Roboter in der Intralogistik

Schnell, autonom, effizient

Mobile Industrial Robots
Beim brasilianischen Textilunternehmen Florisa Tinturaria Ltda transportieren jetzt fünf mobile Roboter Transportkäfige mit Stoffrollen vom Lager in die Produktion.
Beim brasilianischen Textilunternehmen Florisa Tinturaria Ltda transportieren jetzt fünf mobile Roboter Transportkäfige mit Stoffrollen vom Lager in die Produktion.

Die Färberei Tinturaria Florisa Ltda in der südbrasilianischen Stadt Brusque hat den zeitraubenden innerbetrieblichen Warentransport mit autonom fahrenden Roboters revolutioniert.

Automatisierung und Digitalisierung werden immer wichtiger auf allen Ebenen logistischer Prozesse. Denn die Anforderungen steigen. Nicht zuletzt aufgrund der größer werdenden Zahl von Vertriebskanälen. Neben Filialen und eigenem Online-Shop sind das häufig auch zahlreiche Online-Plattformen und zunehmend soziale Medien. Über die wird mit der Zielgruppe nicht nur kommuniziert, sondern sie haben zunehmend auch eine Bestellfunktion und werden dadurch zu Kanälen für den Direktvertrieb.


Gleichzeitig steigt die Erwartungshaltung der Kunden. Durch immer höher werdende Standards, die vor allem Amazon setzt, bei Warenverfügbarkeit, Liefergeschwindigkeit und Retouren-Management, sind die Kunden verwöhnt. Das Anspruchsniveau ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Investitionen in Prozesse sind unerlässlich, um dem gerecht werden zu können.

Die Roboter sind mit einem Hebesystem ausgestattet. Damit fahren sie unter den Transportbehälter und heben ihn an. An seinem Bestimmungsort setzen sie ihn wieder ab.
Mobile Industrial Robots
Die Roboter sind mit einem Hebesystem ausgestattet. Damit fahren sie unter den Transportbehälter und heben ihn an. An seinem Bestimmungsort setzen sie ihn wieder ab.
Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf alle Stufen der Wertschöpfungskette. Durch sinkende Anteile von Vororder stehen auch Färber und Weber vor der Herausforderung, traditionelle Arbeitsabläufe zu hinterfragen und neue Lösungen zu finden, um kurzfristiger und flexibler auf die Wünsche ihrer Kunden reagieren zu können.

Eine Möglichkeit ist dabei die Beschleunigung innerbetrieblicher Transportzeiten durch den Einsatz autonomer Transportfahrzeuge. In anderen Industrien, unter anderem in der Automobilbranche, sind solche Roboter schon lange im Einsatz. Sie gelten als ausgereift und arbeiten mit Hilfe zahlreicher Sensoren und ausgeklügelter Software nahezu fehlerfrei.

Die deutsche Internetstores GmbH in Stuttgart (u.a. Fahrrad.de, Bikester, Probikeshop, Campz und Addnature) beispielsweise hat selbstfahrende Flurförderzeuge in die Arbeitsabläufe ihres kürzlich in Betrieb gegangenen neuen Logistikzentrums im Stuttgarter Stadtteil Untertürkheim integriert (TW 9/2021: Jetzt im E-Paper lesen ).


Als eines der ersten Unternehmen der Textilindustrie setzt jetzt die Färberei Tinturaria Florisa Ltda in der südbrasilianischen Stadt Brusque (130.000 Einwohner) autonome Transportgeräte in der Intralogistik ein. Das seit 40 Jahren bestehende Unternehmen hat sich auf das Färben von Stoffen aus Natur- und Kunstfasern spezialisiert. Neben Qualität und gesellschaftlicher Verantwortung als zentrale Unternehmenswerte hat sich das Unternehmen Innovation und hohe Kundenzufriedenheit auf die Fahne geschrieben, um im internationalen Wettbewerb bestehen, flexibel reagieren, und weiter wachsen zu können.

