Prominente TW-Leser: Wolfgang Grupp, Trigema

"Die TW könnte diesen Versagern deutlicher ins Gewissen reden"

Trigema
Wolfgang Grupp, der Chef von Trigema in Burladingen, in einem seiner Nähsäle. Die TW liest er nur zuhause - und nie am Smartphone.
Wolfgang Grupp, der Chef von Trigema in Burladingen, in einem seiner Nähsäle. Die TW liest er nur zuhause - und nie am Smartphone.

Er hat seinen eigenen Kopf und seine Prinzipien, er sagt, was er denkt. Wolfgang Grupp (79) aus dem schwäbischen Burladingen produziert seit 52 Jahren als "eingetragener Kaufmann" ausschließlich in Deutschland und hat nach eigenen Worten noch nie ein Verlustjahr geschrieben. Seit Jahrzehnten liest er die TW. Ebenso wie seine Ehefrau Elisabeth und die Kinder Bonita und Wolfgang jun., die alle in dem Unternehmen mitarbeiten, das weiterhin alleine Wolfgang Grupp sen. gehört.



TextilWirtschaft: Herr Grupp, seit wann lesen Sie die TextilWirtschaft?
Wolfgang Grupp: Genau kann ich Ihnen das gar nicht sagen, die TW gibt es bei Trigema schon sehr lange. Sicher ist, dass ich die TW seit 1969, als ich bei Trigema angefangen habe, regelmäßig lese.

Wie nutzen Sie die TW?
Die TW bekomme ich jede Woche als Erster auf den Schreibtisch gelegt. Dann nehme ich sie mit nach Hause und lese sie dort. Was ich interessant finde, streiche ich an und zeige es meiner Frau oder anderen Mitarbeitern. Dann bringe ich sie wieder mit in die Firma. Mich interessiert natürlich vor allem der wirtschaftliche Teil: Wer mal wieder Probleme hat, bei wem es gut läuft, wer die Pandemie bisher besser oder nicht so gut überstanden hat usw..

Lesen Sie gerne Personalien?
Ja, aber ich frage mich dabei oft, wie diese Leute, über die Sie schreiben, es eigentlich schaffen, alle paar Jahre das Unternehmen zu wechseln. Bei uns geht es so nicht zu: Je länger Mitarbeiter bei mir im Unternehmen sind, desto wertvoller sind sie für mich. Weil sie das Unternehmen und jeden einzelnen Mitarbeiter genau kennen und deshalb viel schneller reagieren können. Aber ich lese sehr gerne, wie es woanders zugeht.

Sie geben das Heft weiter, wenn Sie es gelesen haben?
Ja, meine Frau hat zur Bedingung gemacht, dass sie die TW nach mir bekommt. Danach können die Kinder hineinschauen, wenn sie möchten. Und natürlich bekommt dann immer unsere Entwicklungsabteilung das Heft, die es ja eigentlich bestellt hat und für die ja auch vor allem der Modeteil interessant ist. Meine Mitarbeiter wollen natürlich genau wissen, was über die neuesten Modetrends berichtet wird.

Aber Sie wissen schon, dass Sie auch mehrere Exemplare bestellen dürfen...
(lacht) Selbstverständlich weiß ich das. Und ich weiß auch, dass Ihnen das wahrscheinlich sehr gut gefallen würde.  Aber Sie wissen wiederum, dass ich schwäbisch veranlagt bin und sehr auf die Kosten achte.


Nutzen Sie eigentlich  auch die elektronischen TW-Produkt?
Nein, das ist nicht meine Welt. Ich schaue auch nicht bei Spiegel.de oder Bild.de nach. Ich schaue die Nachrichten im Fernsehen, lese täglich meine Heimatzeitung; das reicht! Mein Handy liegt ausgeschaltet zuhause im Schrank, ich nutze es nur auf Reisen, wenn ich erreichbar sein muss. Ich habe ja auch keinen Computer auf dem Schreibtisch stehen. Aber alles Wichtige weiß ich, ohne in den Bildschirm schauen zu müssen.

Heben Sie einzelne Artikel aus der gedruckten TW auf?
(Man hört etwas rascheln) Ich habe hier einen Ordner mit Ausschnitten verschiedener Medien, in dem natürlich auch Artikel aus der TextilWirtschaft drin sind. Über mich oder über gravierende Dinge, die ich kritisiere - wie Verantwortungslosigkeit, Größenwahn und Gier. Fälle wie Karstadt oder Gerry Weber und andere, die schon zum wiederholten Mal Insolvenz gemacht haben, kopiere ich und hefte sie unter „Insolvenz“ ab.

Informiert die TW ausreichend über solche Fälle?
Die TW könnte schon etwas deutlicher diesen Versagern ins Gewissen reden. Die TW geht mit denen etwas zu schonend um! Ich verlange von der Politik, die handelnden Personen bei einer solchen Insolvenz zur Verantwortung zu ziehen. Diese dürften sich in einem Rechtstaat nicht einfach durch mehrfache Insolvenz befreien können und in der Eigeninsolvenz sogar selber weitermachen dürfen, ihr Gehalt bekommen und selbstverständlich alle Verluste auf Gläubiger und Mitarbeiter abwälzen dürfen. Und selber, wenn das Insolvenzverfahren beendet ist, beträchtliche Werte noch haben. Das ist mit meinem Rechtsempfinden nicht zu vereinbaren.

Würden Sie sich solche Themen häufiger wünschen?
Die TextilWirtschaft ist in erster Linie ein Fachmedium für die Textilbranche. Sie muss selber wissen, was sie zu berichten hat, nur sollte es objektiv und vielleicht manchmal etwas deutlicher sein.

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