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Scheidender C&A-CEO Alain Caparros

„Es ist mir sehr schwer gefallen“

Michael Dannenmann
Alain Caparros zieht sich aus gesundheitlichen Gründen aus der C&A-Spitze zurück. "Es ist mir sehr schwer gefallen. Ich war mit Leib und Seele bei C&A eingetaucht und bin das Thema mit viel Leidenschaft angegangen", sagt der Top-Manager im TW-Gespräch.
Alain Caparros zieht sich aus gesundheitlichen Gründen aus der C&A-Spitze zurück. "Es ist mir sehr schwer gefallen. Ich war mit Leib und Seele bei C&A eingetaucht und bin das Thema mit viel Leidenschaft angegangen", sagt der Top-Manager im TW-Gespräch.

Alain Caparros (62) ist kein Manager, der sich von anderen gern etwas sagen lässt. „Aber diesmal musste ich auf meinen Arzt hören“, sagte der bisherige Chef der Modehandelskette C&A Europe jetzt zu seinem überraschenden Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen. Diesen Rückzug hatte er in der vergangenen Woche verkündet.



Sein Nachfolger ist ein Mitglied der Inhaberfamilie: Edward Brenninkmeijer, seit 2014 CEO von C&A Brasilien, Mexiko und China, wird das Europageschäft zusätzlich übernehmen, teilt das Unternehmen mit. Caparros stand seit August 2017 an der Spitze von C&A. Die Personalie war damals eine Überraschung. Zum ersten Mal wurde ein so hoher Posten im Konzern einem familienfremden Manager übertragen. Bei seinem Amtsantritt steckte C&A Europa mitten in der Neuorientierung.

Über den neuen Europa-Chef Edward Brenninkmeijer ist wenig bekannt. Er werde von einem erfahrenen Führungsteam unterstützt, teilt das Unternehmen mit. Dazu gehören unter anderem Mohamed Bouyaala, Deutschland-Chef und Europa-COO, sowie der weitere Europa-COO Tjeerd van der Zee, der zugleich Finanzchef ist.

TextilWirtschaft: Herr Caparros, vorab eine persönliche Frage: Wie geht es Ihnen zurzeit?

Alain Caparros: Nun ja, wie Sie wissen, hatte ich im vergangenen Jahr einen Herzinfarkt. Danach habe ich mich sehr schnell wieder an die Arbeit gemacht und leider feststellen müssen, dass ich Zeit und Ruhe brauche, um mich wieder vollständig zu erholen.


Wie schwer ist Ihnen der Entschluss gefallen, C&A zu verlassen?
Es ist mir sehr schwer gefallen. Ich war mit Leib und Seele bei C&A eingetaucht und bin das Thema mit viel Leidenschaft angegangen. Gerne hätte ich das Team noch durch die nächsten Saisons geführt, um auch die initiierten Maßnahmen weiter begleiten zu können. Aber diesmal musste ich auf meinen Arzt hören.

Großer Umbau bei C&A: Die Pläne von Alain Caparros 2018 im TW-Interview

Das aus ausführliche TW-Interview mit Alain Caparros aus dem Jahr 2018: Jetzt im E-Paper lesen


Stichwort „initiierte Maßnahmen“: Könnten Sie die aus Ihrer Sicht wichtigsten Schritte kurz zusammenfassen?
Gemeinsam ist es uns gelungen, weitere wichtige Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens zu stellen. Wir konnten unsere Marktanteile in vielen europäischen Ländern erhöhen und sind insbesondere online stark gewachsen. Durch gezielte Produktinnovationen stehen wir mehr denn je für nachhaltige Produktion und Mode. Hinzu kommen neue Partnerschaften mit bekannten Marken, um unser Portfolio abzurunden, wie zum Beispiel unsere Kooperationen mit Mustang, Butlers und Deiters. Die Ergebnisse sind vielversprechend, gerade im Hinblick auf die Weiterentwicklung in den kommenden Jahren. Ganz wichtig natürlich auch unsere Initiativen zur Schärfung unserer Preisposition. Hiermit sind wir ganz bewusst preisagressiver geworden.


Welche Projekte würden Sie besonders hervorheben, wenn Sie auf Ihre Amtszeit zurückblicken? Sie wollten die Marke zum Beispiel wieder „sexy“ machen.
Viele unserer Maßnahmen hatten das Ziel, die Besucherfrequenz in den Filialen zu erhöhen. Und das ist uns nachhaltig gelungen. Wir haben viele Kunden hinzugewonnen, die mit jedem Besuch bei C&A mehr Teile als zuvor einkaufen, und dies durch modischere Kollektionen und ein nochmals verbessertes Preis-Leistungs-Angebot. Parallel dazu haben wir es geschafft, die Marke C&A vorsichtig zu verändern und jünger und frecher zu gestalten. Die neuen TV-Spots transportieren die Frische und Dynamik der Marke.


Gab es Momente oder Begegnungen, die beispielhaft für Ihre C&A-Zeit stehen?
Ich habe es jeden Tag als besondere Ehre empfunden, ein Teil der C&A-Familie sein zu dürfen. Als besonderen persönlichen Moment würde ich das vergangene Jahresende hervorheben. In einer gesundheitlich schwierigen Phase bin ich großartig unterstützt worden.


Wie weit sind Sie in den knapp zwei Jahren mit der Transformation des Unternehmens gekommen?
Der Veränderungsprozess war schon vor meinem Start in Gang gesetzt worden. C&A ist heute effizienter strukturiert, dezentraler und schlagkräftiger aufgestellt und insgesamt frecher und klarer in seiner Kommunikation. C&A ist ein großartiges Unternehmen, dessen Potenzial auch nach 178 Jahren noch lange nicht ausgeschöpft ist. Um dieses Potenzial auszunutzen, muss sich das Unternehmen auch zukünftig weiterhin verändern. Das hat es unter meinem Vorgänger getan, das hat es unter mir getan und das wird es auch unter meinem Nachfolger tun.




Abschließend ein Blick in die von Ihnen erwähnte Zukunft: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen des Modehandels in den kommenden Jahren?
Wir müssen uns weiter in Richtung eines modernen Omni-Channel-Retailers entwickeln. Vor dieser Herausforderung steht im Prinzip die gesamte Branche. Natürlich hängt der Erfolg der Filialen auch von der Attraktivität der Innenstädte ab. Hier muss sicherlich noch einiges getan werden. Und wer wie C&A als nachhaltiges Modeunternehmen die Zukunft gestalten möchte, braucht kluge und kreative Köpfe in seinen Reihen. Eine besonders große Herausforderung sehe ich deshalb auch im Kampf um die besten Talente, der weiter an Bedeutung gewinnen wird.
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