TW-Analyse der Quartals- und Halbjahreszahlen

About You wächst um über 53% und verdoppelt operativen Verlust

About You
Tarek Müller: "Wir haben uns auf die Nachfragespitzen in der Herbst-/Winter-Saison 2021/2022 gut vorbereitet."
Tarek Müller: "Wir haben uns auf die Nachfragespitzen in der Herbst-/Winter-Saison 2021/2022 gut vorbereitet."

About You hat seinen Umsatz im zweiten Quartal um 53,3% auf 395,6 Mio. Euro erhöht. Am stärksten legte die B2B-Sparte zu und erreichte damit die Gewinnzone. Der Gewinn des deutschsprachigen E-Commerce-Geschäfts schrumpfte um 9%. In den restlichen europäischen Märkten hat sich der Verlust um fast 39% erhöht. Auf Konzernebene verbesserte sich die bereinigte Ebitda-Marge um 1,7 Prozentpunkte auf minus 3,3%. Der operative Verlust hat sich hingegen auf 33,7 Mio. Euro verdoppelt. Für diese Entwicklungen gibt es zahlreiche Gründe. Eine Analyse.

Der Online-Modehändler About You hat sein kräftiges Wachstum im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 (28. Februar) fortgesetzt. Die Hamburger steigerten ihren Umsatz im Vorjahresvergleich um 53,3% auf 395,6 Mio. Euro.


Der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich leicht um 200.000 Euro auf 13,1 Mio. Euro. Doch aufgrund einer verbesserten Bruttomarge konnte das börsennotierte Unternehmen seine bereinigte Ebitda-Marge um 1,7 Prozentpunkte auf minus 3,3% verbessern.

Dagegen hat sich der operative Verlust (Ebit) mehr als verdoppelt. Er stieg von 15,6 Mio. Euro auf 33,7 Mio. Euro. Dadurch verschlechterte sich die Negativmarge um 2,5 Prozentpunkte auf 8,5%. Dies ist unter anderem auf hohe Aufwendungen für Aktienvergütungen von Mitarbeitern und die Kosten für die Expansion innerhalb Europas zurückzuführen. Hinzu kamen Sondereffekte wie die Kosten für den Konzernumbau, schreibt die Nachrichtenagentur dpa.

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Im  deutschsprachigen E-Commerce verzeichneten die Hanseaten ein Plus von 42,4% auf 197,4 Mio. Euro. In den restlichen 23 europäischen Märkten (Rest of Europe) legte das SDAX-Unternehmen sogar um 50,1% zu und erreichte somit ein Volumen von 162,9 Mio. Euro. Allerdings hat sich auch der Ebitda-Verlust deutlich erhöht, und zwar um fast 39% auf 24,4 Mio. Euro. In der DACH-Region sank der Gewinn um 9,3% auf 7,8 Mio. Euro.

Für das erste Halbjahr (31. August 2021), in das auch der Börsengang im Juni fiel, ergibt sich ein Umsatzplus von 59,4% auf 817,7 Mio. Euro. Damit bewegt sich About You im mittleren Bereich der vorläufigen Geschäftszahlen. Der E-Commerce-Konzern hatte Ende September eine Umsatzverbesserung von 58,3% bis 60,2% vermeldet. In der DACH-Region kletterten die Erlöse um 34% auf 415,6 Mio. Euro, in Resteuropa sogar um 80,4 auf 349 Mio. Euro.

Halbjahresverlust steigt um fast 8%

Der bereinigte Ebitda-Verlust des Konzerns erhöhte sich um 7,6% auf 25,5 Mio. Euro. Dabei stand ein Gewinn von 25,1 Mio. Euro in Deutschland, Österreich und der Schweiz einem Verlust von 57,8 Mio. Euro in Rest of Europe gegenüber. In der DACH-Region ist der Gewinn um 55,9% gestiegen. In Resteuropa hat sich der Verlust um 63,7% erhöht.

Ein Grund waren die hohen Investitionen in die Märkte Spanien und Norwegen gewesen, in denen About You im ersten Halbjahr gestartet ist. Hinzu kamen die Ausgaben für die Vorbereitungen der Werbekampagnen in Südeuropa, die im dritten Quartal angelaufen sind, teilte eine Konzernsprecherin auf Anfrage der TW mit.

Prognose angehoben

Auf Basis dieser positiven Entwicklung hat About You die Umsatzprognose für das Gesamtjahr angehoben. Der E-Commerce-Anbieter erwartet nun ein Volumen von rund 1,73 Mrd. Euro bis 1,76 Mrd. Euro. Das entspricht einem Plus von 48 bis 52% gegenüber dem Vorjahr.

