S.Oliver-Vertriebschef Mathias Eckert zum Neustart nach dem Corona-Shutdown

"Prognosen für Deutschland sind schwierig"

S.Oliver
Mathias Eckert ist Managing Director Sales bei S.Oliver
Mathias Eckert ist Managing Director Sales bei S.Oliver

Nach einem überraschend positiven Kick-off in Österreich sieht sich die S.Oliver-Group mit Blick auf die Ladeneröffnungen in Deutschland vor großen Herausforderungen, erklärt der geschäftsführende Vertriebsleiter Mathias Eckert im TW-Interview.

TextilWirtschaft: Herr Eckert, welche Läden der S.Oliver-Group haben in Österreich schon ihre Türen geöffnet? 
Mathias Eckert: In der vergangenen Woche haben wir in unserem eigenen Retail sechs S.Oliver-Stores und fünf Comma-Stores eröffnet, diese Woche folgen drei Läden von Liebeskind Berlin. Wir haben die Maßnahmen und die Eröffnungen innerhalb der S.Oliver Group für alle Marken gemeinsam erarbeitet und uns eng koordiniert.

Welche behördlichen Vorschriften gibt es und welches Hygienekonzept haben Sie ausgearbeitet?
Anders als in Deutschland dürfen in Österreich bislang nur Läden bis 400 m² öffnen. Zu beachten ist dabei das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, ein Mindestabstand von 1,50 Metern und eine beschränkte Personenanzahl von maximal einer Person auf 20m². Komplett verinnerlicht haben wir alle in den letzten Wochen das Thema Handhygiene, wofür wir auch ausreichend Desinfektionsmittel zur Verfügung stellen. Auch die regelmäßige Reinigung von Oberflächen und Kontaktflächen stellen wir sicher. Darüber hinaus installieren wir Plexiglas-Vorrichtungen in den Kassenbereichen. Im Antrittsbereich macht ein Aufsteller auf die geltenden Regelungen der Behörden aufmerksam.

Haben Sie Ihre Mitarbeiter in Österreich geschult?
Wir haben unser Storepersonal in Telefonaten und Videokonferenzen sorgfältig auf die neue Situation vorbereitet. Wichtig war uns, die jeweiligen Vorgaben wie beispielsweise die maximale Personenanzahl oder die Abstandsregelungen mit anschaulichen Beispielen zu erklären und auf die jeweilige Situation in den einzelnen Filialen einzugehen. Die Kollegen leisten in dieser Zeit einen außergewöhnlichen Job und wir tun unser Bestes, ihnen dabei als Partner zur Seite stehen. Dazu gehört besonders der persönliche Umgang – wir haben den District Managern daher beispielsweise eine kleine Osterüberraschung für die Filialen zukommen lassen. 

Wie kommen die Schutz-Maßnahmen bei den Kunden an?
Die Maskenpflicht ist in Österreich bereits gelernt, da sie schon seit längerem für den Lebensmittelhandel gilt. Das war in doppelter Hinsicht hilfreich: Zum einen tragen fast alle Kunden bereits Masken, wenn sie in den Laden kommen. Wenn nicht, erhalten sie eine von unserem Store-Personal. Zum anderen konnten unsere Mitarbeiter dadurch in den ersten Verkaufstagen auf ihre eigenen, wiederverwendbaren Masken zurückgreifen. Mittlerweile konnten wir firmenseitig ausreichend Masken für die Kollegen zur Verfügung stellen. Diese werden in unserer Zentrale in Rottendorf von der Schnittabteilung sowie anderen Kollegen geschneidert und sind wiederverwendbar. 

Wie sieht es im Inneren der Stores aus? Gibt es mehr Platz und weniger Ware?
Es wurden keine nennenswerten Umbaumaßnahmen vorgenommen, das wäre aufgrund der begrenzten Lagerkapazitäten auch nicht möglich gewesen. Es ist uns gerade in dieser Situation auch wichtig, wieder ein Stück weit Normalität zurückzubringen und unsere Kunden in ihrem gewohnten Store willkommen zu heißen.

Müssen sich die Kunden auf andere Öffnungszeiten einstellen?
Nein, wir sind mit den regulären Öffnungszeiten gestartet und beobachten nun die weitere Entwicklung. Bei Bedarf werden wir sie anpassen.

