Priorität Liquidität

Geox stoppt Aktienrückkäufe - wegen Hilfsprogramm der italienischen Regierung

Geox
Frühjahrskollektion 2019 von Geox
Frühjahrskollektion 2019 von Geox

Die italienische Regierung hilft den Unternehmen mit Kurzarbeit und staatlichen Kreditgarantien durch die Covid-19-Krise. Doch wer das in Anspruch nimmt, der darf keine Dividende ausschütten und auch keine Aktien zurückkaufen. Geox legt das Rückkaufprogramm deshalb auf Eis.

Der Schuh- und Bekleidungsfilialist Geox stoppt Aktienrückkäufe, um Staatshilfen beantragen zu können. Auf der Hauptversammlung hat das Unternehmen entschieden, das Rückkauf-Programm auszusetzen, damit es öffentliche Kreditgarantien in Anspruch nehmen kann.


Die italienische Regierung hat Konjunkturpakete auf den Weg gebracht, um den Unternehmen durch die Covid-19-Pandemie zu helfen. Grundpfeiler sind die Kurzarbeit, Cassa Integrazione genannt, sowie staatliche Kreditgarantien. Dabei übernimmt die Förderbank Cassa Depositi e Prestiti, das Pendant zur deutschen KfW, über ihre Tochter Sace zwischen 70 bis 90% des Kreditrisikos.

Allerdings sind die staatlichen Kreditgarantien an Auflagen geknüpft. Konkret dürfen die Unternehmen, die das Hilfsprogramm annehmen, keine Dividenden ausschütten und im Laufe von 2020 auch keine Aktien zurückkaufen. Geox nimmt in seiner Entscheidung explizit auf diese Bestimmung, die sich im Dekret 23/2020 der Regierung findet, Bezug.

Livio Libralesso
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Livio Libralesso
Der Schuh- und Bekleidungsfilialist nutzt bereits die Kurzarbeit, die für das Personal mit Einbußen verbunden ist. Das Top-Management sendet deshalb ein Signal der Solidarität mit den Mitarbeitern. Sie verzichten wöchentlich auf 20% des Fixgehalts und schenken einen Urlaubstag. Zudem steht es ihnen offen, ob sie bereit sind, sich auch die variable Vergütung für 2020 entgehen zu lassen. Die Ersparnisse werden in einen Fonds eingezahlt, der den Mitarbeitern zugutekommt.

Die Coronavirus-Krise hat Geox hart getroffen. Das Unternehmen geht davon aus, dass der direkte Retail-Umsatz im ersten Quartal um 20% schrumpft. Vor einer Prognose für das Gesamtjahr schreckt das Unternehmen zurück: „Es ist derzeit extrem schwierig, eine Vorhersage für 2020 zu machen“, teilte Geox Ende März mit. Schon 2019 war nicht einfach. Der Umsatz fiel um knapp 3% auf 806 Mio. Euro. Sonderbelastungen bescherten dem Filialisten einen Nettoverlust von knapp 25 Mio. Euro.

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Um sich für den Abschwung zu rüsten, saugt sich das Unternehmen mit Liquidität voll. Geox ist gut kapitalisiert. Stand Ende 2019 betrug das Eigenkapital 305 Mio. Euro, die Nettofinanzposition lag bei 6 Mio. Euro. Aktuell werde mit Banken darüber verhandelt, die Kreditlinien auszuweiten und die Rückzahlungsfristen zu verlängern, teilte Geox mit. Die unverkaufte Ware solle über Outlets und andere Offsale-Kanäle abgeschleust werden, hieß es weiter.

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