Schließen
The Spin
What you need to know in global fashion. Sign up now!
 
Herrenausstatter.de: Online-Business in Zeiten von Corona

„Alle bewegt, wie lange der Atem noch reicht”

DePauli
Mit ihrem Menswear-Multilabelshop Herrenausstatter.de, der seit 1997 besteht, gilt Renata DePauli in der Branche als Pionierin in Sachen Online-Business.
Mit ihrem Menswear-Multilabelshop Herrenausstatter.de, der seit 1997 besteht, gilt Renata DePauli in der Branche als Pionierin in Sachen Online-Business.

Die Fußgängerzonen sind leer, doch online läuft das Fashion-Business weiter. Mit der Plattform Herrenausstatter.de gehört die DePauli AG zu den deutschen Pionieren im Fashion-E-Commerce. Welche Folgen die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Münchner Menswear-Konzept haben und wie die Nachfrage im Netz seit den Geschäftsschließungen im stationären Handel aussieht, erklärt Unternehmensgründerin und Geschäftsführerin Renata DePauli im Gespräch mit der TW.


TextilWirtschaft: Frau DePauli, bei Herrenausstatter.de dürfen Sie weiter verkaufen. Wie läuft das Geschäft und wie hat sich die Situation durch das Corona-Virus verändert?
Renata DePauli: Der Virus hat unser Tagesgeschäft gänzlich im Griff. Die Konsumenten denken in dieser Zeit in erster Linie daran, Artikel für den täglichen Bedarf zu kaufen. Am besten verkaufen sich Jacken, Hosen, Jeans und Nachtwäsche. Wir merken, dass der Bedarf an neuer Bekleidung aktuell eher zurückhaltend ist. Der Monat März ist sonst aufgrund der neuen Frühjahrskollektion für Modehändler besonders wichtig und umsatzstark. 


Wie sieht die aktuelle Lage mit externen Partnern, Lieferanten und in der Logistik aus?
Wir pflegen eine enge Abstimmung mit unseren Lieferanten bezüglich der Aufrechterhaltung der Lieferkette. Bislang gibt es hier keine Einschränkungen der Lieferfähigkeit und alle unsere Partner agieren kooperativ. Der Großteil beliefert uns nach wir vor normal, nun allerdings vermehrt zu eingeschränkten Anwesenheitszeiten. Tatsächlich haben sich fast alle bei uns gemeldet, um gemeinsam den weiteren Geschäftsablauf sowie die nächsten Schritte für die kommenden Wochen zu besprechen. Somit sind wir in der Lage, den Service in gewohnter Schnelligkeit für unsere Kunden aufrecht zu erhalten. Es gibt nur einige wenige, darunter vor allem italienische Lieferanten, die ihre Unternehmen vollständig geschlossen haben. Bei Dienstleistern und Agenturen gibt es bislang keine Einschränkungen. 

Wie läuft die Supply-Chain? Nehmen Sie neue Ware an?
Bislang nehmen wir die neue Ware wie gewohnt an. An dieser Stelle ist vor allem der kommunikative Austausch mit unseren Lieferanten besonders intensiv und die Entscheidungen werden von uns je nach Entwicklung der Lage regelmäßig auf den Prüfstand gestellt. Viele Lieferanten kommen auf uns mit kooperativen Vorschlägen bezüglich Warenauslieferung und Valutaverlängerung zu. Tatsächlich gibt es aber aktuell sehr viele individuelle Absprachen. Alle bewegt derzeit, wie lange der Atem noch reicht. Wichtig ist, dass alle Online-Händler, die noch liefern können, ohne Rabattaktionen in das Frühjahr starten! Das wäre für die Handelsstruktur ein Schlag ins Gesicht und würde weitere Unternehmen und Arbeitsplätze gefährden.


