Öffnungspläne für die neue Welt der sozialen Distanz liegen bereit

Next: Der Umsatz ist "schneller und steiler" gefallen als erwartet

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Auch an der britischen Modegruppe Next geht Corona nicht spurlos vorbei.
Auch an der britischen Modegruppe Next geht Corona nicht spurlos vorbei.

Der Corona-Lockdown trifft Off- und Online: Die britische Modegruppe Next hat die Auswirkungen der Pandemie stärker als erwartet zu spüren bekommen. Im 1. Quartal des laufenden Geschäftsjahres (Stichtag: 25. April) war der Umsatz mit Bekleidung zu regulären Preisen in der Retail-Sparte um 52% rückläufig, in der Online-Sparte betrug das Minus 32%.

„Der Umsatzeinbruch war schneller und steiler, als wir es im März erwartet haben,“ heißt es im Trading Statement. Im Berichtszeitraum waren die 493 Stores und 361 Concessions seit 23. März geschlossen, ab 27. März folgte vorübergehend die Schließung des Online-Geschäfts, um die Mitarbeiter in den Warehousing- und Distributionsbereichen während der Coronavirus-Pandemie zu schützen. Am 14. April wurde das Online-Geschäft mit „limitierter Kapazität“ wieder aufgenommen.



Next warnt, dass die ökonomischen Konsequenzen der Pandemie und die anhaltende soziale Distanz sich länger als zunächst angenommen auf die Retail- und Onlineverkäufe auswirken werden. Selbst dann, wenn die gesamten Lockdown-Maßnahmen aufgehoben würden. Das Unternehmen hat sein bisheriges Stress-Test-Szenario überarbeitet. In diesem Jahr wird bestenfalls mit einem Umsatzrückgang von 30% bei Bekleidung gerechnet, im schlimmsten Fall könnte es Minus von 40% sein. Betont wird, dass das keine offizielle Prognose sei. Die sei in einer Zeit so beispielloser Unsicherheit nicht möglich. Eine Pandemie dieses Ausmaßes habe es in der globalen Wirtschaft noch nicht gegeben.

Online-Kapazität soll in 14 Tagen 70% erreichen

Während der 18-tägigen Schließung des Online-Business wurden alle Aspekte rund um das Warehousing neu organisiert, einschließlich Social Distancing und sanitäre Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter. Das zunächst langsam angefahrene Online-Geschäft, das einem Kunden nur den Kauf einer begrenzten Anzahl von Teilen erlaubte und mit Kidswear begann, hat inzwischen gut 50% der täglichen Kapazität erreicht. Rund 70% des Sortiments werden laut Next wieder angeboten.

Täglich wird auch die Zahl der Mitarbeiter erhöht, sodass 70% der normalen Warehouse-Kapazität innerhalb der nächsten zwei Wochen erreicht werden kann. Weil die Ware durch den Lockdown nicht wie geplant abgeflossen ist, gab es Platzprobleme für neue Lieferungen. Deshalb wurden Lagermöglichkeiten von Drittanbietern in Großbritannien in Anspruch genommen und in einigen Fällen die Ware in den Lieferländern gehalten. Diese Fazilitäten werden in diesem Jahr mit zusätzlichen Kosten von rund 2 Mio. Pfund (2,3 Mio. Euro) zu Buche schlagen.

Next geht davon aus, dass die Konsumenten nach dem Ende des Lockdowns erst langsam zu ihrem normalen Einkaufsverhalten zurückkehren. Die Pläne für den Re-Start der Filialen, einschließlich der Abschirmung im Kassenbereich, Distanz-Markierungen in den Gängen, Sanitärstationen und Eingangs- und Ausgangssystemen, liegen bereit. Priorität soll die Öffnung der größeren außerstädtischen Stores haben, die über große Parkplätze verfügen.

Die Next-Filialen spielen eine wichtige Rolle als integraler Teil des Online-Plattform Liefer- und Retouren-Netzwerks. Denn die Hälfte aller Online-Käufe (mengenmäßig) werden von den Kunden in den Next-Stores abgeholt.


In der Corona-Krise wurden die Betriebskosten auf den Prüfstand gestellt. Next geht von möglichen Einsparungen in Höhe von 120 Mio. Pfund aus. Davon sollen 40 Mio. Pfund aus dem Bereich Online und Retail Marketing, Kataloge und Fotografie kommen. 35 Mio. Pfund werden bei den Online-Distributionskosten eingespart und 35 Mio. Pfund bei den Stores. Die vertraglich vereinbarten Mieten werden voll und pünktlich bezahlt, aber bei Reparaturen und kosmetischen Unterhaltungskosten kann gespart werden. Insgesamt hat Next bei seinen Lieferanten Aufträge im Verkaufswert von 450 Mio. Pfund storniert und dadurch 290 Mio. Pfund eingespart. Aufträge, die die Fabriken der Lieferanten bis einschließlich 10. April verlassen haben, wurden voll bezahlt. Spätere Lieferungen wurden storniert und den Lieferanten Kompensation für das eingesetzte Rohmaterial gezahlt. Zudem wird 15% der gesamten für F/S-2020 eingekauften Ware in die Saison des kommenden Jahres verschoben. Das sind Basics wie T-Shirts und Chinos.

Bei Next sind derzeit 84% der Beschäftigten in Kurzarbeit, sodass der Staat im Rahmen des „Coronavirus Job Retention Schemes“ 80% des Lohns übernimmt. Next bezeichnet diese Form der Lohnfortzahlung, die erstmals in Großbritannien eingeführt wurde, als sehr erfolgreich bei der Verhinderung von Massenentlassungen und Härtefällen. Dadurch reduzieren sich die Lohnkosten für Next um 135 Mio. Pfund. Durch die für ein Jahr ausgesetzte Business Rate werden 85 Mio. Pfund gespart.

Next ist zuversichtlich, die Turbulenzen zu überstehen. Selbst im Falle eines Worst-Case-Szenarios mit einem Umsatzeinbruch von 40% könne die Gruppe ein positives EBITDA liefern und Netto-Verbindlichkeiten zum Jahresende reduzieren. Angekündigt wird, dass im August 2020 keine Dividende gezahlt wird und das wird auch für Januar 2021 erwartet. Next-Chief Executive Lord Wolfson verzichtet ebenso wie alle Vorstandskollegen auf 20% seiner Vergütungen. Zudem sind die jährlichen Bonus-Zahlungen für dieses Jahr ausgesetzt worden.

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