Nachruf

Trauer um Kenzo, den Ideenmann

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Kenzo Takada
Kenzo Takada

Kenzo Takada ist im Alter von 81 Jahren an den Folgen des Coronavirus gestorben. Der japanische Designer prägte mit seinem Mix aus den Traditionen seiner Heimat und dem Spirit von Metropolen wie New York die französische Ready-to-wear. Und versetzte die Mode mit einem Hauch poetischer Leichtigkeit und gelöstem Optimismus.

Die Modewelt trauert um Kenzo Takada. Der Designer, der mit seiner Marke Kenzo zu Weltruhm gelangte, starb am Sonntag in einem Krankenhaus in Neuilly-sur-Seine an den Folgen des Coronavirus. Er wurde 81 Jahre alt.


Bernard Arnault, CEO des weltgrößten Luxuskonzerns LVMH, dem die Marke Kenzo heute gehört, würdigte den Japaner in einem Nachruf für seinen „frischen, spontanen Geist“: „Seit den 70er-Jahren verpasste Kenzo die Mode mit einer Prise poetischer Leichtigkeit und einer lieblichen Ungezwungenheit, die viele Designer nach ihm inspiriert hat.“

Paris Fashion Week: Kenzo F/S 2021



Kenzo Takada war ein Weltenwanderer und Brückenbauer zwischen Orient und Okzident. In seinen Entwürfen verband er die Traditionen seiner Heimat mit dem Stil westlicher Metropolen wie New York und Paris. Er prägte Trends in den 70er- und 80er-Jahren. Er bediente sich Natursymboliken und gab der Flower-Power-Ästhetik seinen eigenen Dreh, beispielsweise mit Dschungel-Prints.

Sein Einfallsreichtum bescherte Kenzo in den 70er-Jahren den Spitznahmen „Ideenmann“ der französischen Ready-to-wear. Er ließ sich von Volks- und Nationaltrachten inspirieren und bevorzugte Kasacks und Tuniken über weiten Röcken oder engen Hosen. Kennzeichnend für ihn waren großflächige Blumenmuster und ungewöhnliche Farbkompositionen. Kenzo war ein eklektisches Talent, das über die Grenzen der Mode hinausdachte. Er entwarf Kostüme für das Stück „Course du Temps“ von Karlheinz Stockhausen und führte bei dem Film „Rêve après rêve“ im Jahr 1980 Regie.

Kenzo sei „für ein halbes Jahrhundert eine emblematische Persönlichkeit“ der Modeindustrie gewesen, sagte Sylvie Colin, die aktuelle CEO der Marke: „Er bereicherte die Welt mit seiner Kreativität und Farbe. Sein Optimismus, seine Lebenslust und seine Großzügigkeit sind weiterhin Grundpfeiler des Modehauses.“

Geboren wurde Kenzo in der Präfektur Hyogo, die nordwestlich von Osaka liegt. Er war das fünfte von sieben Kindern. Nachdem er als erster männlicher Student die Modeschule Bunka Gakuen in Tokio besucht hatte, siedelte er 1965 nach Paris über. Dort wohnte er den Schauen von Pierre Cardin, Chanel und Christian Dior bei. Er begann, mit dem Modehaus Féraud und dem Magazin Jardin des Modes zusammenzuarbeiten. 1970 präsentierte er als erster japanischer Designer eine Ready-to-wear-Kollektion, die schnell Furore machte.

Kenzo Takada nach der Show 1995: „Sein Geist lebt fort.“
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Kenzo Takada nach der Show 1995: „Sein Geist lebt fort.“
Der Japaner war auch ein umtriebiger Unternehmer. 1970 eröffnete er den Laden „Jungle Jap“ in der Galérie Vivienne. In den kommenden Jahren breitete er sich mit Stores rund um den Globus aus. Dort verkaufte Kenzo Herren- und Damenmode, Kindermode, Jeans, Accessoires, Home-Artikel, Düfte und Schreibmaterial. Geführt wurde das Unternehmen Kenzo bis zum Verkauf an LVMH im Jahr 1993 von Francois Beaufumé.

Nach der Übernahme blieb Kenzo erst einmal Kreativdirektor. An seinem 65. Geburtstag kündigte er an, sich aus der Mode zurückziehen zu wollen. Das geschah dann nach seiner letzten Schau als Kreativdirektor am 7. Oktober 1999.

Auf ihn folgten Designer wie Antonio Marras, Gilles Rosier, Roy Krejberg und Christophe Blondin. In den Jahren seit 2011 konnten Humberto Leon und Carol Lim rund um die Marke einen wahren Hype entfachen. Die Köpfe hinter den Opening Ceremony-Stores holten den markanten Tigerkopf aus den Archiven der Marke hervor, brachten ihn markant etwa auf Sweatshirts in Position und die Marke so zu neuen kommerziellen Erfolgen. Die Frühjahrskollektion 2020 war die letzte des Design-Duos für die Marke Kenzo. Aktuell ist Felipe Oliveira Baptista Kreativdirektor. Er würdigte Kenzo für seine „unglaubliche Energie, seine Herzlichkeit und sein mitreißendes Talent“: „Sein Geist lebt fort.“

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