Online-Handel mit gebrauchter Bekleidung

Das wollen die Secondhändler 2021 erreichen

About You
Tarek Müller will About You zu einer der "größten Secondhand-Plattformen in Europa" machen.
Tarek Müller will About You zu einer der "größten Secondhand-Plattformen in Europa" machen.

Die in Deutschland tätigen Secondhand-Anbieter haben große Pläne für die kommenden Monate geschmiedet. Um diese Ziele zu erreichen, nehmen die Shop- und Plattformbetreiber derzeit viel Geld in die Hand.

Mit den Umsatzschüben des Corona-Jahres 2020 im Rücken gehen die Secondhand-Spezialisten äußerst optimistisch in die nächsten drei Quartale. Vorneweg der Mädchenflohmarkt, der ein Umsatzplus von bis 80% erwartet. Zudem sind die Stuttgarter zuversichtlich, in diesem Jahr die 2 Millionen-Grenze bei den registrierten Nutzern zu überschreiten.

Der Online-Shop-Betreiber Carou erwartet ein „deutlich zweistelliges Wachstum“, Momox Fashion ein „hohes zweistelliges“ Umsatzplus. Und sowohl Rebelle als auch Reverse-Retail sind überzeugt, 2021 den Break-even zu erreichen.


Um diese Ziele zu erreichen, nehmen die Secondhändler derzeit viel Geld in die Hand. Rebelle investiert vor allem in die Prozessoptimierung und die Personalisierung der Plattform, um „eine noch bessere Kundenansprache zu gewährleisten und die Volumina gut handeln zu können“, erklärt CEO Schönemann. Sellpy und Momox Fashion planen die Expansion in weitere europäische Märkte.

Momox will darüber hinaus seinen Kundenservice weiter verbessern. Der Grund: „Die weltweite Corona-Pandemie und die einhergehenden Unsicherheiten haben vor allem zu Beginn des ersten Shutdowns eine noch intensivere Kundenkommunikation auf Unternehmensseite erfordert", heißt es in der Berliner Momox-Zentrale. Daher habe der Recommerce-Spezialist bereits im vergangenen Jahr viel Geld in den Bereich Customer Experience gesteckt.

Momox-Chef Heiner Kroke investiert in die Customer Experience des Berliner Secondhand-Resellers.
Momox
Momox-Chef Heiner Kroke investiert in die Customer Experience des Berliner Secondhand-Resellers.
Der Marktplatzbetreiber Vinted, der seine Belegschaft 2020 auf 600 Mitarbeiter verdoppelt hat, will sein Team um weitere „Top-Talente“ erweitern. Vor allem im deutschen Standort Berlin, der Unternehmensangaben zufolge „stark ausgebaut“ werden soll. Gesucht werden vorrangig erfahrene Entwickler, Datenwissenschaftler und Produktmanager, die Erfahrung im Aufbau und der Skalierung globaler Plattformen haben.

About You will sein sogenanntes Second Love-Angebot zu einer Plattform ausbauen. Das heißt: Kunden sollen die Möglichkeit bekommen, selbst gebrauchte Artikel bei About You einzustellen. Zurzeit bezieht die Otto Group-Tochter ihre Secondhand-Produkte ausschließlich bei professionellen Anbietern wie Reverse-Retail, Mädchenflohmarkt und Vinoklo. In diesem Jahr sollen weitere Kooperationspartner hinzukommen und das Sortiment erweitert werden. Ziel sei es, eine „der größten Secondhand-Plattformen in Europa zu werden“, sagt Gründungsgeschäftsführer Tarek Müller.

Reverse-Retail wird nach eigenen Angaben weitere strategische Kooperationen mit Händlern, Herstellern und Marktplätzen im In- und Ausland schließen, um - wie Geschäftsführer Marcus Schönhart erklärt - den Verbrauchern einen "kompletten Omnichannel-Ansatz bieten zu können". In trockenen Tüchern sind u.a. die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Modefilialisten PKZ und dem österreichischen Shopping-Center-Betreiber SES, der über 30 Standorte in Osteuropa, Österreich und Italien verfügt. Zudem ist geplant, nach erfolgreichen Testläufern bei Breuninger in Stuttgart und Freiburg weitere Pop-up-Stores bei Modehändlern zu eröffnen, in denen Secondhand-Kleidung verkauft wird.

Reverse-Retail-Chef Marcus Schönhart will die Kooperationen mit stationären Modehändlern 2021 deutlich ausbauen. Im Mittelpunkt stehen Pop-up-Stores und Ankaufs-Events.
Reverse Retail
Reverse-Retail-Chef Marcus Schönhart will die Kooperationen mit stationären Modehändlern 2021 deutlich ausbauen. Im Mittelpunkt stehen Pop-up-Stores und Ankaufs-Events.
Darüber hinaus soll es auch dauerhaft angelegte Verkaufsflächen geben, auf denen sogenannte Circular Luxury-Sortimente angeboten werden. Als Standorte sind mehrere Breuninger-Hauser, einige sogenannte Platzhirsche-Modehäuser sowie hochwertige Department Stores in der Vorbereitung. Ferner sind dauerhafte Ankaufs-Shops bei Modehändlern geplant. Bei einigen Modehändlern soll es auch Flächen geben, auf denen gebrauchte Mode sowohl verkauft als auch erworben werden kann.

Carou will einen Concierge-Service einführen, der den Privatverkäufern lästige Arbeiten wie das Fotografieren, Einstellen und Versenden der Produkte abnimmt. Damit erschließen sich die Hessen eine weitere wichtige Erlösquelle. Rebelle nimmt für diese Dienstleistung 15 Euro pro Artikel. Hinzu kommt die übliche Provision von bis zu 33% des Verkaufspreises. Concierge-Kunden von Mädchenflohmarkt müssen keine Pauschale bezahlen. Dafür erhöht sich die Provision von 10 auf 40%.

Weitere Informationen zum Thema Secondhand finden Sie auf der Secondhand-Bühne der TextilWirtschaft.

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