RegioPlan-Prognose für Österreich

Stationärer Handel: 28% weniger Umsatz im Weihnachtsgeschäft

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Die meisten Läden sind geschlossen, die Frequenz leidet - wie hier in der Kärntnerstraße in Wien.
Die meisten Läden sind geschlossen, die Frequenz leidet - wie hier in der Kärntnerstraße in Wien.

RegioPlan prognostiziert dem stationären Handel ein Umsatzminus von 28% im Weihnachtsgeschäft, während der Online-Handel um 47% wächst.

Die Vorzeichen stehen denkbar schlecht: Die meisten Läden, für die Weihnachten einen Großteil der Umsätze bringt, sind derzeit geschlossen. Steigende Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit sowie die beiden Lockdowns haben am Ende des Jahres die Kaufkraft der Österreicher um durchschnittlich knapp 7% reduziert. Dazu kommt die allgemeine Unlust einkaufen zu gehen, denn Masken und Ansteckungsbedenken mindern den Spaß. Viele Österreicher sparen zudem mehr als in den Vorjahren, denn sie erwarten harte Zeiten.

Aus heutiger Sicht prognostiziert RegioPlan deshalb einen beispiellosen Einbruch der Weihnachtsausgaben. Wurden im Vorjahr im Dezember im Vergleich zu einem Durchschnittsmonat Mehrumsätze in Höhe von 2,1 Mrd. Euro erzielt, so werden dieses Jahr nur 1,75 Mrd. Euro erwartet – ein Minus von 17%.

Gewinner und Verlierer

Die größten Verlierer sind vor allem jene Branchen, die Waren anbieten, die man nicht "braucht", sondern "will" – also Mode, Elektronik, Spiele, Schmuck etc. "Gerade hier ist die – dieses Jahr leider fehlende – Weihnachtsatmosphäre oft der wichtige Impuls zum Kauf", heißt es von RegioPlan. Und: "In dem Moment, in dem die Geschäfte wieder offen halten dürfen, sind umfassende Rabattaktionen zu erwarten, die dem einzelnen Geschäft zwar Umsatz bringen, in Summe die Weihnachtsausgaben jedoch reduzieren."

Günstig sieht die Situation hingegen für den Lebensmittelhandel aus, der einerseits von den Schließungen der meisten anderen Branchen profitiert, andererseits von der weitgehend geschlossenen Gastronomie. "Außerdem werden etwa 300.000 Österreicher dieses Jahr zu Weihnachten nicht in ferne Länder fliegen, sondern zu Hause essen", prognostizieren die Handelsberater. Aufgrund dieser Faktoren kann der Lebensmittelhandel 2020 im Weihnachtsgeschäft mit plus 8 bis 10 % gegenüber dem Vorjahr rechnen.

Zählt man Food- und Nonfood-Handel zusammen, kommt RegioPlan für dieses Jahr auf Weihnachtsausgaben in Höhe von 840 Mio. Euro, die in den stationären Handel fließen. Gegenüber 2019 ist das ein Minus von 28%.

Hart treffe es auch die Gastronomie, die laut RegioPlan-Prognose zwei Drittel ihres Vorweihnachts-Volumens verlieren dürfte und auf einen Weihnachts-Mehrumsatz von nur noch 50 Mio. Euro komme.

Online-Handel punktet

Im Vorjahr lag der Onlineanteil an den einzelhandelsrelevanten Konsumausgaben der Österreicher über das gesamte Jahr gesehen bei etwa 13%. 2020 ist laut RegioPlan mit über 15% zu rechnen. Zur Weihnachtszeit steige der Online-Anteil auch in "normalen" Jahren signifikant.

Das liege daran, dass Vielen die Zeit zum Bummeln zu knapp werde oder sie überhaupt auf das "Shoppingvergnügen" in der Vorweihnachtszeit verzichten wollten. Und selbstverständlich auch an den massiven Werbekampagnen von Amazon & Co, etwa für Black Friday oder Cyber Monday. Im Pandemie-Jahr 2020 ist der Onlinehandel mit 32% Anteil an den Weihnachtsumsätzen und einem Wachstum um 47% auf ein Volumen von 560 Mio. Euro mit Abstand der größte Gewinner.

Ein weiterer Gewinner im Vorweihnachtsgeschäft sind nicht handelsrelevante Gutscheine sowie Geldgeschenke, die ihr Volumen auf rund 200 Mio. Euro verdoppeln können.



Dieser Text erschien zuerst auf www.textilzeitung.at.

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