Welche Key-Looks und Produkte forcieren Sie jetzt?
Wir fokussieren uns auf den Abverkauf der aktuellen April-Kollektionen mit den jeweiligen Key Looks. Für die Womenswear legen wir bei S.Oliver besonderen Fokus auf Themen tropische Muster und Kombinationen mit Chinos. Bei den Herren sind es ebenfalls Chinos und Poloshirts. Die Februar- und März-Kollektionen sind wie sonst auch üblich noch in den Läden. Abschriften nehmen wir im üblichen Maße vor und machen wir von der weiteren Entwicklung der Abverkäufe abhängig.

Mit welchen Aktionen wollen sie das stationäre Geschäft wieder in Gang bringen? 
Wir haben Kundenkarteninhaber der wiedereröffneten Stores per Newsletter kontaktiert, um ihnen eine positive Nachricht zu senden. Die Botschaft lautet: "Wir sind wieder da und freuen uns auf Dich". Und wir machen natürlich Lust auf unsere Frühjahrstrends: frische Farben, neue Schnitte, inspirierende Styles. Als kleine Anreize bieten wir in den ersten zwei Wochen nach Eröffnung 20% Nachlass ab einem Einkauf von zwei Teilen. Einige Kunden haben direkt reagiert und sich für die kommenden Tage angemeldet. Es ist schön zu sehen, dass die Wiedereröffnungen auf positive Resonanz stoßen – das gibt noch einmal Auftrieb für die weiteren Eröffnungen.

„Die Stimmung ist gut, die meisten Kunden freuen sich offenbar, dass wieder ein Stück weit Normalität in den Alltag zurückkehrt.“
S.Oliver-Vertriebschef Mathias Eckert
Wie ist die Stimmungslage Ihrer Kunden in Österreich und wie lauten die Prognosen für den deutschen Markt?
Insgesamt war diese erste Wiedereröffnungswelle ein sehr guter Testlauf in Vorbereitung auf die nächsten Eröffnungen. Das erste Feedback der Store-Mitarbeiter ist positiv. Die Stimmung ist gut, die meisten Kunden freuen sich offenbar, dass wieder ein Stück weit Normalität in den Alltag zurückkehrt. Das Personal ist hoch motiviert und freut sich seinerseits, endlich wieder Kunden willkommen zu heißen. Insgesamt sind wir mit dem Verlauf der ersten Verkaufstage in Österreich sehr zufrieden. Wir haben unsere Erwartungen – die angesichts der Situation natürlich eher verhalten waren – insgesamt übertroffen. Je nach Standort ist die Frequenz jedoch komplett unterschiedlich, das macht Prognosen auch für eine Wiedereröffnung in Deutschland schwierig. Wir können aus dem aktuellen Vorgehen in Österreich die Learnings ziehen, die wir brauchen. Insgesamt sind wir aber sehr zufrieden und gut auf die große Probe vorbereitet, jetzt folgt. 

Spielen Sie damit auch auf die Lage in Deutschland an?
Richtig, die unterschiedliche Handhabungen zu den jetzigen Ladeneröffnungen für Geschäfte bis 800m² stellen uns auf Landesebene vor enorme Herausforderungen. Auch wegen vereinzelter Sonderregelungen in Regionen und Städten. Im eigenen Retail wollen wir hierzulande 34 S.Oliver-Stores, vier Comma-Läden und sechs Stores von Liebeskind Berlin eröffnen.

Sehen Sie sich in der Lage, auf die individuellen Anforderungen in Deutschland einzugehen? 
Ja, wir haben bereits frühzeitig ein Sicherheits- und Hygienekonzept erarbeitet, das die aktuellen Standards berücksichtigt und bei Bedarf an die individuellen Vorgaben der Bundesländer oder Städte angepasst wird. Wir sind damit gut gerüstet, um unseren Mitarbeitern, Kunden und Dienstleistern eine sichere Grundlage für den Aufenthalt in unseren Stores zu bieten. Das hat im Moment für uns absolute Priorität.

Die ersten Läden öffnen. Wird das Geschäft jetzt anziehen?

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