die Filter halten ein paar Stunden. Allerdings können wir keine konkrete Mindesthaltbarkeit angeben. Wenn der Träger beispielsweise viel spricht, wird er den Filter auch schneller austauschen müssen. Zu jeder Maske gehören zwei Filter, zudem können sie nachgekauft und ausgetauscht werden.

Aus welchen Materialien bestehen die Masken?
Wir verwenden eine Mischung aus Baumwolle und Polyester. Sehr wichtig ist, dass die Produkte bei 60 Grad waschbar sind.

Wie ist die Resonanz?
Die Nachfrage ist riesig. Allerdings variiert der Bedarf je nach Land. Aus Italien oder Spanien würde man vermutlich mit großem Andrang rechnen, doch dort ist das Interesse gleich Null. Ich denke, das liegt an der Ausgangssperre, schließlich tragen die Leute zuhause keine Masken. Auch in Skandinavien gibt es nur eine geringe Nachfrage. Die meisten Lieferungen gehen nach Deutschland, die Benelux-Länder, Osteuropa und natürlich Österreich.

Denken Sie, dass die Nachfrage hierzulande noch steigen wird?
Wenn das Kontaktverbot aufgehoben wird und alle Läden wieder geöffnet sind, werden diese Lockerungen sicher mit Bedingungen verbunden sein. Vielleicht werden Masken, die zumindest einen Grundschutz bieten, obligatorisch. Dann kann ich mir vorstellen, dass der Hype stark zunimmt. Außerdem ist damit zu rechnen, dass viele Menschen ihren Sommerurlaub in Deutschland verbringen und nicht verreisen werden. Bei 30 Grad will aber niemand zuhause sitzen. Die Leute werden Zeit draußen verbringen wollen und dafür brauchen sie den nötigen Schutz.

Glauben Sie, das Tragen von Masken könnte in Deutschland bald längerfristig zum Alltag gehören?
In Asien ist das Tragen von Masken beispielsweise bei einer Grippewelle eine Form von Höflichkeit. Diese Einstellung gab es bisher bei uns nicht. Ich bin gespannt, welche gesellschaftlichen Auswirkungen das Virus auf uns haben wird. Aber meine Erwartungen sind nicht allzu hoch, man fällt so schnell wieder in die alten Rhythmen zurück.

Was ist bei der Produktion von Masken besonders herausfordernd?
Die größte Herausforderung ist, die Masken so schnell wie möglich nach Deutschland zu bringen. Wir produzieren in China und der Transport per Schiff ist nicht möglich, schließlich brauchen wir die Ware jetzt. Allerdings stellen uns die aktuellen Kapazitäten der Luftfracht vor große Probleme. Auch die Preise sind exorbitant gestiegen. Ende März lagen sie schon bei rund 10 US-Dollar pro Kilo und seitdem hat sich viel getan. Die Kosten sind insgesamt sicher um 400 bis 500% gestiegen.

Kommt eine Produktion in Deutschland nicht in Frage?
Um die steigende Nachfrage schnell bedienen zu können, müssen wir im Ausland produzieren. Zudem will nicht jeder Verbraucher 20 Euro für eine einzelne Maske zahlen, die meist nicht einmal über einen Filter verfügt. Mit solche Preisen ist allerdings zu rechnen, wenn die Produkte in Deutschland hergestellt werden.

Welchen Preis veranschlagen Sie?
Wir bieten dem Handel Sets mit sechs verschiedenen Ausführungen, pro Farbe oder Muster gibt Sieben Filter kosten im Set 2,38 Euro. Unser UVP für eine Maske inklusive zwei Filtern liegt bei 7,99 Euro.

Wie organisieren Sie die Lieferungen?
Wir bestellen einzelne Chargen von bis zu 40.000 Stück. Die Produktion läuft jedoch ununterbrochen. Unser nächster Liefertermin ist Anfang Mai. Bis dahin ist alles ausverkauft. Wir arbeiten die Bestellungsliste von oben nach unten ab. First come, first served. Die Bestellmengen unterscheiden sich sehr, teilweise ordern Kunden bis zu 2000 Stück.

Gibt es Auflagen, wie Händler Ihre Masken kennzeichnen müssen?
Nein. Wir weisen darauf hin, dass es sich um modische Accessoires und Behelfsmasken handelt. Aber wir nehmen keinen Einfluss darauf, wie der Handel unsere Masken verkaufen und über das Produkt informieren.

Auf welche Dessins setzen Sie?
Wir bieten sowohl Unisex-Modelle als auch maskuline sowie feminine Sets. Darunter waren unter anderem schon ein Pflaster-Dessin, einen Schnurrbart-Print sowie florale Muster oder ein Galaxy-Look. Mit jeder Charge wechseln wir auch die Muster. Diese sind nicht saisonal geprägt. Vom Streifen bis hin zum Paisley kann also alles dabei sein. Mittlerweile haben wir das Angebot auch um unifarbene Modelle erweitert.

Und welche Masken kommen besonders gut an?
Zuerst ausverkauft waren bislang immer die Prints und ich gehe davon aus, dass sie sich als Accessoire durchsetzen. Hier können wir uns wieder an China orientieren. Dort tragen viele Menschen über medizinischen Produkten für die Optik eine gemusterte Stoffmaske. Das war unsere Inspiration und wir haben versucht, für unsere Masken Funktion mit Design zu verbinden.

Viele Unternehmen haben sich dazu entschieden, Behelfsmasken beispielsweise an öffentliche Einrichtungen zu spenden. Diesen Weg sind Sie nicht gegangen.
Spenden sind natürlich eine tolle Sache. Aber auch wir wurden von der aktuellen Situation ausgebremst. Die Maskenproduktion ist für uns eine willkommene Möglichkeit, unser Lager und die Logistik am Laufen zu halten. Daher haben wir uns dazu entschieden, die Masken zu vertreiben.

Und gelingt es Ihnen so, Ihre durch die aktuelle Lage entstandenen Verluste auszugleichen?
Tam Fashion beliefert 4.500 Kunden in 37 Ländern. 2018 haben wir das Jahr mit knapp 71 Mio. Euro Umsatz abgeschlossen. Der Lock-Down in den meisten unserer Märkte war auch für uns wie eine Vollbremsung auf der Autobahn. Der Vertrieb der Fashionmasken trägt dazu bei, dass wir in Bewegung bleiben. Aber den Umsatzverlust können die Masken nicht ausgleichen.

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