Privatplatzierung auf dem Finanzmarkt

Zweite Kapitalspritze für Farfetch seit Jahresbeginn

Farfetch
Going Far: Der Online-Marktplatz Farfetch ist inzwischen in New York gelistet.
Going Far: Der Online-Marktplatz Farfetch ist inzwischen in New York gelistet.

Der Luxus-Marktplatz Farfetch hält sein Geschäftsmodell in Zeiten von Covid-19 für besonders robust. Allerdings schreibt das Unternehmen nach wie vor rote Zahlen. Jetzt hat es einen weiteren dreistelligen Millionenbetrag eingesammelt.

Der Luxus-Marktplatz Farfetch zapft erneut den Kapitalmarkt an. Nachdem sich das von CEO José Neves geführte Unternehmen im Januar bereits 250 Mio. Dollar über die Ausgabe von Schuldscheinen gesichert hat, sammelt es jetzt weitere 350 Mio. Dollar ein.


Farfetch begibt Schuldscheine mit einer Laufzeit bis 2027, die mit 3,75% verzinst sind und die zu einem Kurs von 16,13 Dollar in Aktien gewandelt werden können. Im Januar hatte Farfetch fünfjährige Wertpapiere mit einem Zinssatz von 5% an den chinesischen Internetkonzern Tencent und den Finanzinvestor Dragoneer verkauft. Damals lag der Umtauschkurs bei 12,25 Dollar. Aktuell notiert die Aktie bei rund 12,40 Dollar. Das ist deutlich weniger als der Ausgabepreis von 20 Dollar beim Börsengang im September 2018.

Die zweite Kapitalspritze binnen weniger Monate verdeutlicht, dass Farfetch zwar rasant wächst, aber nach wie vor rote Zahlen schreibt. Das Unternehmen, auf dessen Marktplatz im vergangenen Jahr Modeartikel im Wert von über 2 Mrd. Dollar gehandelt wurden, häufte 2019 einen Nettoverlust von 374 Mio. Dollar an. Für das erste Quartal 2020 wird ein Minus von 70 bis 125 Mio. Dollar erwartet. Farfetch-CEO Neves hat sich das Ziel gesetzt, 2021 auf Basis Ebitda, also vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen, die Gewinnzone zu erreichen.

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Dementsprechend achten die Anleger genau darauf, wie viel Geld Farfetch in der Kasse hat. Stand Ende 2019 belief sich der Bestand an Barmitteln auf rund 320 Mio. Dollar. Rechnet man die Kapitalspritze durch Tencent und Dragoneer hinzu und zieht die laufenden Verluste ab, so schätzen Analysten die Barmittel Ende März auf rund 420 Mio. Dollar. Mit den jetzt eingenommenen 350 Mio. Dollar dürfte Farfetch ungefähr wieder den Kassenbestand wie vor einem Jahr erreicht haben. Ende März 2019 verfügte der Marktplatz über knapp 795 Mio. Dollar.

Die Geldgeber von Farfetch vertrauen darauf, dass sich das Geschäftsmodell des Unternehmens in Zeiten der Covid-19-Pandemie als robust erweist. Während einige E-Tailer wie Yoox Net-a-Porter zeitweise die Distributionszentren schließen mussten und nicht liefern konnten, ist Farfetch aktiv geblieben. Denn die Ware auf Farfetch stammt größtenteils von den 700 Multibrand-Händler und 500 Luxus- und Premiummarken, die auf dem Marktplatz verkaufen.

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Allerdings stellt die Covid-19-Pandemie für Farfetch auch ein Problem dar. Gewinnbringer bei Farfetch ist die Mailänder Streetwear-Plattform New Guards Group (NGG) mit ihren Marken Off-White, Marcelo Burlon und Palm Angels. Im Geschäftsjahr 2019 steuerte NGG einen Bruttogewinn von 75 Mio. Dollar bei. Obwohl der Direktabsatz über Farfetch zunehmen dürfte, hängen alle NGG-Marken immer noch stark vom Verkauf über Multibrand-Händler ab. Deren Geschäfte waren aber wegen der Pandemie wochenlang geschlossen. Eine Prognose für das NGG-Ergebnis 2020 hat Farfetch bislang noch nicht abgegeben.

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