Nach massiven Umsatzeinbrüchen

Hallhuber geht unter den Schutzschirm

Hallhuber
Erst im März hat Hallhuber seinen Store am Flughafen in Zürich eröffnet.
Erst im März hat Hallhuber seinen Store am Flughafen in Zürich eröffnet.

Hallhuber hat die Notbremse gezogen und ein Schutzschirmverfahren beantragt. Der DOB-Filialist sieht nach den massiven Umsatzeinbußen durch die Corona-Pandemie keine andere Möglichkeit.

Das Amtsgericht München habe das Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung genehmigt, teilt Hallhuber mit. "Diese Maßnahme musste ergriffen werden, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden." Das Unternehmen habe nun drei Monate Zeit, einen Sanierungsplan auszuarbeiten. Zum Sachwalter wurde der Rechtsanwalt Christian Gerloff von der Kanzlei Gerloff Liebler bestellt. Er ist u.a. auch der Insolvenzverwalter von Laurèl und war in der Zeit der Insolvenz Generalbevollmächtigter bei Gerry Weber, dem ehemaligen Mutterkonzern von Hallhuber.


Die Hallhuber Geschäftsführung mit CEO Rouven Angermann und CFO Torsten Eisenkolb bleibt im Amt und wird das Unternehmen weiter führen. Zur Verstärkung des Management-Teams wurden die Sanierungs-Experten Sven Tischendorf und Alexander Höpfner von der Frankfurter Kanzlei AC Tischendorf Rechtsanwälte an Bord geholt. Tischendorf übernimmt das Amt des Chief Restructuring Officers, Höpfner ist Chief Insolvency Officer.

Der laufende Geschäftsbetrieb von Hallhuber sei sichergestellt, ebenso wie die Löhne der knapp 2000 Mitarbeiter. "Wir waren bis Januar 2020 sehr erfolgreich unterwegs, aber die behördlich angeordneten Schließungen unserer Verkaufsflächen setzten uns jetzt hart zu", sagt Angermann. Das Schutzschirmverfahren sei die bessere Variante im Vergleich zu der Option Staatshilfen und der damit einhergehenden Verschuldung. "Wir können so unser Unternehmen geordnet und erfolgreich wieder anfahren und auf den Wachstumskurs vor Covid-19 zurückbringen."

Die Neuausrichtung von Hallhuber wurde bereits im Juli 2019 nach der Übernahme durch den Finanzinvestor Robus Capital eingeleitet und werde weiter umgesetzt. Der Fokus liege auf der Ausrichtung aller Geschäftsfelder und Prozesse auf das schon bestehende vertikale Geschäftsmodell und der Umsetzung der Omnichannel-Strategie. Es soll ein on- und offline durchgängiges Einkaufs- und Markenerlebnis entstehen.


Hallhuber ist erst seit Juli vergangenen Jahres aus dem Gröbsten raus. Damals wurde die Gerry Weber-Tochter – der Konzern aus Halle hält heute noch 12% - von Robus Capital übernommen, eine Rettung in letzter Minute. Nach der Gerry Weber-Insolvenz Anfang 2019 hatten einige Banken auch bei der rechtlich selbstständigen Tochter ihre Linien eingefroren, sodass die Finanzierung von Hallhuber nicht mehr gesichert war. Robus übernahm. Hallhuber gehörte seit Februar 2015 zu Gerry Weber.

Seitdem ging es langsam aber stetig aufwärts, sagt Angermann. Zuletzt lag der Umsatz bei 197 Mio. Euro. Der neue Inhaber hat die knapp 11 Mio. Euro, die er Hallhuber bereits vor der Übernahme zur Verfügung gestellt hat, nochmals deutlich aufgestockt, um das Unternehmen strategisch gut aufzustellen. Viele Investitionen wurden zu Gerry Weber-Zeiten unterlassen, u.a. in die IT.

Im September 2019 wurde Torsten Eisenkolb Chief Financial Officer in München. Seitdem bilden Angermann und der ehemalige Adidas-Manager eine  Doppelspitze.

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