Rückblick 2021

Die Abschiede

Fotos: s.u. / Montage: TW

Es war ein Jahr, in dem die Mode und der Einzelhandel von einigen bedeutenden Menschen für immer Abschied nehmen mussten. Menschen, die mit ihren Leistungen, mit ihren Persönlichkeiten die Branche maßgeblich mitgeprägt haben. Ein Rückblick mit Verneigung.

1. Januar: Lothar Held

Lothar Held wurde 85 Jahre alt.
Lothar Held wurde 85 Jahre alt.
Am Neujahrstag musste sich Familie Held aus Münchberg von ihrem Vater, Schwiegervater, Großvater und langjährigem Chef der Firma Frankenwälder verabschieden. Lothar Held wurde 85 Jahre alt und zählt zu den prägenden Figuren der Modebranche bis in die heutige Zeit hinein. Als junger Mann erlebte Lothar Held das elterliche Textilunternehmen, das seine Mutter Ernestine im Jahr 1953 als Frankenwälder E. Held Handstickerei Export-Gesellschaft gegründet hatte.

Held studierte in Erlangen Jura und Betriebswirtschaft und half nebenbei im auf Blusen spezialisierten Betrieb aus. Im Jahr 1970 heiratete Held seine Frau Gudrun, die mit ihrem modischen Gespür als Kreativ-Chefin den weiteren Grundstein für das dann startende starke Wachstum legte. Frankenwälder war in der DOB vor allem wegen des kongenialen Ehepaars Held lange Jahre Top-Lieferant und zählte zu einem der größten Modeunternehmen Europas der damaligen Zeit. Mehrere Hundert Mitarbeiter produzierten in Oberfranken bis ins Jahr 2006 hinein.

Ab 2006 gab es einen tiefgehenden Relaunch, denn aus dem Markennamen Frankenwälder wurde unter Leitung der dritten Generation der Kollektionsname Frank Walder. 2011 verließ sein Sohn Tilmann Held die Spitze des Unternehmens. Nachdem Tochter Carolin Kittel einige Jahre alleine das Unternehmen führte, hat sie für den Vertrieb familienfremde Unterstützung an ihrer Seite. Sohn und Tochter sagen über ihren Vater: "Wir sind stolz, seine Kinder zu sein."

12. Februar: Norbert Lock

Überraschend mit 62 verstorben: Norbert Lock
Norbert Lock
Überraschend mit 62 verstorben: Norbert Lock
Norbert Lock ist im Alter von nur 62 Jahren vollkommen unerwartet verstorben. Er sei zu Hause in Überlingen friedlich vor dem Fernseher eingeschlafen. Es habe keinerlei Anzeichen gegeben, die auf seinen Tod hingedeutet hätten, äußert sich seine Familie. Denn man kannte ihn anders: Norbert Lock war immer voller Dynamik und Tatendrang, stets auf Messen, Kongressen und Events präsent, als Macher und Gesprächspartner in der gesamten Branche hoch geschätzt.

In 19 Jahren als Vertriebschef bei Marc Cain hat er den Aufstieg der Premium-Marke entscheidend mitgeprägt. Mit der langjährigen Kreativchefin Karin Veit bildete er ein kongeniales Duo, das es verstand, Vertrieb und Produkt aufeinander abzustimmen. Auch nach seinem Ausscheiden bei Marc Cain hatte er sich keinesfalls zurückgezogen und als selbstständiger Berater zahlreiche Unternehmen von Gerry Weber bis Nile strategisch begleitet. Bis zuletzt war er für den Kitzbüheler Premium-Anbieter Sportalm sowie für den Maschen-Spezialisten Georg Maier tätig. Norbert Lock hinterlässt seine Frau und zwei Kinder. In der Branche hinterlässt er eine große Lücke – als Macher und als Mensch.

24. April: Alber Elbaz

Alber Elbaz wurde 59 Jahre alt.
Alber Elbaz wurde 59 Jahre alt.
Alber Elbaz ist im Alter von 59 Jahren verstorben. Der Designer stand für elegante Mode mit einem Twist. Der Perfektionist, der das Perfekte scheute, machte Lanvin zur Top-Adresse. Bei seinem jüngsten Projekt AZ Factory dachte er alles neu. Produkt, Kommunikation und Vertrieb.

