Neue Verordnungen in zwei Bundesländern

Sachsen und Baden-Württemberg verschärfen Corona-Maßnahmen

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Noch sind Leipziger Highstreets wie die Petersstraße gut besucht. Das dürfte sich am kommenden Montag ändern, wenn die neue 2G-Regel für den Einzelhandel in Kraft tritt.
Noch sind Leipziger Highstreets wie die Petersstraße gut besucht. Das dürfte sich am kommenden Montag ändern, wenn die neue 2G-Regel für den Einzelhandel in Kraft tritt.

Strengere Regeln in Sachsen und Baden-Württemberg. Hier gelten neue Vorgaben zur Bekämpfung der Pandemie.

In Sachsen soll am Montag eine neue Corona-Schutzverordnung in Kraft treten, die unter anderem eine 2G-Regel für den Einzelhandel beinhaltet. Das heißt: Nur Geimpfte und Genesene dürfen die Geschäfte aufsuchen.

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Lockdown für Ungeimpfte im Nachbarland

Österreichischer Handel befürchtet starken Umsatzeinbruch

Der österreichische Handelsverband erwartet durch den Lockdown für Ungeimpfte hohe Belastungen für den einheimischen Einzelhandel. Dieser verliere wöchentlich 350 Mio. Euro an Umsatz. Und im Non Food-Handel ginge ein Drittel des Weihnachtsgeschäfts verloren. Hierzulande hätte eine derartige Maßnahme die gleichen Auswirkungen wie ein klassischer Lockdown, sagt der Handelsverband HDE.

Ausgenommen sind Läden, in denen Produkte des täglichen Bedarfs verkauft werden, z.B. Lebensmittel, Medikamente und Drogerieartikel. Für Bau- und Gartenmärkte soll dagegen keine Ausnahme gemacht werden, teilte das sächsische Kabinett auf einer Pressekonferenz an diesem Dienstag mit.

Demnach sind auch für die Weihnachtsmärkte, die sich in der Regel in Einkaufsstraßen befinden, strengere Regeln geplant. In den Verweilbereichen soll unabhängig von der Personenzahl eine 2G-Pflicht gelten. Bislang war die Regel erst ab einer Menschenmenge von über 1000 Personen vorgesehen. An diesem Dienstag lag die Sieben-Tage-Inzidenz in dem ostdeutschen Bundesland bei 758,2.

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Etwas weniger streng sind die Maßnahmen im Ländle. Dort gilt ab diesem Mittwoch eine 3G-Regelung. Das heißt: Nicht-immunisierte Personen dürfen die Geschäfte nur betreten, wenn sie einen negativen Schnell-Test vorlegen können. Ausgenommen sind Geschäfte der Grundversorgung, Märkte im Freien sowie Abhol- und Lieferangebote, heißt es in einer Mitteilung der baden-württembergischen Landesregierung. Weitere Details stellt das Land Baden-Württemberg hier bereit.

Die Zutrittsbeschränkungen für Einzelhandelsgeschäfte sind hoch umstritten. Die Verbände betonen seit Monaten gebetsmühlenhaft, dass die Ansteckungsgefahr in Geschäften äußerst niedrig ist. So sind etwa im Nachbarland Österreich, wo seit diesem Montag eine 2G-Regel im Einzelhandel gilt, nur 0,1% der Infektionen auf das Einkaufen zurückzuführen. Das haben Berechnungen der österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit ergeben.

Luca: Äußerst wenige Warnungen im Handel

In Deutschland kommen die aktuellsten Zahlen vom Betreiber der Corona-Warn-App Luca. Dieser teilte an diesem Dienstag mit, dass die Gesundheitsämter im Oktober via Luca 130.000 Warnungen verschickt haben. Davon ging nur 1% an Besucher des Einzelhandels. An der Spitze lagen Clubs mit einem Anteil von 49,1%, vor Bars (23,1%) und Restaurants (10,9%).

Die Luca-App wird aktuell von mehr als 38 Millionen registrierten Usern genutzt. Hinzu kommen über 420.000 Betriebe wie Restaurants, Cafés, Clubs oder Bars. 323 von 375 Gesundheitsämtern deutschlandweit sind an das Luca-System angeschlossen. Seit Juni 2021 gab es 250 Millionen Check-ins via Luca, die zu mehr als 370.000 individuellen Warnmeldungen durch die Gesundheitsämter geführt haben.

HDE lehnt 2G-Lockdown strikt ab

Der Handelsverband Deutschland (HDE) spricht sich vehement gegen Lockdowns für Ungeimpfte aus: "Der Einzelhandel hat mit seinen funktionierenden Hygienekonzepten und der konsequenten Maskenpflicht bewiesen, dass geöffnete Ladentüren und erfolgreiche Pandemiebekämpfung kein Widerspruch sind", teilte ein Verbandssprecher auf Anfrage der TextilWirtschaft mit und betonte, dass "2G- oder 3G-Zugangsbeschränkungen für den Handel die gleichen Auswirkungen haben würden wie ein Lockdown".

Der Grund: "Diese Maßnahme würde viele Kundinnen und Kunden abschrecken und einen erhöhten Kontrollaufwand bei den Händlern auslösen, der zu Schlangenbildungen vor den Geschäften führen würde." Zur Frage, wie viel Umsatz der einheimische Einzelhandel durch einen Teil-Lockdown verlieren würde, will sich der HDE nicht äußern. Der österreichische Handelsverband geht von einem Umsatzverlust in Höhe von 350 Mio. Euro pro Woche aus.

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