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8 schnelle Hilfen in der Krise

So sichern Sie Ihre Liquidität

imago images / Noah Wedel
Sparkassen-Filiale in Bünde
Sparkassen-Filiale in Bünde

Es ist so ähnlich wie während der Finanzkrise, als Angela Merkel sagte: „Ihre Einlagen sind sicher.“ Oder als der ehemalige EZB-Präsident Mario Draghi den Euro rettete, indem er beteuerte, die EZB werde alles dafür tun: „Koste es, was es wolle.“ Nun haben Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesfinanzminister Olaf Scholz deutschen Unternehmen Liquiditätshilfen während der Corona-Krise zugesichert – in unbegrenzter Höhe.

„Da müssen wir einfach helfen, egal, ob es eine Milliarde mehr oder weniger kostet“, sagte Altmaier bei „Hart, aber fair“. Doch wie kommen Unternehmen an die Kredite? Und wie schnell können Händler, für die die Lage aufgrund der Ladenschließungen existenzbedrohend ist, neue Mittel bekommen, um zahlungsfähig zu bleiben?

1. Überbrückungskredite über die Hausbank

Die Unternehmen können die von der Bundesregierung zugesagten Liquiditätskredite über ihre Hausbank bei der KfW beantragen. „Es handelt sich bei den KfW-Darlehen überwiegend um bereits bestehende Programme, für die der Bund u.a. Ausfallbürgschaften in Höhe von 80% übernimmt“, sagt Markus Fong, Teamleiter Corporate Finance Advisory bei der Onlineplattform für Mittelstandsfinanzierung Compeon. 20% können bei der Bank hängen bleiben.

„Die Förderkredite der Landesbanken sind für Unternehmer eine Möglichkeit, jetzt an Geldmittel zu gelangen. Sie sind natürlich keine Geldgeschenke. Unternehmer sollten beachten, dass sie die Kredite ablösen müssen – zu meist günstigen Konditionen“, so Fong.

Allerdings kann bei diesen Programmen die Schnelligkeit verloren gehen. „Wir wissen aus unseren täglichen Gesprächen mit der KfW und den Unternehmen, dass dieser Prozess naturgemäß einige Zeit dauert“, so Fong. Das stelle gerade kleine und mittelgroße Unternehmen vor große Herausforderungen, die nicht über das nötige finanzielle Polster verfügten. „Um noch zielgerichteter Unterstützung zu leisten, arbeiten Förderbanken wie die KfW aktuell mit Hochdruck an neuen Förderprogrammen“.

Fong rät Mittelständlern, die das nutzen wollen, vor dem Bankgespräch einen Liquiditätsplan mindestens für sechs Monate aufzustellen. „Jeder sollte für sich das Worst Case-Szenario skizzieren.“

2. Soforthilfen - wie in Bayern

Peter Frank von der Handelsberatung BBE empfiehlt kleinen Unternehmen, von den Soforthilfen Gebrauch zu machen, die einige Bundesländer gerade bereitstellen. In Bayern etwa können Firmen, die wegen der Corona-Krise in Finanznöte geraten, solche Mittel beantragen, wie Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sagte. Notleidende Betriebe sollen unbürokratisch und sehr kurzfristig 5000 Euro bis 30.000 Euro bekommen, je nach Größe bzw. Mitarbeiterzahl. „Das hat auch bei der Flutkatastrophe vor ein paar Jahren gut geklappt“, sagt Frank.

Diese Gelder müssen – anders als die Überbrückungskredite, die über die Hausbanken beantragt werden – nicht zurückgezahlt werden. Auch in Berlin wird bereits darüber beraten. Bundeswirtschaftsminister Altmaier will nächste Woche darüber entscheiden. Auf EU-Ebene hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigt, mit einem Hilfsfonds über 25 Mrd. Euro anfällige Branchen zu stützen, um die konjunkturellen Folgen der Epidemie abzumildern.
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3. Warenlieferungen stornieren

Um den Betrieb während starker Umsatzeinbußen am Laufen zu halten, sollten Firmen auch die Kosten schnell senken. „Unternehmen sollten Warenlieferungen so schnell wie möglich stornieren“, so Frank von der BBE. Modehändler könnten darüber hinaus evtl. von der Möglichkeit des Warenaustauschs Gebrauch machen und statt georderter April-Ware schon die Mai-Ware bestellen.

4. Lieferantenkredite

„Viele Lieferanten werden sich vermutlich bereiterklären, bereits georderte Ware zu stornieren“, so Frank. „Sie müssen wohl oder über mitspielen.“ Auch der Lieferantenkredit mit längeren Zahlungszielen gehört hierzu. Marc O‘Polo habe von sich aus allen Kunden 60 Tage angeboten.

5. Tilgungsaussetzung von Darlehen

Alexander Kipp von Fashionconsult schlägt Firmen dringend vor, das Kostenthema anzugehen. Unternehmer sollten alle Abbuchungsaufträge in den Buchungsblättern durchgehen und überlegen, wie sie Stundungs- oder Reduzierungsvereinbarungen erreichen können. Schnellen Erfolg verspreche, bei dem Bankberater eine Tilgungsaussetzung der laufenden Kredite zu beantragen. „Bis zu einem Zeitraum von fünf Monaten darf das der Firmenkundenbetreuer meist selbst entscheiden“, so Kipp.

6. Mietreduzierungen

Es sei ratsam, sofort mit dem Vermieter über mögliche Mietstundungen oder besser noch Mietreduzierungen zu sprechen. Das Modehaus Ebbers in Warendorf habe für drei Monate die Miete um die Hälfte reduzieren können.

7. Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen

Fashionconsult rät allen Händlern außerdem, bei den Krankenkassen um eine Stundung der Sozialversicherungsbeiträge zu bitten, bis die Agentur für Arbeit das Kurzarbeitergeld genehmigt hat. Geschäftsführer Leo Faltmann weist darauf hin, dass das Sepa-Lastschriftmandant gekündigt werden sollte - aber erst dann, wenn die Krankenkasse dem Antrag stattgegeben hat. "Das lohnt sich, da es sich bei den Sozialversicherungsbeiträgen um einen großen Posten handelt, mit dem schnell Liquidität freigesetzt werden kann."

8. Stundung von Steuerzahlungen

Beim Kostenreduzieren hilft auch das Angebot des Bundes, Steuerzahlungen zu stunden und Vorauszahlungen zu senken. „Das wird vielen kleinen Unternehmen schon eine Erleichterung bringen“, glaubt Frank. Beim Bundeswirtschaftsministerium heißt es: "Die Gewährung von Stundungen wird erleichtert. Die Finanzbehörden können Steuern stunden, wenn die Einziehung eine erhebliche Härte darstellen würde. Die Finanzverwaltung wird angewiesen, dabei keine strengen Anforderungen zu stellen." Außerdem können Vorauszahlungen  leichter angepasst werden. "Sobald klar ist, dass die Einkünfte der Steuerpflichtigen im laufenden Jahr voraussichtlich geringer sein werden, werden die Steuervorauszahlungen unkompliziert und schnell herabgesetzt", so das Ministerium.

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