Er hat bis zum Schluss die Zukunft im Blick gehabt. AZ Factory taufte Alber Elbaz sein neues Projekt. Mit der Unterstützung des Genfer Luxuskonzerns Richemont entwarf der Designer Mode für das 21. Jahrhundert. Jung, spaßig, dabei trotzdem immer elegant. Sie verkaufte er nicht stationär, sondern direkt über das Internet. Über den Luxushändler Net-a-Porter und den Marktplatz Farfetch.

Elbaz, geboren in Casablanca als Sohn eines Israeli und einer Spanierin, war kein Konzeptkünstler, der das Vollkommene durchsetzen wollte, sondern hatte immer das Praktische im Blick. Er stand für einen femininen, tragbaren Look, der französische Eleganz und Finesse miteinander verband. Elbaz wuchs in Tel Aviv auf. Er besuchte das Shenkar College of Engineering and Design in Ramat Gan.

1989 zog er nach New York, entwarf sieben Jahre für Geoffrey Beene, bevor er 1997 Chefdesigner im Hause G. Laroche wurde. Danach war er bis 2000 verantwortlich für die Damenmodelinie von Yves Saint Laurent. Untrennbar verbunden ist der Name Elbaz mit Lanvin. Mit eleganten, femininen Entwürfen und Fashion-Shows mit karnevaleskem Unterhaltungswert verwandelte er Lanvin in eine der Top-Adressen in Paris.

6. Mai: Paul Van Doren

Vans-Gründer Paul Van Doren ist im Alter von 90 Jahren verstorben.
IMAGO / ZUMA Wire
Vans-Gründer Paul Van Doren ist im Alter von 90 Jahren verstorben.
Paul Van Doren, Gründer der auf Surf- und Skating spezialisierten, kalifornischen Schuh-Marke Vans, ist nur wenige Tage nach der Veröffentlichung seiner Memoiren im Alter von 90 Jahren verstorben.

"Schweren Herzens gibt Vans das Ableben unseres Mitbegründers Paul Van Doren bekannt", erklärte Vans auf Instagram. "Paul war nicht nur ein Unternehmer, er war ein Innovator. Die Van Doren Rubber Company war die Krönung eines Lebens voller Experimente und harter Arbeit. Pauls kühne Experimente in den Bereichen Produktdesign, Vertrieb und Marketing sowie sein Gespür für Zahlen und Effizienz machten aus einem Familienunternehmen für Schuhe eine weltweit anerkannte Marke." Die Todesursache wurde nicht bekannt gegeben.

1966 lancierten Van Doren, sein Bruder James und ihre Partner Gordon C. Lee und Serge Delia unter "The Van Doren Rubber Company" ihre eigene Footwear-Marke und eröffneten ihren ersten Store in Anaheim, Kalifornien. Van Dorens Kinder Steve und Cheryl, die zur Eröffnung des Stores in der Umgebung Flyer verteilten, arbeiten bis heute bei Vans. Steve als Vice President of Events and Promotions und Cheryl als Vice President of Human Resources. Auch zwei Enkel sind im Unternehmen beschäftigt.

Nach einigem Auf und Ab inklusive einem Konkurs im Jahr 1984 und dem Verkauf der Marke an McCown De Leeuw & Co. im Jahr 1989 ging Vans 2004 für 396 Mio. Dollar (325 Mio. Euro) an die VF Corporation. Mittlerweile hat das Label mit Fans wie Justin Bieber, Kanye West und dem Kardashian-Klan seinen Kult-Status zurückerobert und generiert einen Jahresumsatz von rund 2 Mrd. Dollar.

