Restart-Protokoll von Kauf Dich Glücklich-Geschäftsführer Christoph Munier

Tag Drei bei Kauf Dich Glücklich: "Ich sehe Atemschutz als moderne Höflichkeitsgeste"

Kauf Dich Glücklich
Christoph Munier gründete 2002 in Berlin mit Andrea Dahmen das progressive Berliner Einzelhandelsunternehmen Kauf Dich Glücklich.
Christoph Munier gründete 2002 in Berlin mit Andrea Dahmen das progressive Berliner Einzelhandelsunternehmen Kauf Dich Glücklich.

Christoph Munier, der gemeinsam mit Andrea Dahmen den überregionalen Filialisten Kauf Dich Glücklich betreibt, berichtet an dieser Stelle jeden Tag über die Stimmung in den Läden, unter Mitarbeitern und Kunden zur Wiedereröffnung nach dem Lockdown.

TextilWirtschaft: Heute konnten Sie auch Ihre fünf Läden am Firmensitz Berlin wieder eröffnen. Wie war die Resonanz?
Christoph Munier: Einen großen Ansturm gab es nicht, aber die Hauptshoppingzeit in Berlin ist ja auch eher zum Abend hin. In Mitte war es schon ganz okay, im Prenzlauer Berg eher ruhig. Noch sind die Umsätze auch in den anderen Läden nicht so, dass wir davon leben können.

Wie lief generell der dritte Tag nach dem Restart in den anderen Läden?
Ähnlich wie gestern. Münster und Frankfurt waren sehr gut. In Hamburg ist wenig Traffic, auch in Stuttgart sind die Leute noch zurückhaltender und ängstlicher, weil es da ja auch höhere Infektionsraten gab. Da merkt man schon große Unterschiede im Kundenverhalten zwischen den einzelnen Standorten? In manchen Städten, wie teilweise in Münster, tun die Leute teilweise so, als hätte es nie einen Virus gegeben. In Stuttgart dagegen hoffen unsere Mitarbeiter, dass mit der Maskenpflicht auch mehr Konsumenten kommen.

Verkaufen Sie eigentlich auch Masken?
Ja, wir lassen gerade für die eigene Kollektion Atemschutzmasken fertigen. Erste Samples sind fertig.

Passend zur aktuellen Kollektion?
Eigentlich wollen wir ein Medizinprodukt nicht zum modischen Accessoire hochstilisieren, aber wahrscheinlich wird es das mit der Maskenpflicht werden. Also bieten wir schon etwas modischere Modelle mit Leo-Print, aber auch schlichte schwarze Teile. Wir experimentieren auch mit Bordeaux, das macht die Leute nicht ganz so blass.

Wieviel werden sie kosten?
Wir kalkulieren so mit 7 Euro.

Tragen die Kunden schon Masken?
Auch das ist ganz unterschiedlich. Im Süden ja, im Norden weniger, in Berlin kaum. Unseren Mitarbeitern haben wir es jetzt nahe gelegt. Ich sehe den Atemschutz schon als moderne Höflichkeitsgeste und versuche, ihn auch so unter unseren Mitarbeitern zu etablieren. Aber acht Stunden lang durch Stoff zu atmen, ist schwierig.

Wie werden die Sicherheitsmaßnahmen generell von den Kunden akzeptiert?
Eigentlich ist es okay, lange Warteschlagen vor den Türen erwarten wir ja erst am Wochenende. Nur an den Umkleidekabinen mussten unsere Mitarbeiter schon manchmal eingereifen. Da geht das Sommerkleid schon mal vor Abstand, zumindest nur in den sorgloseren Städten wie Münster und Frankfurt.

Wollen die Kunden eigentlich beraten werden?
Auf jeden Fall. Der Gesprächsbedarf ist extrem hoch. Viele sagen, sie seien gar nicht mehr auf dem Laufenden, was modisch läuft und wollen eine Moderation zu Stil und Trend. Viele kommen aber auch, um uns zu sagen, cool, dass ihr wieder da seid.

Ist Corona auch ein Thema?
Ja, natürlich. Aber die Verunsicherung ist nicht mehr so hoch wie am Anfang, in der ersten Märzhälfte, als es los ging. Es ist nicht mehr das Hauptthema. Die Leute haben sich daran gewöhnt.

Ihren Laden in Amsterdam mussten Sie ja gar nicht schließen. Wie lief es dort die ganze Zeit?

Eher verhalten. Viele hatten dort ja freiwillig geschlossen, weil die Innenstädte leer waren. An manchen Tagen hätte sich das für uns auch eher gerechnet. Aber wir haben durchgehalten und ab und zu kamen auch Kunden. Aber dort ist es weiterhin ruhig.

Die zweite Auslandsfiliale, in Österreich, ist schon seit einer Woche wieder geöffnet. Wie ist dort die Stimmung?
Da lief es gleich ganz gut. Ich war zur Eröffnung dort und schon die erste Kundin hatte einen riesigen Einkauf, weil sie so erleichtert war, dass sie nach vier Wochen endlich wieder shoppen konnte. Und da stand am vergangenen Samstag schon eine Warteschlange vor der Tür. So läuft es am Wochenende hoffentlich auch hier.

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