Neues Konsumverhalten durch Alltagseinschränkungen

Großbritannien: Online-Bekleidungsumsätze in der Abwärtsspirale

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Die Interessen der Internet-Käufer verschieben sich.
Die Interessen der Internet-Käufer verschieben sich.

Covid-19 bremst die Lust auf das Online-Shopping von Bekleidung: Im ersten Monat unter Lockdown konnten britische Online-Retailer nicht von der Schließung der Stores im stationären Handel profitieren.

Im März gingen die Online-Umsätze insgesamt um 5,1% im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück, gegenüber dem Vormonat lag das Minus bei 2,6%. Am stärksten traf die Kaufunlust die Bekleidung mit einem Umsatzrückgang von 23,1% im Jahresvergleich. Das geht aus dem neuesten IMRG Capgemini Online Retail Index hervor, der die Online-Umsatzperformance von über 200 Retailern erfasst.


Besonders stark war der Einbruch bei Menswear mit einem Minus von 42,9% und bei Schuhen mit einem Minus von 32,8%. Bei schönem Wetter und mehr Zeit, die in den Gärten verbracht wurde, legten die Garten-Online-Umsätze im Jahresvergleich um 94,4% zu. Beauty verbesserte sich um 36% , während 40,2% mehr Elektroartikel verkauft wurden.

Gestartet war der März mit schwachen Online-Verkäufen in den ersten vierzehn Tagen, schien sich aber zu erholen, nachdem die britische Regierung am 17.März erste Beschränkungen des öffentlichen Lebens bekannt gab. Und während sich das Retailing mehr ins Internet verlagerte, haben die Multichannel-Akteure zum ersten Mal seit April 2019 mit einem Minus von 4% besser abgeschnitten, als die Online-Pure-Players mit einem Minus von 5,5%, jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat.

„Es geht im Moment ein bisschen der Mythos um, dass Online-Verkäufe boomen,“ sagt Andy Mulcahy, Strategy and Insight Director, IMRG, „aber genauer gesagt haben manche Online-Retailer eine große Nachfrage, die sogar die über Black Friday übertrifft, weil so viele Leute zuhause bleiben müssen, was zu sehr ungleicher Nachfrage führt.“ Und bei den Einschränkungen im Alltag sieht Mulcahy gegenwärtig einfach keinen großen Bedarf an neuer Bekleidung und Schuhen. Die Interactive Media in Retail Group (IMRG) ist seit über 20 Jahren die Stimme der E-Retailer in Großbriannien und zählt zu ihren Mitgliedern Unternehmen aller Größen in Multichannel, Pure Play, Multinational und Solution Providers für die Branche. Seit Januar 2020 erfasst der Index nicht mehr die Daten des Reise-Sektors.

Lucy Gibbs,Managing Consultant, Retail Insight, Capgemini, hält eine steigende Online-Nachfrage im nächsten Monat für wahrscheinlich. „Es war aber nie wichtiger als jetzt, auf die Kundenbedürfnisse zu achten, um auf das neue Konsumverhalten zu reagieren und auch entsprechend zu kommunizieren,“ sagt Gibbs. Dass der Appetit für Fashion so stark nachgelassen hat zugunsten der ungewöhnlich hohen Nachfrage in den Kategorien Garten, Home und Elektro überrasche nicht, wenn mehr Zeit zuhause verbracht werde.

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