1.Juni: Flaminio Soncini

Flaminio Soncini war Wegbereiter der Camera Buyer Italia, einem der wichtigsten Einkaufsverbände Italiens.
CBI
Flaminio Soncini war Wegbereiter der Camera Buyer Italia, einem der wichtigsten Einkaufsverbände Italiens.
Am 22. Mai 2000 schlossen sich die wichtigsten Luxushändler Italiens zur heutigen Camera Buyer Italia (CBI) zusammen. Einer der Wegbereiter des Verbands war Flaminio Soncini, der mit seinem Laden Tony Magenta über die Landesgrenzen hinaus bekannt war. Im vergangenen Juni ist er gestorben, bis zuletzt war er Ehrenpräsident des Verbands. In der Einkäuferkammer haben sich die Top-Multibrand-Händler Italiens zusammengeschlossen. Soncini war einer der Wegbereiter von CBI und der erste Präsident. "Für Flaminio waren Geschlossenheit und Dialog das Fundament des persönlichen Wachstums", teilte CBI in einem Kommuniqué mit.

Seine Karriere als Modehändler begann 1972. Damals eröffnete Soncini in Magenta vor den Toren Mailands einen Modeladen. Im Design setzte er sofort ein Ausrufezeichen. In seinem Store auf der Via Pusterla waren die Wände schwarz lackiert, die Regale aus hellem Metall. 2008 eröffnete er auf 1000m² sein Flaggschiff Tony Magenta – und ergänzte das Sortiment um Kosmetik, Kulinarisches und Home-Accessoires. Stets nach seinem Lebens- und Arbeitsmotto: "Suchen, Wagen, Vorschlagen".

27. Juni: Bernd Stadtler

Bernd Stadtler war über 30 Jahre lang bei Hugo Boss tätig.
Bernd Stadtler war über 30 Jahre lang bei Hugo Boss tätig.
Es gibt in jeder Branche Koryphäen, die in einem Spezialgebiet über so tiefgreifende Kenntnisse verfügen, dass sie über ihr Unternehmen hinaus zu hochgeschätzten Experten und Gesprächspartnern werden. Bernd Stadtler war so einer. Seine gesamte berufliche Laufbahn hat er den Themen Zoll und Handelspolitik gewidmet. Nach einem Studium der Zollverwaltung an der Hochschule des Bundes und drei Jahren als Zollbeamter bei der Bundesfinanzverwaltung verschlug es ihn in die freie Wirtschaft, zunächst als Consultant Customs & Foreign Trade zu PriceWaterhouse, dann zu Hugo Boss. Über 30 Jahre lang hat er dort als Head of Customs gewirkt und den Metzinger Weltkonzern durch etliche handelspolitische Herausforderungen und Turbulenzen geführt.

Für Stadtler war der Job nicht nur ein Job, sondern eine Berufung. Zu den großen Herausforderungen der jüngsten Zeit gehörten zweifelsohne der Brexit und die damit verbundenen Handelsrestriktionen. Stadtler war ein Verfechter der freien Märkte. Noch vor wenigen Monaten sagte er in einem Interview: "Die Corona-Krise stellt die Wirtschaft vor große Herausforderungen – sie darf aber nicht als weiterer Antrieb für steigenden Protektionismus genutzt werden." Bernd Stadtler starb nach langer schwerer Krankheit im Alter von nur 56 Jahren. Er hinterlässt seine Ehefrau und seine beiden Kinder.

23. Juli: F.C. Gundlach

F.C. Gundlach wurde 95 Jahre alt.
Imago / Eventpress
F.C. Gundlach wurde 95 Jahre alt.
Er war der erste, der in den 60er Jahren ein professioneller Dienstleister für die Fotografen wurde, und er gründete 1975 eine der ersten deutschen Fotogalerien. Im vergangenen Juli ist der Fotograf und Sammler F.C. Gundlach im Alter von 95 Jahren gestorben. F. C. Gundlach hieß, als er 1926 in dem kleinen hessischen Dorf Heinebach an der Grenze zu Thüringen geboren wurde, "Franz Christian" Gundlach. Den Namen hat er nie benutzt. Er nannte sich immer "F. C. Gundlach". Rückblickend auf sein langes und erfolgreiches Leben sagt er, zu einer Karriere gehören immer drei Dinge: Talent, Fleiß und Disziplin und Fortune. Fortune heißt, den richtigen Menschen im richtigen Moment zu begegnen.

