Russland-Ukraine-Krise

Order gut – alles gut?

Imago / ITAR-TASS
Der Moskauer Department-Store Tsum sieht glänzend aus. Trügt der Schein?
Der Moskauer Department-Store Tsum sieht glänzend aus. Trügt der Schein?

Russland ist für die deutsche Bekleidungsindustrie ein wichtiges Exportland. Sanktionen der EU könnten die Geschäfte belasten. Derzeit freuen sich deutsche Lieferanten aber noch über eine gute Order – und warten erstmal ab.

Während sich schon seit Wochen der Konflikt zwischen Russland und der Ukaine zur Krise hochschaukelt, berichtet die deutsche Bekleidungsbranche von einer guten bis sehr guten Order. "Viele russische und ukrainische Kunden sind nach Düsseldorf gekommen", berichtet der Verband German Fashion. "Es herrscht noch Business as usual", sagt Hauptgeschäftsführer Thomas Lange.


Das bestätigt auch Ulli Ehrlich, Chefin des österreichischen Ski- und Modeanbieters Sportalm, im TW-Kurzinterview. Russische Händler befinden sich gerade mitten in der Orderrunde. In Moskau läuft in dieser Woche noch bis Donnerstag die Messe CPM, auf der auch viele deutsche Brands ausstellen.

Auch bei Bugatti aus Herford ist das Jahr mit den russischen Kunden gut angelaufen. Das Unternehmen hat eine Exportquote von rund 50%, nach Italien und Österreich ist Russland der drittstärkste Auslandsmarkt. 200 Kunden beliefert Bugatti dort. "Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen und haben hier überdurchschnittliche Erfolge verzeichnet", sagt Bugatti-Exportleiter Viktor Schneider. Das gelte sowohl für den Wholesale als auch die Expansion im Retail.

Doch wie bereitet sich die Branche auf etwaige Sanktionen vor? Immerhin hat die Bundesregierung gerade die umstrittene Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 vorerst auf Eis gelegt. Weitere Wirtschaftssanktionen, die auch die Bekleidungsbranche betreffen würden, könnten folgen. "Derzeit bereiten wir uns noch nicht wirklich vor", berichtet Lange von German Fashion. "Wir warten ab." Schneider bestätigt: "Natürlich schauen alle besorgt auf die weitere Entwicklung, aber aktuell verzeichnen wir eine gute Auftragslage." Wie es jetzt möglicherweise weitergehe, dazu will der Export-Profi keine Prognose abgeben. "Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt nur Spekulation". Der Tenor ist: Die Branche sei in Bezug auf Russland krisenerprobt. Zum Beispiel mit der Krim-Krise 2014.

Die dadurch bedingten Wechselkursturbulenzen des Rubels erschweren die Lage immer wieder. Im September 2020, im ersten Jahr der Corona-Pandemie, kostete ein Euro plötzlich 93,16 Rubel, womit die russische Währung ein Allzeittief gegenüber dem Euro markierte. Damals war die offensichtliche Vergiftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny mit dem sowjetischen Kampfstoff Nowitschok auf russischem Boden ein belastender Faktor für den Rubel. Ebenso die damalige Schützenhilfe Russlands für den belarussischen Potentaten Alexander Lukaschenko.

Heute, knapp anderthalb Jahre später, kostete ein Euro im Tagesverlauf wieder mehr als 91 Rubel. Die Währung näherte sich damit am Tag nach Wladimir Putins offensichtlicher Kriegserklärung gegen die Ukraine ihrem Allzeittief an. Je schwächer der Rubelkurs, desto teurer wird's für russische Händler: Sie müssen dann mehr Rubel aufwenden, um Importware aus Europa zu bezahlen - ein neuralgischer Punkt in ihrem Geschäft. Auch wenn viele deutsche Lieferanten auf Vorkasse setzen, schmälert es ihr Geschäft, wenn das Orderbudget russischer Händler wechselkursbedingt schrumpft.
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Während die meisten anderen großen Online-Modehändler 2020 von der Corona-Krise mehr oder weniger profitierten, legte die Otto Group-Tochter im Geschäftsjahr 2020/21 (28. Februar) nur um 1,4% zu. Hauptgründe sind der Corona-Schock vor einem Jahr sowie Umsatzrückgänge in den USA und Russland. Positiv entwickelte sich hingegen das Geschäft in West- und Osteuropa, vor allem in Ungarn und Italien.

"Die instabile politische Situation hat den Rubelkurs bereits sehr stark belastet und auch bei uns zu einer zurückhaltenden Geschäftspolitik geführt", sagte ein Sprecher der Otto Group. "Bei einem weiteren Abfall des Rubelkurses oder erschwerten Waren- oder Finanzflüssen werden wir die Zukunftsfähigkeit unseres Geschäfts in Russland neu bewerten."

Die Russische Föderation ist laut German Fashion für einige deutsche Bekleidungsfirmen noch immer wichtiges Exportland. Im ersten Halbjahr 2021 lieferten deutsche Unternehmen Mode im Wert von 183,8 Mio. Euro in das flächenmäßig größte Land der Welt - und damit 3,5% mehr als zwölf Monate zuvor. Damit landete Russland auf Platz 13 der wichtigsten Exportländer. In den vergangenen zehn Jahren ist die Bedeutung Russlands als Exportmarkt allerdings stark gesunken. 2012 war die Föderation noch der siebtwichtigste Absatzmarkt für deutsche Bekleidungsfirmen mit einem Volumen von 724,4 Mio. Euro.

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