Oguzhan Ulucay von Mister in Büren im TW-Gespräch

"Interaktion pur"

Sabrina Klein
Mister-Inhaber Oguzhan Ulucay inszeniert sein Fashion-Sortiment im Shutdown verstärkt digital. Und setzt dabei auch auf analoge Inhalte wie diesen Porsche-Oldtimer.
Mister-Inhaber Oguzhan Ulucay inszeniert sein Fashion-Sortiment im Shutdown verstärkt digital. Und setzt dabei auch auf analoge Inhalte wie diesen Porsche-Oldtimer.

Vor rund einem Jahr hat der 26-Jährige Oguzhan Ulucay den 120m² großen Fashion-Store Mister in Büren eröffnet. Moderne Menswear von Brands wie Lyle & Scott, Gabba und Selected Homme zählen zu den Säulen seines Sortiments. Daneben verkauft er auch arrondierende Produkte wie Sneaker, Accessoires und Lebensmittel wie Kaffee oder spezielle Weingummis im Concept Store. Wie er mit dem Dauer-Shutdown umgeht und warum Instagram und WhatsApp immer wichtiger werden, berichtet der Retailer im TW-Gespräch.

TextilWirtschaft: Herr Ulucay, gestern wurde in Rheinland-Pfalz beschlossen, Termin-Shopping zu erlauben. Wie finden Sie diesen Schritt und würden Sie in NRW auch gerne die Möglichkeit dazu haben? 
Oguzhan Ulucay:
Ich finde, dass das in die richtige Richtung geht und mir sicher aktuell auch helfen würde, wenn ich die Möglichkeit bekäme. Allerdings ist auch das natürlich keine langfristige Lösung, die das Problem wirklich behebt, sondern nur ein kleiner Schritt.


Wie gehen Sie mit dem aktuellen Shutdown um?
Es ist schon eine anspruchsvolle Zeit, aber momentan entwickele ich vor allem das Marketing deutlich weiter.


Was machen Sie genau?
Ich bin schon immer sehr aktiv auf Instagram und WhatsApp und habe im ersten Shutdown und dann auch in der Verlängerung viel über diese Kanäle beworben und dann Waren ausgeliefert. Jetzt habe ich das Konzept etwas umgestellt und den Lieferservice etwas zurückgefahren, stattdessen forciere ich Window Shopping bei mir vor Ort.

Platz für Neues: Während des Shutdown hat Oguzhan Ulucay den Store umgestaltet.
Sabrina Klein
Platz für Neues: Während des Shutdown hat Oguzhan Ulucay den Store umgestaltet.

Wie kann man sich das vorstellen?
Im Shutdown habe ich den Store renoviert, deutlich heller gestaltet, um auch Optimismus auszustrahlen. Ich habe auch eine ganze Kaffeebar neu geschweißt, für die Tage, an denen ich die Kunden dann wieder im Store begrüßen kann. Außerdem bespiele ich die Fenster natürlich immer neu. Aktuell bin ich nun von Donnerstag bis Samstag direkt vor dem Store, dafür habe ich mir extra Vintage-Möbel aus den Niederlanden besorgt, und bediene Kunden, die sich vorher über Instagram oder WhatsApp Produkte reserviert haben.

Gerüstet für den Restart: Oguzhan Ulucay hat eine neue Kaffeebar geschweißt. Bisher ist jedoch zunächst nur Window Shopping möglich.
Sabrina Klein
Gerüstet für den Restart: Oguzhan Ulucay hat eine neue Kaffeebar geschweißt. Bisher ist jedoch zunächst nur Window Shopping möglich.