Der bereinigte Ebitda-Verlust werde aber voraussichtlich - wie zuletzt kalkuliert - bei 70 Mio. Euro liegen, da die gestiegenen Umsatzerlöse in Investitionen fließen sollen. About You will bis zum 28. Februar 2022 insgesamt etwa 34 Mio. Euro investieren, zum Beispiel in neue Logistikzentren und Software-Eigenentwicklungen. Vorrangiges Ziel der Investitionen sei es, das Wachstum zu treiben, teilte eine Sprecherin mit.

About You betreibt derzeit zwei Logistikzentren, eines in Deutschland und eines in der Slowakei. Letzteres wurde in diesem Jahr eröffnet. Zwei weitere Standorte sollen in den kommenden zwei Jahren entstehen, und zwar 2022 in Osteuropa und 2023 Südeuropa
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Multi-Mode-Millionär: About You-Gründungsgeschäftsführer Tarek Müller hat durch den Börsengang des Online-Modehändlers ein Vermögen von über 128 Mio. Euro angehäuft. Die Summe erhöht sich möglicherweise in dreieinhalb Jahren deutlich. Dann kann der 32-jährige E-Fashion-Unternehmer die erste Tranche seiner Aktienoptionen ziehen, die Teil des Vergütungsprogramms für das Management sind.

"Bei unserem Börsengang haben wir den Anlegern versprochen, dass wir den Online-Shop als unser Kernprodukt weiter verbessern, dessen Angebot optimieren, international expandieren und das Segment Tech, Media und Enabling ausbauen. In den ersten Monaten als börsennotiertes Unternehmen haben wir diese strategischen Ziele konsequent umgesetzt", sagt Mitgründer und Co-CEO Tarek Müller. Dies habe sich nicht zuletzt in den guten Halbjahreszahlen gezeigt.

"Wir haben uns auf die Nachfragespitzen in der Herbst-/Winter-Saison 2021/2022 gut vorbereitet. Die Saison ist wie erwartet angelaufen, sodass wir zuversichtlich sind, dass wir die für das Gesamtjahr kürzlich angehobene Umsatzprognose auch erreichen werden", so Müller weiter.

Die Anleger reagierten positiv auf die neuen Geschäftszahlen. Der Kurs der About You-Aktie stieg bis zum späten Dienstagnachmittag (16:22 Uhr) um 2,7% auf 18,90 Euro. Am Vormittag war der Kurs um bis zu 7% nach oben geschossen.

Weitere wichtige Kennzahlen im Überblick

Umsatztreiber

About You erklärt das kräftige Wachstum im E-Commerce vor allem mit höheren Bestellwerten bei den Bestandskunden und der Gewinnung von Neukunden. "Dabei wurden die guten Zahlen gegenüber dem Vorjahr jedoch auch durch die pandemiebedingt schwächere Entwicklung in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2020/2021 getrieben", gibt About You in einer Pressemitteilung zu. Das heißt: Der E-Fashion-Konzern ist auf einer relativ niedrigen Vorlage stark gewachsen.

Ein bedeutender Wachstumstreiber war auch das Neugeschäft in den Märkten Spanien und Norwegen, in denen About You im ersten Halbjahr gestartet ist. Darüber hinaus wurden die Umsätze durch neue Features im Online-Shop sowie neue Designer-Kooperationen angetrieben.

Als Beispiel für die sogenannten Collabs nennt das Unternehmen Kooperationen mit Mode-Ikone und Reality-TV-Star Kendall Jenner (Kendall for About You) sowie der Tochter von Heidi Klum, Leni Klum (Leni Klum x About You). Die Kooperation mit Jenner hat Unternehmensangaben zufolge über eine Milliarde Medienkontakte erzeugt und damit About You enorm bei der Markenbildung geholfen. Die meisten Kollektionsteile seien innerhalb von 24 Stunden ausverkauft gewesen.


Zu den technischen Neuerungen gehören unter anderem verschiedene Live-Shopping-Features für die About You Fashion Week im September dieses Jahres sowie sogenannte Drop-Features. Letztere ermöglichen den Verkauf einer limitierten Anzahl heiß begehrter Fashion Items innerhalb einer begrenzten Zeit. Ein weiteres Features sorgt dafür, dass den Nutzern automatisiert Produkte empfohlen werden, die zu deren Preisvorstellungen passen.

