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Minister Müller lanciert das Nachhaltigkeitssiegel später als geplant

Grüner Knopf startet erst im September

Anja Probe
Mit einem Stand auf der Neonyt in Berlin will das BMZ den Grünen Knopf der Öffentlichkeit näher bringen.
Mit einem Stand auf der Neonyt in Berlin will das BMZ den Grünen Knopf der Öffentlichkeit näher bringen.

Nach hinten verschoben: Die Einführung des Grünen Knopfs verzögert sich. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) will das Nachhaltigkeitssiegel für Kleidung nun am 9. September lancieren. Im Frühjahr hatte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller den Start noch für Juli angekündigt.

Anfang September sollen die ersten geprüften Marken, die teilnehmen, vorgestellt werden. Auf der Neonyt in Berlin ist das BMZ jetzt mit einem Infostand vertreten, um das Siegel zu bewerben. Minister Müller war am Dienstagmittag auch selbst vor Ort.


Minister Gerd Müller war am Dienstag auf der Neonyt unterwegs, hier im Gespräch mit Claudia Lanius.
Anja Probe
Minister Gerd Müller war am Dienstag auf der Neonyt unterwegs, hier im Gespräch mit Claudia Lanius.
Unterstützung in der Kommunikation bekommt er von Model und Schauspielerin Barbara Meier. Sie sagte der TW: "Wir haben die Einführung verschoben, weil die Nachfrage seitens der Unternehmen so groß war und wir Zeit für die Prüfungen brauchten." Aus gut informierten kreisen ist zu hören, dass inzwischen rund 40 Marken dabei sein sollen.



Zum Start will der Grüne Knopf zunächst die Nassprozesse und die Konfektion abdecken. Ziel ist die gesamte Lieferkette. Das BMZ lässt durch externe Prüfstellen die Anforderungen an die Hersteller kontrollieren. Dabei werden auch bestehende Standards wie GOTS, Made in Green Boy Oeko-Tex, Fairtrade, Bluesign oder IVN Best anerkannt. Ein Produkt muss insgesamt 26 soziale und ökologische Kriterien erfüllen.

Einführungphase bis 2021

Erfolgreich geprüfte Marken bekommen eine Lizenz für den Grünen Knopf und erhalten Vorlagen für die Kommunikation und Logos. Die Einführungsphase ist bis 2021 vorgesehen. Der Grüne Knopf wird als Gewährleistungsmarke eingetragen und soll auch international wirken. Auf Englisch heißt er dann Green Button.

„Ich sehe den Grünen Knopf als Chance für mehr Bekanntheit für unser Label, weil dahinter eine große Kommunikationskraft steht", sagt Henning Siedenopp von Melawear.

Minister Müllers Gesicht für faire Mode: Model Barbara Meier wirbt für das Textilbündnis und den Grünen Knopf.
Anja Probe
Minister Müllers Gesicht für faire Mode: Model Barbara Meier wirbt für das Textilbündnis und den Grünen Knopf.
Barbara Meier wird Teil der Kommunikationsstrategie sein, spricht aber auch mit Brands über das Siegel und das Textilbündnis. "Ich habe einen anderen Zugang zur Mode als das BMZ."

Sie verstehe nicht, dass dem Grünen Knopf so viel Gegenwind entgegenschlägt. "Leider gibt es in Deutschland die Mentalität, dass Unternehmen, die zu 90% nachhaltig agieren, für die restlichen 10% kritisiert werden."



Kritik an dem Metasiegel kommt auch von der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels (AVE). Das aktuelle Konzept des Grünen Knopfes trage nicht dazu bei, "die Konsumentenkommunikation einfach und transparent zu gestalten", heißt es in einer Stellungnahme. "Eine breite Marktabdeckung wird der Grüne Knopf aktuell nicht erzielen können."

Ein staatliches Metasiegel verspreche, die komplette Lieferkette und alle sozialen und ökologischen Standards abzudecken. Das könne der Grüne Knopf nicht gewährleisten.  Laut AVE müsse ein Nachhaltigkeits-Label für Textilien "mindestens europaweit, besser noch global akzeptiert werden".

Die AVE schlägt vor, den Grünen Knopf Unternehmen für deren Engagement zur Verbesserung der Fertigungsbedingungen zu vergeben. Oder auch für die gesamte Kollektion. Damit wäre der Arbeitsaufwand für die Vergabestellen und die Unternehmen praktikabel. Außerdem könnten die Unternehmen das Siegel an den Artikeln der gesamten Kollektion anbringen - "unabhängig davon, in welchem Land die Ware verkauft wird."

Kritik kommt auch von einem Fair Fashion-Anbieter in Berlin, der seinen Namen nicht veröffentlichen will: "Mit dem grünen Knopf will sich Minister Müller nur ein Denkmal setzen. Es ist völlig kontraproduktiv und überflüssig. Es wäre besser, ein bestehendes Siegel wie GOTS zu pushen."

Ein staatliches Metasiegel verspreche, die komplette Lieferkette und alle sozialen und ökologischen Standards abzudecken. Das könne der Grüne Knopf nicht gewährleisten, kritisiert der AVE.
Anja Probe
Ein staatliches Metasiegel verspreche, die komplette Lieferkette und alle sozialen und ökologischen Standards abzudecken. Das könne der Grüne Knopf nicht gewährleisten, kritisiert der AVE.
Anders sieht das das Buchholzer Unternehmen Brands Fashion, das mit seinem Öko-Label Shirts for Life auf der Neonyt ausstellt und sich für den Grünen Knopf beworben hat. "Bei GOTS fehlen etliche soziale Aspekte in der Lieferkette", sagt Unternehmenschef Uli Hofmann. Sein Unternehmen werde derzeit vom TÜV Nord geprüft. Es gehe zum einen um die Arbeitsweise des Unternehmens, z.B. was Risiko- und Beschwerde-Management betrifft. Zum anderen um Produkt-Kriterien, die, wie bereits erwähnt, auch durch bestehenden Zertifikate abgedeckt sein können.

Wenn Hofmann die Lizenz erhält, gilt diese für drei Jahre. "Wir versprechen uns von dem Grünen Knopf eine langfristige und dauerhafte Verbesserung der Bedingungen. Das Siegel will keine Unternehmen, die vielleicht nur ein Teil in der Kollektion haben, das GOTS-zertifiziert  ist", so Hofmann.

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