Apropos Instagram: Auf welche Inhalte setzen Sie?
Ich bin jetzt deutlich stärker selbst Teil des ganzen Contents und habe auch meinen privaten Account bei Instagram auf öffentlich gestellt, weil ich gemerkt habe, dass die Kunden wirklich interessiert, was hinter den Kulissen läuft. Verkürzt könnte man sagen: Wenn wir jetzt ein Shooting mit einem Oldtimer-Porsche gemacht haben, dann kommen die Profi-Fotos auf den Store-Kanal und das Making-of spiele ich auf meinem privaten Kanal. Das befruchtet sich unheimlich gut gegenseitig. Außerdem setze ich viel stärker auf Videocontent-Marketing. Stories und Live-Videos sind unheimlich wichtig. Nicht zuletzt ist es der Dialog mit den Kunden und Followern, stark bei Instagram, aber besonders bei WhatsApp – das ist Interaktion Pur.


Was für Formate spielen Sie außer Making-ofs?
Kürzlich haben wir zum Beispiel ein digitales Tasting der Weingummis von Wally und Whiz gefilmt. Das haben wir zunächst angeteasert und werden das dann auch über die Mister-Kanäle ausspielen.

Heller ins Frühjahr. Mister-Inhaber Oguzhan Ulucay hat den Shutdown genutzt, um im Store Hand anzulegen und den Laden heller zu gestalten.
Sabrina Klein
Heller ins Frühjahr. Mister-Inhaber Oguzhan Ulucay hat den Shutdown genutzt, um im Store Hand anzulegen und den Laden heller zu gestalten.

Weingummis und Kaffee sind arrondierende Sortimentsbereiche, die Sie ja auch weiter forcieren. Aber was lief denn zuletzt bei der Mode?
Lounge- und Homewear sind nach wie vor extrem stark. Sweater laufen sehr gut. Der große Verlierer ist aktuell nicht ganz überraschend das Hemd. Klar ist aber, dass eigentlich immer mit Ansage die Produkte laufen, die ich vorab in meinen Posts pushe. Und da versuche ich auch je nach Wetterlage immer sehr flexibel zu agieren und werde jetzt fürs kommende Wochenende stärker T-Shirts und Co. bewerben.


Wie ist die Warensituation bei Ihnen?
Ich habe eigentlich allen Lieferanten gesagt, dass sie die Ware wie geplant ausliefern sollen. Aber natürlich zeigt sich jetzt auch, wer partnerschaftlich arbeitet und auf besondere Bedürfnisse des Handels eingeht und wer nicht. Klar ist da auch immer: Kein Label ist so wichtig, dass es nicht ersetzt werden kann, wenn die Partnerschaftlichkeit nicht stimmt.


Sie haben auch die Herbst-Order abgeschlossen. Was haben Sie verändert?
Wichtig war mir zunächst, vor Ort in den Schauräumen zu schreiben, dafür war ich mehrere Tage in Düsseldorf und Frankfurt unterwegs. Die neuen Kollektionen zu sehen hat mich dann auch wieder neu motiviert und auch meine Lust auf das jetzt anstehende Frühjahr noch einmal deutlich angefacht. Zwischendurch fehlte die Inspiration durch fehlende Messen und Events ja schon etwas.

Fruchtgummi-Tasting bei Mister in Büren


Wie haben Sie Ihr Budget aufgeteilt?
Ich habe mich von einigen Labels getrennt und auch neue aufgenommen. Außerdem bei den Lieferanten neu gewichtet, das Budget aber in etwa gleich gehalten. Etwas weniger habe ich Strick geschrieben, den dann aber dafür hochwertiger. Generell wichtige Brands sind für mich Lyle & Scott, Gabba und Selected Homme. Neu für Herbst habe ich Drykorn im Sortiment, außerdem kommt Mos Mosh neu dazu. Und natürlich habe ich mir Budget offen gelassen, um im Laufe der Saison auch hier und da spontan auf Trends reagieren zu können.


Was ist ein wichtiger Key-Look für kommenden Herbst?
Da sehe ich zum Beispiel eine lockere Cropped-Cordhose in einem Naturton, dazu dann ein farbiger Sneaker, am besten so wild wie es geht, darüber ein einfarbiges Lyocell-Hemd, darüber dann, in Erdtönen gehalten wie die Cordhose, eine Flanelljacke. Und als Mütze einen wertigen Merinostrick-Beanie.
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