Kundenverhalten

All diese Faktoren führten dazu, das sich die Zahl der aktiven Kunden im ersten Halbjahr um 34,1% auf 9,7 Millionen erhöht hat. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Bestellhäufigkeit um 7,6% auf 2,9 Mal (Vorjahr: 2,7 Mal). Der durchschnittliche Bestellwert wuchs um 5,3% auf 58,5 Euro (Vorjahr: 55,6 Euro). Das Bestellvolumen nahm um 44,2% auf 28 Millionen zu. Die Zahl der sogenannten User Sessions kletterte um 53,5% auf 111,1 Millionen. Davon fanden – wie im Vorjahr – 83,5% auf mobilen Endgeräten statt.

B2B-Geschäft

Während die Umsätze im Online-Modehandel kräftig zugelegt haben, sind sie im B2B-Segment Tech, Media und Enabling (TME) geradezu explodiert, und zwar um stolze 181% im zweiten Quartal. Allerdings auf einem niedrigen Niveau von 14,1 Mio. Euro, sodass der Geschäftsbereich ein Volumen von 39,5 Mio. Euro erreichte.

Im Halbjahr fiel das Wachstum mit einem Plus von 158% auf 74 Mio. Euro etwas geringer aus. Dafür erreichte das Segment, dessen Dienstleistungen seit Anfang dieses Monats in der neu gegründeten Tochtergesellschaft Scayle gebündelt werden, die Gewinnzone: Nach einem Ebitda-Verlust von 500.000 Euro im Vorjahr erwirtschaftete das B2B-Geschäft einen Gewinn von 10,7 Mio. Euro. Dadurch ergab sich eine beachtliche Marge von 14,5%. In den ersten sechs Monaten des Vorjahreszeitraums hatte About You noch eine Negativrendite von 1,8% hinnehmen müssen.

Im Kalenderjahr 2020 erwirtschafteten die Unternehmen, welche die Shop-Lösungen von About You nutzen, einen Transaktionsumsatz von 1,5 Mrd. Euro. Die im vorigen Jahr neu abgeschlossenen Verträge mit Neukunden der Shop-Lösungen hatten ein Volumen von mehr als 100 Mio. Euro.

Das Leistungsspektrum von Scayle umfasst u.a. eine Miet-Shop-Software und ein Online-Marketing-Service-Paket, das etwa eine automatisierte Kundenbindung (CRM) sowie Performance- und Influencer-Marketing umfasst. Hinzu kommt das Management von externen Marktplätzen, globale Versanddienstleistungen und ein White-Label-Kundenservice. Zum Kundenstamm gehören etwa 100 Online-Shops von Marken wie Marc O'Polo, Tom Tailor, Depot und The Founded. 

Wohin die Reise im Geschäft mit Technologie-Dienstleistungen gehen kann, zeigt das Beispiel Amazon. Dessen Cloud Computing-Sparte AWS trägt mittlerweile den Löwenanteil (über 70%) zum Betriebsergebnis von 22,9 Mrd. US-Dollar (19,4 Mrd. Euro) bei.

Marketingausgaben verdoppelt

About You hat zweiten Quartal 67 Mio. Euro fürs Marketing ausgegeben. Das ist doppelt so viel wie im Vorjahr, als 33,9 Mio. Euro für Werbezwecke ausgegeben wurden. Damit liegt der Anteil der Marketing-Spendings am Gesamtumsatz bei knapp 17%. Im Online-Handel ist das ein eher unterdurchschnittlicher Wert. Üblich sind häufig 20 bis 25%, weil die Online-Händler - anders als die stationären Händler keine Laufkundschaft haben - und sich so die meisten Neukunden mit Werbemaßnahmen quasi erkaufen müssen.

Im zweiten Quartal des vorigen Geschäftsjahres hatte die Marketing-Umsatz-Relation von About You aber noch bei 13,1% gelegen. Eine Konzernsprecherin erklärt den starken Anstieg der  Marketingausgaben unter anderm mit Wachtsums- und Markteintrittskampagnen sowie einer angepassten Marketingsteuerung. Als Beispiele nennt sie europaweite Branding-Kampagnen wie "Kendal for About You"

Darüber hinaus setzt About You bei seiner Online-Werbung stark auf das vergleichsweise günstige Influencer-Marketing. Derzeit führt das Unternehmen über 10.000 Influencer in seiner Datenbank und fährt monatlich über 1000 Kooperationen mit Influencern.

