Maßkonfektionär hat nach Insolvenz nicht nur mit dem Shutdown zu kämpfen

Corona-Maßnahmen: Dolzers vier Forderungen

Die Sanierung des Maßkonfektionärs kommt einen großen Schritt voran. Dann kommt das Virus und mit ihm die Schließung der Läden. Dolzer muss weiterkämpfen. Geschäftsführer Thomas Selkirk drängt auf schnelle Unterstützung und fordert Nachbesserungen bei der Corona-Politik der Bundesregierung. Mit seinen Forderungen dürfte der Dolzer-Chef unter den Mode-Mittelständlern nicht allein sein.

Der Maßkonfektionär Dolzer ist raus aus der Insolvenz. Mit Beschluss des Amtsgerichts Nürnberg wurde das Verfahren über das Vermögen der Dolzer Maßkonfektionäre GmbH aufgehoben. Damit ist auch der Weg frei zur Sanierung der Filial-Tochtergesellschaften, die sich unverändert im Regelinsolvenzverfahren befinden, heißt es in einer Mitteilung. Es sei nun das vornehmliche Ziel, sämtliche 18 Dolzer-Filialen zu erhalten.

Der eingeschlagene Weg könnte aufgrund der aktuellen Situation kaum schwerer sein, denn Corona-bedingt musste auch Dolzer seine Filialen schließen. Auf die Sanierung folgt somit der Shutdown. Man sei aber gleichwohl zuversichtlich, dass die Sanierung unter Zuhilfenahme des mittlerweile beantragten Kurzarbeitergeldes möglich werde, lässt Dolzer optimistisch vermelden. Doch Thomas Selkirk, Geschäftsführer des Maßkonfektionärs aus dem unterfränkischen Schneeberg legt nach und fordert nun schnelle Veränderungen beim Corona-Maßnahmen-Paket der Bundesregierung. Mit seinen Vorschlägen dürfte er  für viele Unternehmen im Mode-Mittelstand sprechen, die um schnelle Liquidität kämpfen und hohe bürokratische Hürden fürchten. Die vier Forderungen Selkirks im Einzelnen.

Wegfall des Stichtags: "Wir sind aus der Insolvenz raus, weil das Gericht uns bescheinigt, dass wir zukunftsfähig und gesund sind", so Selkirk. Es könne demnach nicht sein, dass man aufgrund der aktuellen Bestimmungen kaum Aussicht auf staatliche Unterstützung habe. Selkirk spricht damit eine Regelung an, die besagt, dass nur diejenigen Unternehmen Hilfe erwarten dürften, die zum Stichtag 31.12.2019 nicht in finanziellen Schwierigkieten waren. Damals befand sich Dolzer aber in der Insovenz. "Der Stichtag muss gestrichen werden", sagt Selkirk. "Derjenige der aktuell gesund ist, sollte auch Anspruch auf Untertützung haben."

Volle Haftung für KfW-Kredite: "Wir brauchen eine 100%-ige Haftung für die KfW-Kredite", fordert Selkirk. Blickt man nach Berlin, ist hier der Stein im Rollen. Aktuell prüft die Bundesregierung, in welchem Maße eine 100% Risikoübernahme der KfW-Kredite gewährleistet werden kann. Die Banken erwarte ohnehin eine Flut von Anfragen und Kreditprüfungen, so Selkirk. Doch es müsse jetzt schnell gehen. "Die Möglichkeit für eine 100%-Haftung ist unabdingbar", sagt der Dolzer-Geschäftsführer.

Länger Rückzahlungsfristen: "Die Rückzahlung muss über lange Zeit gestreckt werden, beziehungsweise die Darlehen müssen schrittweise bei Erfüllung bestimmter Kriterien erlassen werden", fordert Selkirk. Viele mittelständische Unternehmen hätten zwar Zugang zu Krediten, "doch die Schuldenlast wird schnell so groß, dass viele die Kredite nie so schnell zurückzahlen können." Das verschiebe die Probleme nur nach hinten.

Kontaktverbot, nur so lange wie nötig: "Das geltende Kontaktverbot muss so spät wie nötig aber so früh wie möglich aufgehoben werden", sagt Selkirk. Sonst erfahre der Großteil des Einzelhandels eine Kernschmelze. Selkirk nennt mögliche Auflagen, die er nach der Wiedereröffnung für vorstellbar hält: Anzahl der Kunden pro Quadratmeter, Desinfektionsprozesse sowie deren Kontrolle, Virenschutz in Form von Masken und Handschuhen.

Das Amtsgericht Nürnberg hatte über das Vermögen der Unternehmensgruppe, der auch die Dolzer Maßkonfektionäre GmbH angehört, am 1. Dezember 2019 das Insolvenzverfahren eröffnet. Seither wurde der Betrieb des Unternehmens in Eigenverwaltung fortgeführt. Für die eigenständig organisierten 18 Filialtochtergesellschaften wurden am 1. Dezember 2019 jeweils die Regelinsolvenzverfahren eröffnet und Rechtsanwalt Graf Brockdorff zum Insolvenzverwalter bestellt.

Eine tschechische Tochter der Dolzer Unternehmensgruppe mit rund 180 Mitarbeitern war und ist nicht Teil des Insolvenzverfahrens, wird in einer Mitteilung hervorgehoben.
stats