1951 ging er nach einem Trainee-Programm in Stuttgart nach Paris und wurde Assistent eines damals berühmten Fotografen namens Harry Meerson, ein Russe, der nach Paris emigriert war. Es folgten unzählige Engagements bei bedeutenden Zeitschriften wie Elegante Welt, Film und Frau, Brigitte und Stern. Gundlach lebte in Paris und New York, war Haus- und Hoffotograf der Lufthansa, kam so durch die ganze Welt und verknüpfte die Mode mit den exklusiven Möglichkeiten des Fliegens.

1975 gründetet er in Hamburg eine der ersten deutschen Fotogalerien. 90 Ausstellungen hat er von 1975 bis 1992 veranstaltet. In den Jahren 2003 bis 2005 gründete die Stadt Hamburg in den Deichtorhallen "Das Haus der Fotografie". Er wurde der Gründungsdirektor dieses neuen Museums. Den Grundstock für das Museum bildet seine Sammlung.

16. August: Kai Wünsche

Kai Wünsche wurde 81 Jahre alt.
Kai Wünsche wurde 81 Jahre alt.
Der ehemalige Modeunternehmer Kai Wünsche ist auf einer Kreuzfahrt über Bord gegangen und anschließend gestorben. Die Leiche des 81-Jährigen wurde am Strand von Terschelling bei Badweg-West angespült. Vermutet wird ein Selbstmord, es gab keine Hinweise auf eine Straftat. Wünsche war mit der MS Europa von Bordeaux nach Hamburg unterwegs. Nach der Passage der holländischen Insel Texel wurde der Hamburger als vermisst gemeldet.

Kai Wünsche war bis in die Nullerjahre hinein Chef des Familienkonzerns Wünsche AG gewesen, die 2002 Insolvenz anmelden musste. Nachdem die Sanierungsbemühungen gescheitert waren, mussten die Tochtermarken Joop!, Cinque, Jansen und Miles verkauft werden. Die Premium-Marke Joop! ging an die Holy Fashion Group, der textile Full-Service-Dienstleister Miles an die MPC Holding. Der Wäsche- und Strumpfhersteller Jansen wurde von der Bremer Nordfinanz Bank und dem Management übernommen. Kai Wünsche war ab 2006 als Immobilien-Unternehmer tätig.

September, Hans Müller

"Mit tiefer Betroffenheit, zugleich aber auch mit großer Dankbarkeit für sein Wirken gibt die Astor Mueller AG den Tod des Firmengründers Hans Müller bekannt. Er starb im Alter von 85 Jahren in Frankreich", teilte der Schweizer Schuhspezialist Astor Mueller (Bugatti, Daniel Hechter) im September in einer Pressemeldung mit. 1975 legte Hans Müller gemeinsam mit seiner Ehefrau Brigitta mit der Gründung der Astor Schuh- und Lederwarenagentur in Essen den Grundstein für das heutige Unternehmen. Wenige Jahre später zog die Agentur von Essen nach Rheinland-Pfalz um, heute sitzt Astor Mueller in der Schweiz.

Müller startete mit dem Agenturgeschäft in Italien und begann Anfang der 80er Jahre, Schuhe in Portugal fertigen zu lassen. Im Zuge dessen entstand auch die Marke AM Shoe Company. Ende der 80er Jahre legte der Unternehmer dann das Geschäft in die Hände seiner Söhne Oliver und Tim Müller. "Mit seinem Pioniergeist hat Hans Müller die Basis geschaffen, in der sich die Astor Mueller erfolgreich zu einem der führenden Schuhhersteller Europas weiterentwickeln konnte", heißt es aus der Schweiz weiter. "Er wird uns fehlen."