Der deutsche E-Fashion-Marktführer Zalando ist bei seiner Marketingeffizienz schon erheblich weiter. Die Berliner investierten im dritten Quartal lediglich 8,6% ihrer Erlöse ins Marketing.
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Warum der Gewinn von Zalando so stark eingebrochen ist

Zalando hat sein starkes Wachstum im dritten Quartal fortgesetzt. Der Online-Modehändler steigerte den Umsatz im Zeitraum Juli bis September um 23,4% auf 2,28 Mrd. Euro. Das Bruttotransaktionsvolumen erhöhte sich um 25,3% auf 3,1 Mrd. Euro und lag damit über dem angestrebten Wachstumskorridor. Der bereinigte Betriebsgewinn ist dagegen von 118,2 Mio. Euro auf 9,8 Mio. Euro abgestürzt. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Fulfillment-Kosten gestiegen

Die Kosten für Logistik und Versandabwicklung sind im zweiten Quartal von 53,6 Mio. Euro auf 80,4 Mio. Euro geklettert. In der Folge sind 20,3% des Umsatzes in Fulfillment geflossen. Das sind 0,5 Prozentpunkt weniger als im Vorjahr. Das heißt: Das Fulfilllment ist etwas effizienter geworden. About You musste im vergangenen Quartal unter anderem in die Logistiknetzwerke in den neuen Märkten Spanien und Norwegen investieren.

Sieben Länder schreiben Gewinne

Neben der DACH-Region sind folgende About You-Märkte bereits profitabel: Belgien, die Niederlande, Tschechien und die Slowakei. Weitere Länder werden in den kommenden Quartalen folgen, kündigte Co-CEO Sebastian Betz in einer Analystenkonferenz mit. About You ist derzeit in 26 europäischen Ländern mit eigenen Online-Shops vertreten. Davon wurden 20 innerhalb von nur drei Jahren gestartet, 13 seit Ausbruch der Corona-Pandemie.

About You betreibt Online-Mode-Shops in 26 europäischen Ländern. Die Ableger befinden sich in drei unterschiedlichen Entwicklungsstufen.
About You
About You betreibt Online-Mode-Shops in 26 europäischen Ländern. Die Ableger befinden sich in drei unterschiedlichen Entwicklungsstufen.

Mittelfristiges Ziel: 5 Mrd. Euro

About You will seinen Umsatz bis zum Geschäftssjahr 2025/26 auf etwa 5 Mrd. Euro erhöhen. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte das Volumen bei 1,17 Mrd. Euro gelegen. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die drei CEOs Tarek Müller, Hannes Wiese und Sebastian Betz 1,73 bis knapp 1,78 Mrd. Euro. Das heißt: Der Umsatz soll sich innerhalb von vier Jahren fast verdreifachen.

Für die ersten acht Geschäftsjahr seit dem Start im Jahr 2014 hat About You eine durchschnittliche Wachstumsrate von 90% pro Jahr ausgerechnet. Diese basiert allerdings hauptsächlich auf den extrem hohen Zuwächsen in den ersten drei Jahren, als die Erlöse auf niedrigem Niveau um 170%, 116% und 111% gestiegen sind.

Secondhand-Geschäft läuft gut an

About You ist seit November 2020 im stark wachsenden Markt mit gebrauchter Mode aktiv. Bereits am Ende des Geschäftsjahres 2020/21 (28. Februar) führte der Online-Händler über 400.000 qualitätsgeprüfte Secondhand-Produkte in seinem Sortiment.

Sortiment wächst um 45%

Das gesamte Sortiment des deutschen Online-Shops, in denen die gebrauchten Artikel nicht enthalten sind, bestand Ende Oktober dieses Jahres aus 511 Millionen Teilen. Das waren 45% mehr als im Vorjahr. Damals war der Bestand nur um 21% auf 353 Millionen Teile gewachsen.

Kaum Lieferprobleme

Laut Co-CEO Betz leidet About You derzeit kaum unter Lieferproblemen. "Das ist überschaubar", sagt der Mitgründer. Wenn es Verzögerungen bei den Lieferungen gebe, dauerten diese nicht länger als vier Wochen an. Generell sei der Schuhsektor stärker betroffen als die Bekleidungssparte. "Das ist gut für uns, da unser Fokus auf Bekleidung liegt", so Betz weiter.

13% der Produkte sind nachhaltig

Im zweiten Quartal betrug der Anteil der nachhaltig produzierten Modeteile am Gesamtsortiment bei 13%. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als im vierten Quartal des vorigen Geschäftsjahres.



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