Lockerung des Shutdowns ab Montag

So bereiten sich Händler auf die Öffnung vor

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Zumindest Betreiber kleinerer Läden können die Schilder bald abnehmen: Ab kommender Woche ist es vorbei mit dem generellen Öffnungsverbot für stationäre Modehändler.
Zumindest Betreiber kleinerer Läden können die Schilder bald abnehmen: Ab kommender Woche ist es vorbei mit dem generellen Öffnungsverbot für stationäre Modehändler.

Gesteigerte Aktivität im Laden einerseits, große Unsicherheit über das, was erlaubt ist andererseits: Viele Händler versuchen gerade, sich irgendwie durch die teils unklare Situation im Vorfeld der Wiedereröffnung zu lavieren. Die TW hat sich in der Branche umgehört.

Christoph Berger, Geschäftsführer von Ebbers in Warendorf, ärgert sich weiterhin darüber, dass er sein Hauptgeschäft geschlossen lassen muss - während etwa in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein Öffnungen bei Teil-Abgrenzungen unterhalb der 800er-Grenze möglich scheinen. Immerhin: "Wir können unser Wäschehaus eröffnen, da wir hier eine eigenständige Betriebserlaubnis haben". Der Laden lässt sich über eine Brandschutztür vom Haupthaus abtrennen. Auch kleinere Filialen wie der Kinderladen oder die Stylebar können öffnen.

Im Wäschehaus wird jetzt erst einmal umgeräumt: "Wir verlegen gerade unsere Strumpfabteilung dorthin", sagt Berger. Auch wird hier eine Personal-Shopping-Kabine mit Terminvergabe entstehen. Auf diese Weise können Kunden auch andere Bekleidung kaufen. Bergers Nachfrage-Prognose? "Wir gehen davon aus, das sich der Bekleidungseinkauf zuerst am Bedarf orientieren wird und sind daher mit diesen Sortimenten richtig am Start."


Beim Thema Hygiene will er seinen eigenen Weg gehen: Er hat PVC-Masken für seine Mitarbeiter bestellt. "Wir wissen schließlich, dass Verkaufen im Abstand von zwei Metern schwierig ist." Die durchsichtigen Kunststoff-Visiere könnten möglicherweise besser schützen als Stoffmasken.

Berger, der über sein Haus selber Energie produziert und damit Nachbar-Gebäude  versorgt, hat noch eine seltsame Shutdown-Folge bemerkt: Er, der sich selber als Energie-Nerd bezeichnet, muss jetzt mehr für seine Kilowattstunde Strom bezahlen als vor der erzwungenen Ladenschließung. Eine komplizierte Rechnung mit Faktoren wie dem zuletzt gesunkenem Verbrauch, EEG-Zulage und Netzentgelten sei der Grund dafür.

Wir erreichen Tobias Funk, Geschäftsführer von Funk in Aalen, einen Tag nach Verkündung der Lockerungen beim Einkauf von Absperrungen. Er rechne damit, eine 800m² große Fläche in seinem Modehaus abtrennen zu dürfen. Eine Genehmigung von den örtlichen Behörden gebe es. Aber noch wartet Funk auf eine klare Ansage der Landesregierung. Er will gewappnet sein. Am Samstag holt er die Plexiglas-Konstruktionen für die Kassen. "Wir haben uns lange mit dem Thema beschäftigt, weil wir etwas hochwertiges haben wollten." 

Der Laden soll künftig über einen Ein- und einen Ausgang betreten werden. Die 50 Mitarbeiter hat Funk in Teams eingeteilt, die die 800m²-Verkaufsfläche bespielen. Wobei darauf geachtet wurde, dass in jedem Team Verkäufer aus allen Abteilungen des Hauses vertreten sind. "Wir werden darauf achten, dass sich die Teams untereinander nicht begegnen." Zum Unternehmen gehört auch ein Mango-Store in einer Mall. Ob er diesen Store, der von der Größe her öffnen dürfe, tatsächlich am Montag aufsperren darf, ist noch unklar. "Die aktuelle Informationslage ist ein Super-GAU."

Auch BTE-Präsident Steffen Jost kritisiert den teils zähen Informationsfluss:"Wenn Ministerpräsidenten entscheiden, aber nicht definitiv festlegen, wie es im Detail umzusetzen ist und sich die Länder jetzt überlegen müssen, wie denn die Durchführungsverordnung dazu aussieht, dann wird es halt schwierig", sagt Jost. "Diese Vorgehensweise ist dem Aufwand, der dahintersteckt und der Arbeit, alle Vorgaben umzusetzen, eigentlich nicht angemessen. Da erwartet die Politik von der Wirtschaft verdammt viel."

Ernsting’s Family will am Montag laut derzeitigem Stand 1331 deutsche Filialen wieder öffnen. Davon seien allerdings 405 noch nicht bestätigt, da in einigen Bundesländern noch keine Klarheit herrsche, sagt Pressesprecher Marcello Concilio. Zu den Hygiene-Maßnahmen gehören Acryl-Scheiben vor der Kasse sowie eine Schüttengasse und Abstandshinweise auf dem Boden, um die Kunden im Kassenbereich kanalisieren zu können. Es gibt Zugangsbeschränkungen, die sich nach der Filialgröße richten und den Hinweis auf möglichst bargeldloses Zahlen.

Stuf-f in Düsseldorf-Flingern will am Montag ebenfalls wieder öffnen. Der 180m² große Store für hochwertige, handgemachte Männerkleidung hatte sich während des Shutdows einigermaßen mit seinen Online-Store über Wasser gehalten. Jetzt will Inhaber Thomas Jablonki seine Kunden etwa per Instagram einladen, wieder in den Store zu kommen. "Aber wir werden auf eine 'Hurra, endlich'-Tonalität verzichten."

Desinfektionsmittel für Kunden und Mitarbeiter sowie Masken für das Personal sollen ab Montag im Laden sein. Abstands-Aufkleber auf dem Boden oder Plexiglas-Scheiben sind erst einmal nicht vorgesehen: "Wir sind vor allem während der Woche so hoch frequentiert und haben dann auch kaum Wartesituationen an der Kasse. Aber es gilt: Learning by Doing". Wenn nötig, will Jablonski nachrüsten. Grundsätzlich gehe sein Team das Thema Wiedereröffnung „ eher mit Vorsicht und Zurückhaltung an und weniger mit der Erwartung 'alles auf normal'".

Bei Sinn laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, obwohl die Kette wegen ihrer Flächen oberhalb der 800er-Grenze in der kommenden Woche wohl kaum öffnen dürfte. Spuckschutz, Bodenaufkleber oder Hinweisschilder für den Abstand  sollen am Wochenende in den Häusern angebracht werden – alle mit Firmenlogo und dem unvermeidlichen Spruch „Das macht Sinn“. 25.000 Stoffmasken mit Firmenlogo sind ebenfalls bestellt.  
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