Offener Brief von Verbandspräsident Sanktjohanser an die Kanzlerin

HDE: Keine Steuern für Corona-Sonderzahlungen

Thomas Fedra
HDE-Präsident Josef Sanktjohanser: "Die finanzielle Entlohnung soll ungeschmälert bei den Beschäftigten ankommen, die den Laden in der Krise am Laufen halten.“
HDE-Präsident Josef Sanktjohanser: "Die finanzielle Entlohnung soll ungeschmälert bei den Beschäftigten ankommen, die den Laden in der Krise am Laufen halten.“

Der Handelsverband HDE fordert steuerfreie Sonderzahlungen für Angestellte, die wegen des coronabedingten Kundenansturms derzeit besonders stark belastet sind. „Wir möchten das außerordentliche Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf freiwilliger Basis honorieren, zum Beispiel durch krisenbedingte Sonderzahlungen zusätzlich zu Löhnen und Gehältern“, schreibt Josef Sanktjohanser in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel.


Um zu verhindern, dass die Steuerlast der Beschäftigten durch die Sonderzahlungen stark steigt, sollen die Beträge von der Steuer befreit werden. „So würde die finanzielle Entlohnung ungeschmälert bei den Beschäftigten ankommen, die den Laden in der Krise am Laufen halten“, so der HDE-Präsident weiter.

Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Karin Göring-Eckhardt, hatte erst kürzlich eine Zulage für Kassierer sowie Angestellte im Gesundheitswesen ins Gespräch gebracht. In den USA und Frankreich haben sich bereits mehrere Großunternehmen entschieden, sich bei ihren derzeit stark geforderten Mitarbeitern mit Sonderprämien zu bedanken. So gewährt etwa der französische Warenhauskonzern Auchan seinen 65.000 Angestellten eine Prämie von 1000 Euro. Die Zuschläge sind von der Steuer befreit, berichtet die Lebensmittel Zeitung, die wie die TextilWirtschaft in der dfv Mediengruppe erscheint. Demnach gibt es ähnliche Aktionen auch in den USA. So zahle etwa der Drogeriemarkt-Betreiber Walgreens seinen Vollzeit-Verkäufern und Logistikmitarbeitern einmalig 300 US-Dollar (278,22 Euro). In Großbritannien schreitet der Lebensmittel-Filialist mit gutem Beispiel voran und überweist seinen Angestellten im Verkauf und der Logistik einen 10-prozentigen Aufschlag auf den Stundenlohn. Und zwar bis zum 1. Mai und rückwirkend zum 9. März.

Rewe macht 20 Mio. Euro locker

Im deutschsprachigen Raum ist bislang nur ein Beispiel bekannt: Der Lebensmittelhändler Rewe will 20 Mio. Euro für Bonuszahlungen in die Hand nehmen. Diese werden den Angestellten der Rewe- und Penny-Filialen als Guthaben auf die Mitarbeiterkarten gebucht. „Das hat den Vorteil, dass der Bonus den Beschäftigten praktisch als Netto-Zahlung zugutekommt“, erklärt der Sprecher.

In den anderen Ländern, in denen Rewe mit der eigenen Marke sowie Billa und Penny tätig ist, gebe es unterschiedliche Regelungen, darunter Sonderleistungen in Form von Warengutscheinen, Gehaltszulagen und Überstunden-Bezahlungen. Laut einem Bericht der österreichischen Nachrichtenagentur will Rewe in der Alpenrepublik einen niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag für seine rund 40.000 Beschäftigten in den Filialen und Logistikzentren locker machen.

All diese Zahlungen sind laut Rewe "schnelle und unbürokratische erste Sofortmaßnahmen, um unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine klare Botschaft zu geben: Wir sagen nicht nur Danke für ihren unermüdlichen Einsatz in dieser schwierigen Ausnahmesituation, sondern wir honorieren ihr Engagement zugleich in finanziell spürbarer Weise.“

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