Bund und Länder lockern Anti-Corona-Maßnahmen

Das Ende der 800m²-Regelung: Alle Geschäfte dürfen öffnen

imago images / Ralph Peters
Die Ministerpräsidenten einigten sich darauf, dass alle Läden nach dem Corona-Shutdown wieder öffnen dürfen. Hygiene- und Zutrittsregelungen sollen weiterhin gelten.
Die Ministerpräsidenten einigten sich darauf, dass alle Läden nach dem Corona-Shutdown wieder öffnen dürfen. Hygiene- und Zutrittsregelungen sollen weiterhin gelten.

Kanzlerin Angela Merkel hat zusammen mit den Länderchefs neue Regelungen zu Ladenöffnungen und Kontaktbeschränkungen beschlossen. Kurz danach gab NRW-Ministerpräsident Armin Laschet Details für sein Bundesland bekannt. Diese dürften insbesondere Anbieter von Sport- und Bademode erfreuen. Ebenso Modehändler, die über eine eigene Gastronomie verfügen.

Der heutige Mittwoch wurde von vielen Bundesbürgern mit Spannung erwartet, da Kanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit den Länderchefs zu neuen Corona-Auflagen konferiert hat. Das sind die neuen Regelungen zu Ladenöffnungen und Kontaktbeschränkungen. Wie bereits vor der offiziellen Pressekonferenz in Medienberichten durchgesickert war, einigten sich die Ministerpräsidenten darauf, dass alle Läden wieder öffnen dürfen. Die vom Einzelhandel heftig kritisierte 800m²-Regelung wird also abgeschafft. Viele Bundesländer hatten sie in der vergangenen Woche ohnehin schon modifiziert. In Nordrhein-Westfalen gilt die Beschränkung auf Flächen bis 800m² ab dem kommenden Montag (11. Mai) nicht mehr, teilte Ministerpräsident Armin Laschet in Düsseldorf mit. 

Anstelle der Begrenzung der Verkaufsfläche müssen nun Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen erfüllt werden. Wichtig ist, dass die maximale Anzahl von Personen (Kunden und Personal) bezogen auf die Verkaufsfläche vorgegeben wird, heißt es im Beschluss.

In NRW soll beispielsweise eine Zugangskontrolle dafür sorgen, dass sich pro 10m² nur ein Kunde in den Läden aufhält, erklärte Ministerpräsident Laschet auf einer Pressekonferenz. "Damit verhindern wir, dass wieder große Menschenmengen entstehen", sagte der CDU-Politiker.

Darüber hinaus werden die Kontaktbeschränkungen grundsätzlich bis zum 5. Juni verlängert. Allerdings wurde auch hier eine Lockerung festgelegt: Aufgrund der niedrigen Infektionszahlen dürfen sich künftig auch Angehörige von zwei Haushalten treffen. Bereits getroffene Regelungen wie beispielsweise in Sachsen-Anhalt sind von dem gemeinsamen Beschluss nicht betroffen. Dort dürfen sich fünf Personen treffen. In Hessen sollen nach Angaben der Landesregierung Veranstaltungen mit bis zu 100 Teilnehmern wieder möglich sein.

Grundsätzlich behalten sich die Regierungen vor, die Regelungen gegebenenfalls wieder anzupassen: Mehr als 50 Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen pro 100.000 Einwohner in einem Landkreis gelten hier als Maßstab. Tritt dieser Fall ein, müssten neue Kontaktbeschränkungen her, betont Merkel.

Entscheidungen zu Gastronomie und Messen sind Ländersache

Die Gastronomie soll in den Bundesländern zu unterschiedlichen Zeitpunkten geöffnet werden, sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Vor dem Hintergrund des jeweiligen Infektionsgeschehens sollen die Länder über die schrittweise Öffnung der Restaurants und Bars sowie des Tourismus, stets in Verbindung mit Hygiene- und Abstandskonzepten, entscheiden. Genauso werden die Länder einzeln zum Beispiel über die schrittweise Wiedereröffnung von Messen und kleineren öffentlichen Veranstaltungen bestimmen.

In NRW sollen Gastronomie und Tourismus bereits am 11. Mai wieder starten, sofern die Infektionszahlen bis dahin niedrig bleiben. Außerdem sind Hygienekonzepte notwendig. So sind etwa Selbstbedienungsangebote wie Lebensmittel-Buffets nicht erlaubt. Aufenthalte in Ferienwohnungen und auf Camping-Plätze sollen wieder möglich sein. Ebenso die Ausflugs-Schifffahrt und der Bootsverleih. Details will Wirtschaftsminister Andreas Pinkward (FDP) an diesem Donnerstag vorstellen. 

Gute Nachrichten hatte Laschet auch für Anbieter von Sport- und Bademode: Ab diesem Donnerstag ist der kontaktfreie Sport unter freiem Himmel wieder erlaubt, zum Beispiel Tennis und Golf. Ab Montag, 11. Mai dürfen Fitness-Studios, Turnhallen und Sportvereine wieder aufmachen, allerdings unter strengen Regeln. Ab 20. Mai können Freibäder unter Auflagen von Abstand und Hygiene öffnen, Spaßbäder ausgenommen. Ab dem 30. Mai sind auch sportliche Aktivitäten erlaubt, bei denen es zu Körperkontakten kommen kann, zum Beispiel Fußball.

Die ersten Reaktionen aus der Modebranche

Die ersten Unternehmen haben bereits auf die neuen Beschlüsse reagiert. Der Modefilialist Sinn will seine Geschäfte bereits am Donnerstag wieder öffnen. Die Vorbereitungen liefen, bestätigte Unternehmenschef Friedrich-Wilhelm Göbel der TW noch während der Kanzlerinnen-Pressekonferenz. Galeria Karstadt Kaufhof wollte sich am Nachmittag auf TW-Anfrage noch nicht äußern, wann unter den neuen Voraussetzungen die nächsten Öffnungsschritte kommen. Beide Unternehmen befinden sich unter einem Schutzschirmverfahren.
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