Premierminister Conte: „Die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“

Italien schließt Fabriken

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Premierminister Giuseppe Conte
Premierminister Giuseppe Conte

Italien hat mehr Coronavirus-Tote als China zu beklagen. Unter den Opfern ist auch ein bekannter Modeunternehmer. Um die Pandemie einzudämmen, ordnet die Regierung an, die Fabriken des Landes für zwei Wochen zu schließen. Giorgio Armani wendet sich in einer ganzseitigen Zeitungsanzeige an Ärzte, Krankenschwester und Sanitäter.

Nachdem sich die Coronavirus-Pandemie in Italien auf besorgniserregende Weise ausgebreitet hat, verschärft die Regierung die Restriktionen. Premierminister Giuseppe Conte hat jetzt angekündigt, auch die Fabriken des Landes zu schließen. Die Regeln gelten erst einmal bis zum 3. April.


„Wir durchleben die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Conte im Livestream auf Facebook am Samstagabend. „Der Tod vieler Mitbürgerinnen und Mitbürger ist ein Schmerz, der uns von Tag zu Tag zusetzt.“ Deshalb habe er sich entschlossen, die Produktionsstätten der Industrien, die nicht „zwingend notwendig seien“, vorübergehend zu schließen. Das sei „alternativlos”, sagte Conte: „Wir müssen jetzt durchhalten. Nur so schützen wir uns alle.“

Eine detaillierte Liste der Branchen, für die das gelte, werde momentan vorbereitet, sagte Conte. Apotheken, Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte hätten weiter geöffnet. Das gelte auch für unverzichtbare Dienstleistungen wie Post, Versicherungen, Banken und Transportwesen. Zu Hamsterkäufen bestehe kein Anlass, so Conte: „Ich fordere alle Bürger dazu auf, Ruhe zu bewahren.“

Die Seidenweberei Mantero schließt für zwei Wochen.
Mantero
Die Seidenweberei Mantero schließt für zwei Wochen.
Die Entwicklung in Italien ist dramatisch. Italien ist inzwischen das Land mit meisten Coronavirus-Todesopfern weltweit. Nach aktuellem Stand sind 4825 Menschen an den Folgen von Covid-19 gestorben, knapp 54.000 sind infiziert. Besonders hart getroffen ist die Lombardei mit den Städten Bergamo und Brescia. Allerdings wächst jetzt die Sorge um Mailand. Es steigen die Fallzahlen im Umland der Metropole, beispielsweise in Bresso, Sesto San Giovanni und Cologno Monzese.

Auch die Mode hat die ersten Opfer zu beklagen. Das Coronavirus hat Mario Bresciani das Leben gekostet. Der 80-Jährige war der Inhaber der Sockenfabrik Bresciani Calze mit Sitz in Spirano bei Bergamo. Das Unternehmen verkauft heute in 42 Ländern und zählt auch die Top-Marken der Luxuswelt zu ihren Kunden. 2005 bedachte Hermès die Firma mit einem Dankesschreiben.

Die Anordnung der Regierung bedeutet, dass die Modeunternehmen Italiens ihre Produktionsstätten schließen müssen. Die einzige Ausnahme gilt für die Firmen, die Arbeitskleidung herstellen. Viele Unternehmen, darunter Luxusmarken wie Gucci und Tod’s, Sportlabels wie La Sportiva und Konfektionäre wie Lardini waren der Regierung schon zuvorgekommen.

Dazu zählt auch die Seidenweberei Mantero. Hatte Firmenchef Franco Mantero anfangs die Produktion auf die Hälfe der Kapazität zurückgefahren, so kündigte er kurz vor der Ansprache Contes an, sein Werk in Como ab Montag für zwei Wochen komplett zu schließen. „Das ist ein Akt der Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern, die es zu schützen gilt“, sagte Mantero.

Giorgio Armani
SCP
Giorgio Armani
Zu Wort meldet sich Giorgio Armani. Der 85-jährige Designer hat eine ganzseitige Anzeige in den Tageszeitungen geschaltet. In einem kurzen Brief dankt er den Ärzten, Krankenschwestern und Sanitätern. „Es ist bewegend, mit welcher Hingabe Ihr Euren Beruf ausübt und den Schwierigkeiten trotzt. Die ganze Welt hat davon Kenntnis genommen“, schreibt Armani. Er und sein Unternehmen seien sich ihrer Anstrengungen bewusst. „Ich persönlich stehe euch nahe.“

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