Kaufen mehr Kunden bei Ihnen ein und kaufen sie anders ein als vorher?
Wir verzeichnen aktuell auffällig viele Neukunden, Bestandskunden zeigen sich eher zurückhaltender – der Konsum verlagert sich dahingehend. Wir registrieren in den Warenkörben zudem eine gesteigerte Anzahl an Bedarfsartikeln. Bei unserem telefonischen Kundenservice zeigen sich viele unserer Kunden in diesen Tagen verunsichert und fragen nach, ob sie ihre Pakete erhalten. 

Wie kommunizieren Sie mit Ihren Kunden in dieser Zeit?
Wir setzen auf eine sehr offene und persönliche Ansprache unserer Kunden. Schon jetzt sehen wir, dass unsere Bemühungen gut bei den Kunden anzukommen scheinen. Wie auch schon in der Vergangenheit kommunizieren wir überwiegend über E-Mails. Zusätzlich steht auch unser telefonischer Kundenservice zu den gewohnten Öffnungszeiten zur Verfügung.


Wird das Thema Corona bereits im Newsletter oder im Onlineshop aufgegriffen – oder bisher noch unterbunden?
Wir verfolgen eine aktive Kommunikation in der Krise – sowohl mit unseren Kunden als auch mit unseren Dienstleistern und Lieferanten, wir verschicken gezielte E-Mails mit Informationen zu spezifischen Themen. Das Thema Corona wird konkret aufgegriffen und offen kommuniziert. Zudem haben wir  alle Kunden per Newsletter über aktuelle Maßnahmen informiert wie beispielsweise: Sie bestellen, wir liefern – alles wie gewohnt. Wir, das herrenausstatter.de-Team, arbeiten mit besonderer hygienischer Sorgfalt. Zudem gibt es seit bereits zwei Wochen ein verlängertes Rückgaberecht.


Kurbeln Sie das Geschäft derzeit besonders an? Gibt es Aktionen, Rabatte? 
Natürlich versuchen wir den krisenbedingten Umsatzausfall aufzufangen. Dieser befindet sich im deutlich zweistelligen Bereich. Abzuwarten ist, wie sich die Ausgangsbeschränkungen auf das Konsumverhalten auswirken werden. Auf generelle Rabattaktionen verzichten wir allerdings. Vielmehr agieren wir wie gewohnt über eine gezielte Kundenansprache nach Interessensegmentierung. Dazu kann, sofern sinnvoll, auch der eine oder andere Gutschein ausgegeben werden – jedoch handelt es sich hierbei dann um eine gezielte Maßnahme.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie intern für Ihre Mitarbeiter?
Die Gesundheit unserer Mitarbeiter steht an oberster Stelle. Eine intensive Aufklärung der Mitarbeiter über das Corona-Virus mit Empfehlungen für Handlungsweisen wurden in Form von FAQs an alle Mitarbeiter ausgegeben. Alle persönlichen Termine werden für die nächste Zeit nur noch per Videokonferenz abgehalten, dies gilt auch betriebsintern für Besprechungen. Zudem haben wir auf einen Zwei-Schicht-Betrieb inklusive Homeoffice umgestellt. Während einer Schicht dürfen sich maximal zwei Personen in einem Büroraum (mind. 20m²) aufhalten. Zwischen den Schichten findet regelmäßig eine komplette Desinfektion aller Arbeitsplätze, öffentlicher Bereiche und Kontaktoberflächen durch zertifizierte Reinigungsbetriebe statt. Zudem wird unserem Personal Desinfektionsmittel in den Waschräumen und Umkleiden zur Verfügung gestellt. Unsere Mitarbeiter, die im Warenlager arbeiten, erhalten darüber hinaus Latex-Handschuhe. Unsere Kantine darf nur noch in Kleingruppen betreten werden. Hierbei achten wir darauf, dass die vorgegebenen Abstände eingehalten werden. Und zu guter Letzt darf das gesamte Firmenareal von keinem Betriebsfremden mehr betreten werden.

stats