Saisonverschiebung

Schellenbergers Idee: Textiles Bündnis 45

Schera GmbH
Ralf Schellenberger: "Verschieben wir doch alle geplanten Dinge um 45 Tage nach hinten."
Ralf Schellenberger: "Verschieben wir doch alle geplanten Dinge um 45 Tage nach hinten."

Was geschieht nach dem Shutdown? Was passiert in Handel und Industrie am Tag Eins, wenn das Business sich wieder in Bewegung setzt? Wie lassen sich reguläre Sommerumsätze retten, wie Sortimente für den Herbst effektiv planen? Dazu gibt es etlichen Szenarien und unterschiedlichste Vorschläge.

Eine weitere Idee stellt jetzt Ralf Schellenberger zur Diskussion. Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Schera GmbH, Großwallstadt, in den vergangenen Jahren expansiv im Damenmode-Markt zugange mit den beiden Labels Raffaello Rossi und Seductive. Nach vielen Gesprächen mit Kollegen und Kunden möchte er der Branche eine Lösung vorschlagen, die Handel wie Industrie gerecht werden soll: „Textiles Bündnis 45”.

TextilWirtschaft:
Herr Schellenberger, was ist der Ansatz für Ihr Konzept „Textiles Bündnis 45”?
Ralf Schellenberger: Viele Ideen gehen durchaus in die richtige Richtung wie zum Beispiel der Vorstoß von Norbert Gresch oder auch andere Initiativen. Aber es könnte schwierig werden, damit alle Marktsegmente unter einen Hut zu bringen, denn beispielsweise Premium- und Mainstream-Häuser arbeiten zum Teil doch in sehr unterschiedlichen Zeitfenstern. Deshalb habe ich mir etwas sehr Einfaches überlegt, das für alle im Markt anwendbar ist.

Wie lautet Ihre Grundidee?
Am 18. März wurden die Läden geschlossen und wir müssen davon ausgehen, dass sie bis Ende April geschlossen bleiben. Das entspricht 45 Tagen. Diese 45 Tage Stillstand der Branche streichen wir einfach aus dem Kalender heraus, als seien sie nicht gewesen. Dann würde der erste Öffnungstag, nehmen wir an, es sei der 2. Mai, eigentlich dem 19. März entsprechen. Und die Branche würde sich daraufhin in allen Bereichen demgemäß verhalten.

Können Sie das konkretisieren?
Die Hersteller würden ihren Kunden 45 Tage Valuta gewähren und ihren Lieferstart für Herbst/Winter um 45 Tage nach hinten verschieben. Aber eben nicht kategorisch auf einen fixen Termin hin, sondern jeder Hersteller in seinem Timing, so dass ein Premium-Lieferant womöglich Anfang Juli anstatt Mitte Mai zu liefern beginnt, und ein Mainstream-Lieferant erst Mitte August in den Herbst startet anstelle von Anfang Juli. Premium und Luxus liefern weiterhin als erste – trotzdem saisongerecht. In jedem Fall würde sich so der Verkaufszeitraum der Sommerware in den kalendarischen Sommer hinein verlängern.

Für den Handel wiederum bedeutet es, alle geplanten Werbe- und vor allem Rabattaktionen 45 Tage nach hinten zu schieben. Die Endverbraucher, längst noch nicht komplett mit neuer Sommerkleidung ausgestattet, wären nach dem langen "Modeentzug" auch offen für reguläre Ware.

Und wenn währenddessen große Filialisten mit Sale starten? 
Sicher, man müsste auch bei den Großen anfragen. Doch wenn das Gros in unserer überschaubaren Branche mitmacht, könnte diese klare, simple Lösung allen gerecht werden. Auch mit Blick auf Frühjahr/Sommer 2021. Da ja auch die Beschaffungskette unterbrochen ist, können die Designteams ihre Entwicklungen ebenfalls nicht wie geplant vorantreiben.

So könnten die gelernten, doch viel zu frühen Liefertermine für Frühjahr '21 auch 45 Tage nach hinten verlegt werden – wie möglicherweise die Messetermine neu gedacht werden können. Der CPD-Termin wäre als Saisonstart in Berlin ein guter Termin. Düsseldorf könnte dann zwei Wochen nach hinten rücken.
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