Inhaberwechsel bei Schuhfilialisten in Hamburg

Steffen Liebich übernimmt auch Schuhkay1882

Schuhkay1882
Joachim und Thomas Kay gehören zur fünften Generation der Schuhhandelsfamilie Kay in Hamburg. Nun sollen sie ihr Unternehmen verkauft haben.
Joachim und Thomas Kay gehören zur fünften Generation der Schuhhandelsfamilie Kay in Hamburg. Nun sollen sie ihr Unternehmen verkauft haben.

Offenbar hat die Corona-Krise den Druck auf die Brüder Thomas und Joachim Kay deutlich erhöht. Die Händler, die den Hamburger Schuhfilialisten Schuhkay1882 mit 20 Läden sowie neun Tamaris-Stores führen, haben gerade einen umfangreichen Unternehmens-Relaunch abgeschlossen, um sich stärker von der anderen Schuhkay-Kette zu unterscheiden. Sie waren mit der Entwicklung zufrieden und hatten Ende 2019 noch entspannt ins folgende Jahr geblickt.

Nun die Nachricht, dass sie ihr Unternehmen verkauft haben. Wie ein mit der Sache vertrauter Manager aus der Branche auf TW-Anfrage bestätigt, ging es an die Goal Beteiligungsgesellschaft aus Berlin, hinter der der Manager Steffen Liebich steht. Die beiden Chefs seien zudem zurückgetreten und würden nur noch beraten. Details und Hintergründe sind nicht bekannt. Bislang hat keiner der Beteiligten auf Rückfragen reagiert. Zuerst darüber berichtet hatte der Schuhkurier am heutigen Donnerstag.

Erst im vorigen November übernahm Liebich auch den Hamburger Filialisten Schuhhaus Kay GmbH & Co KG mit 24 Läden, der Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet hatte. Liebich, dem auch die Schuhketten Leiser, Schlatholt und Anika Schuh gehören, wurde in die Geschäftsführung bestellt, auch Matthias Kay hatte damals sein Amt als Geschäftsführer niedergelegt und wollte weiter beratend tätig bleiben.

Schuhkay und Schuhkay1882

Unter Schuhkay1882 gibt es 20 Filialen.
Schuhkay1882
Unter Schuhkay1882 gibt es 20 Filialen.
Ähnlich wie bei Aldi Nord und Aldi Süd gibt es auch bei Schuhkay zwei unabhängige Unternehmen, die den Markennamen verwenden: Schuhkay und Schuhkay1882. Im Jahre 1882 gegründet, wurde das Unternehmen beim Generationswechsel 1934 unter den beiden Söhnen Herbert und Werner Kay aufgeteilt, woraus sich zwei unabhängige Filialunternehmen gebildet haben.

Bis 2017 war die rein wirtschaftliche Trennung dieser beiden Unternehmen für Außenstehende nicht sichtbar, da beide Unternehmen das pink-blaue Markenlogo genutzt haben. Doch seit 2018 haben die Brüder Thomas und Joachim Kay (Inhaber der KG Schuhkay GmbH & Co) ein Trading-up betrieben mit neuem Slogan "Schuhleidenschaft in fünfter Generation" und neuem Logo, einem Pferdekopf mit Zylinder. Seit vorigem August gibt es zudem eine eigene hochwertige Schuhmarke 1882.

Beschafft werden sie über die Verbundgruppe MK, der neben Schuhkay1882 auch Filialisten wie Dielmann, Werdich und Tschümperlin angehören und über die auch die sonstige Order abgewickelt wird. Markus Dielmann, Sprecher der Verbundgruppe, wollte sich zur Übernahme noch nicht äußern. "Wir sind aufgrund der Corona-Krise derzeit stark eingebunden, um die aktuelle Situation bestmöglich zu bewältigen. Wir werden wir uns zu gegebener Zeit mit dem Sachverhalt auseinandersetzen." Erst jüngst bezeichnete er im TW-Interview Schuhkay1882 als Benchmark für das eigene Unternehmen.


In diesem Jahr ist Schuhkay1882 zudem über die ANWR-Plattform Schuhe.de mit einem eigenen E-Shop gestartet. Das vorige Jahr habe das Unternehmen mit einem leichten Plus abgeschlossen. Der Umsatz liegt nach eigenen Angaben bei rund 40 Mio. Euro. "Die Zeiten sind schwer. Man muss immer alles auf den Prüfstand stellen, damit man zukunftsfähig ist", sagte Joachim Kay im Dezember im TW-Interview. Sein Bruder ergänzte: "Uns trifft nicht nur das Internet. Die Schuhe von Zara und H&M, dass viele Modehäuser auch Schuhe verkaufen, der Sneaker-Trend, von dem wir nur bedingt profitieren, weil wir hier keine Kompetenz haben – all das verschärft den Wettbewerb für uns."
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