12. September: Klaus Kennel

Klaus Kennel war 50 Jahre Geschäftsführender Gesellschafter des Schuhunternehmens Kennel & Schmenger.
Kennel & Schmenger
Klaus Kennel war 50 Jahre Geschäftsführender Gesellschafter des Schuhunternehmens Kennel & Schmenger.
Kennel & Schmenger trauert um Klaus Kennel. Der Unternehmer und Schuhmacher ist im Alter von 83 Jahren am 12. September nach langer Krankheit am Tegernsee verstorben. Bis Ende 2011 war er als Geschäftsführender Gesellschafter im Unternehmen aktiv, insgesamt 50 Jahre lang. Schon im Kindesalter soll sich Klaus Kennel, Enkel von Firmengründer Fritz Kennel, der das Unternehmen 1918 gründete, für Schuhe und deren Produktion begeistert haben. Den Grundstein für sein späteres Unternehmertum legt er sodann an der Deutschen Schuhfachschule.

Aus seinen diversen Ehrenämtern hatte sich der mehrfach geehrte Klaus Kennel aus gesundheitlichen Gründen zuletzt zurückgezogen. Sein letztes Jahrzehnt verbrachte er mit seiner Frau, seiner Tochter Ina und engsten Vertrauten dort, wo er sich am wohlsten fühlte: in Bad Wiessee am Tegernsee. Dieses Stückchen Erde mit seiner herrlichen Landschaft war ihm zur zweiten Heimat geworden.

14. September: Roberto Compagno

Roberto Compagno war der Erfinder von Slowear.
Slowear
Roberto Compagno war der Erfinder von Slowear.
Die italienische Mode trauert um Roberto Compagno. Der CEO von Slowear starb nach kurzer schwerer Krankheit. Der Sohn von Carlo Compagno, der die Hosenfabrik Industrie Confezioni Tessili gegründet und später das Label Incotex lanciert hatte, wurde 62 Jahre alt. Roberto Compagno gehörte zu den Vordenkern. Der Fast Fashion-Industrie setzte er 2003 sein Slowear-Konzept entgegen, das die Mode nicht als Konsum-, sondern als Kulturgut begriff. Statt wie viele andere einen Produktspezialisten in einen Total Look-Anbieter zu verwandeln, versammelte er unter dem Dach von Slowear mit Incotex, Glanshirt, Montedoro und Zanone vier Produktspezialisten, mit der er eine komplette Garderobe abbildete.

Er war nicht nur Industrieller, sondern auch Händler. Er eröffnete mehr als 30 Slowear-Läden, unter anderem in München und in Hamburg. Dank der vier Slowear-Labels ähnelten sie Multibrand-Stores. Festes Element war eine Bibliothek. Denn Compagno war ein Fan des gedruckten Worts. Er brachte ein Kundenmagazin heraus, das nach dem Vorbild von The Monocle die Leser in die Metropolen der Welt entführte und ihnen die schönsten Ecken und besten Restaurants näher brachte.

27. Oktober: Ciro Paone

Kiton-Gründer Ciro Paone ist 88 Jahre alt geworden.
Kiton
Kiton-Gründer Ciro Paone ist 88 Jahre alt geworden.
Die italienische Modebranche trauert um Ciro Paone. Der Gründer der Luxusmarke Kiton starb in seinem Haus in Neapel. Er wurde 88 Jahre alt. Paone formte über Jahrzehnte aus einer Herrenschneiderei in Arzano, einem Vorort Neapels, eine Weltmarke, die sinnbildlich für italienische Eleganz steht und heute 750 Mitarbeiter beschäftigt und mit 50 eigenen Läden auf dem gesamten Erdball vertreten ist. 1999 wurde ihm für sein Lebenswerk von Italiens Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi der Ehrentitel Ritter der Arbeit verliehen.

Der Unternehmer war ein Verfechter der Handarbeit, der sich der ab den 60er Jahren immer weiter fortschreitenden Industrialisierung in der Mode widersetzte. Paone verstand seine Kunden. Er war der Meinung, dass es unter den vielen Frauen und Männern stets einen kleinen Kreis an "Philosophen der absoluten Eleganz" gibt, die auf die Qualität der Stoffe achten und Gefallen an Details wie der Form eines Schulterpolsters finden. "Ciro Paone war ein Mann, ein Vater, ein Visionär und eine Legende", teilte Kiton mit. "Mit ihm verliert die italienische Mode einen ihrer wichtigen Protagonisten."