Dem standen bisher starre und schwerfällige Abläufe in der Intralogistik entgegen. Mit Gabelstaplern beförderten Mitarbeiter die Stoffballen in den weitläufigen Produktionshallen aus dem Lager zu den Fertigungsprozessen „Die Textilien vom Lager in die Produktion zu bringen, war eine der anstrengendsten logistischen Aufgaben, die es hier im Werk gab. Die Strecken sind sehr lang, erschwert wird der Transport durch verschiedene Hindernisse und stark frequentierte Abschnitte,“ sagt Patrick Laurens Stolfi, Ingenieur bei Florisa. Täglich verbrachten die Staplerfahrer mehrere Stunden damit, Ware von A nach B zu fahren. Ein Flaschenhals, der die Produktionskapazität hemmte, und potenziell unfallträchtig war.

Um das zu ändern, entschied sich Florisa, die Intralogistik zu automatisieren und schaffte als eines der ersten Unternehmen im Textilbereich fünf autonome Transportroboter des Herstellers Mobile Industrial Robots (MiR) aus dem dänischen Odense an.

Roboterflotte hat die Produktivität kräftig gesteigert

Die Maschinen vom Typ MiR1000 tragen jeweils Lasten von bis zu einer Tonne. Mit Hilfe integrierter Sensorik und Software navigieren sie autonom durch das fünfstöckige Lager. Von dort befördern sie Transportkäfige mit Stoffrollen in die Produktion. Dafür sind sie mit einem Hebesystem ausgestattet, durch das sie die mit RFID-Tags versehenen Behältnisse eigenständig aufnehmen, transportieren und abladen können. Zudem sind die Roboter in das ERP- und WMS-System des Werks eingebunden, was eine reibungslose, gut dokumentierte Auftragsabwicklung ermöglicht. Auch Aufzüge können die Roboter selbständig nutzen und sich dadurch frei zwischen den verschiedenen Etagen bewegen. Auf diese Weise bedienen sie eigenständig 450 Empfangsstationen sowie 3.000 Lagerorte in der Produktion.

Die Roboterflotte hat die Produktivität kräftig gesteigert. Stolfi: „Geplant war, die Produktion von 90 Tonnen pro Tag auf 160 Tonnen zu steigern. Als das Projekt schließlich installiert war, konnten wir den Durchsatz jedoch auf 200 Tonnen täglich erhöhen – das entspricht einer Steigerung von 122%.“ Insgesamt läuft der interne Materialfluss bei Florisa nun wesentlich reibungsloser. Stolfi: „Mit Hilfe der Roboter haben wir es geschafft, Engpässe und Unterbrechungen in der Materialversorgung zu beseitigen.“

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Die Fahrbereiche der sich autonom im Werk bewegenden Maschinen mussten nicht mal von den Bereichen abgetrennt werden, in denen sich Menschen befinden. Die Roboter orientieren sich unter anderem mit Hilfe von Laser-Scannern, 3d-Kameras und Annäherungssensoren, erkennen Hindernisse frühzeitig, weichen aus oder halten an. So navigieren sie selbst in betriebsamen Bereichen des Werks problemlos zwischen den Arbeitern.

Nach Meinung von Stolfi profitieren auch die Mitarbeiter vom Einsatz der Maschinen. Sie erhöhen ihre Kompetenz in dem sie die Zusammenarbeit mit autonomen Systemen lernen. Außerdem sei die Bedienung der Roboter einfach, und erfolge über eine intuitive web-basierte Benutzeroberfläche. Der Zuwachs an Effizienz sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die komplexe Steuerungs-Software der Roboter, mit der den Maschinen die Aufträge zugewiesen werden, auf KI basiere. Stolfi: „Die Software organisiert die Fahrten so, dass lange Wegstrecken vermieden werden und die Arbeit nach Ort der Ware, Versandzeitpunkt und anderen konfigurierbaren Kriterien priorisiert wird.“

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