19. November: Horst-Arno Gülcher

Clevere Unternehmensführung. Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen. Gute Kundenkenntnis und eine glückliche Hand bei der Zusammenstellung modischer Sortimente. Horst-Arno Gülcher, geschäftsführender Gesellschafter der Steffi-Moden H.A. Gülcher GmbH in Hamburg, verfügte über diese Talente. Damit gelang es ihm, das 1919 in Lüneburg von seinen Eltern gegründete Herrenmodegeschäft nicht nur fortzuführen, sondern auch erheblich zu vergrößern und jahrzehntelang erfolgreich durch alle zeitgeistigen Strömungen zu steuern. 1952 übernahm er das Geschäft von seinem verstorbenen Vater und erkannte bereits Mitte der 50er Jahre das Potenzial von Sylt als künftig boomendem Ferienort und Spielplatz von Schönen und Reichen.

Das Bewährte bewahren, Trends erkennen und offen für Neues sein, waren seine Grundsätze. Als einer der ersten in Deutschland erkannte er beispielsweise den Wert von Kundenbeziehungen und führte schon in den 60ern eine Kundenkarte ein. Neben dem Geschäft in Westerland betrieb Familie Gülcher, seine Frau Uschi arbeitete ebenso im Unternehmen wie später auch sein Sohn Horst-Axel, in den 90er Jahren zehn Filialen in Hamburg. Sie wurden nach und nach geschlossen. Heute betreibt Horst-Axel Gülcher noch den etwa 300m² großen Laden an der Friedrichstraße auf Sylt. Sein Vater Horst-Arno Gülcher starb am 19. November im Alter von 92 Jahren.

28. November: Virgil Abloh

Virgil Abloh ist mit nur 41 Jahren an Krebs gestorben.
LVMH
Virgil Abloh ist mit nur 41 Jahren an Krebs gestorben.
Es war ein Schock für die Modewelt. Der Designer Virgil Abloh, der die Streetwear im Luxusgenre hoffähig machte, ist gestorben. Er erlag einem Krebsleiden. Der Amerikaner wurde gerade einmal 41 Jahre alt. Abloh war einer der einflussreichsten Kreativen seiner Generation. Der studierte Architekt erfand das Label Off-White, das die Kodizes der Streetwear in die Luxuswelt einführte. Der Ritterschlag folgte prompt, als der weltgrößte Luxuskonzern LVMH dem Amerikaner die Menswear seiner wichtigsten Marke Louis Vuitton anvertraute.

"Uns alle hat diese schreckliche Nachricht schockiert. Virgil war nicht nur ein genialer Designer und ein Visionär. Er war auch ein Mann mit einer schönen Seele und von großer Weisheit", teilte LVMH-CEO Bernard Arnault mit. Abloh wurde von einigen Beobachtern mit Karl Lagerfeld verglichen. Wie der deutsche Designer, der für Chanel und Fendi gearbeitet hatte, überschritt auch Abloh Grenzen und ließ sich auf nichts festlegen. Er war ein DJ. Er wagte sich an Möbel, Geschirr und Autos. Nicht umsonst hatte ihm LVMH vor kurzem eine neue, umfassendere Rolle gegeben.

Beliebtestes Arbeitsmittel von Abloh war das Zitat. Statt komplett Neues zu erfinden, spielte er mit dem Bekannten. Er verschob es leicht, sodass es auf einmal komplett anders erschien. In einem Vortrag nannte er das die "3%-Regel". Daher fühlten sich einige Beobachter an die Konzeptkünstler Andy Warhol und Marcel Duchamp erinnert. Sein Debüt bei Louis Vuitton hatte Virgil Abloh im Juni 2018 mit einer Schau in Paris gefeiert. Im Juni dieses Jahres hatte Abloh noch seine jüngste Menswear-Kollektion für Louis Vuitton präsentiert.

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