Schreiben an die Politik

Fashion Council Germany fordert Nothilfemaßnahmen für die Modebranche

Fashion Council Germany
Der Fashion Council Germany appelliert an die Regierung
Der Fashion Council Germany appelliert an die Regierung

Immer mehr Verbände und Unternehmen wenden sich an die Bundesregierung, um Forderungen der Modebranche zu Nothilfemaßnahmen in der Corona-Krise zu äußern. Nun hat auch der Fashion Council Germany (FCG) ein Schreiben verfasst.

Mit "Forderungen der deutschen Modebranche zu Nothilfemaßnahmen zur Abwendung tiefgreifender struktureller Schäden in Folge der Vorsichtsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus" hat sich der Fashion Council Germany an die Politik gewandt. Das Dokument wurde dem Bundeskanzleramt, dem Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministerium vorgelegt.


Darin schließt sich der FCG eigenen Angaben zufolge den Stimmen anderer Branchenverbände und Markengruppierungen an. Die Mitgliederstruktur des FCG setzt sich aus herstellenden und vertreibenden Mode-, Einzelhandels- und Zuliefererunternehmen, Messeveranstaltern und Verlagshäusern zusammen. In der aktuellen Krise will sich der Verbund laut Mitteilung insbesondere der Unterstützung von Jungdesignern und kleinen Unternehmen widmen.

Der FCG schätzt, dass sich die Folgen der Corona-Krise für die Modeindustrie auf Beschäftigungsniveau und Wirtschaftsleistung insbesondere der kleineren Unternehmen auswirken werden. "Eine nicht mehr abwendbare Insolvenzwelle unvorstellbaren Ausmaßes steht der Branche bevor. Und dem gilt es, mit vereinten Kräften entgegen zu wirken", schreibt der FCG. Die etlichen Teilbranchen der Modewelt erfordern demnach eine kollektive Tragweite der staatlichen Unterstützung. Dafür schlägt der Verbund in Form einer Analyse mögliche Branchenmaßnahmen für die Modeindustrie vor.

Aus Sicht des FCG bedarf es eine Ergänzung und Verlängerung folgender Maßnahmen:

  • Die bereits gelockerte Möglichkeit der Kurzarbeit, um Arbeitsplätze zu erhalten
  • Direktzuschüsse für Unternehmen, Kleinunternehmer und Solo-Selbstständige. Dies sollte nach Ansicht des FCG auch für Unternehmen gelten, die seit weniger als drei Jahren existieren. "Eine Erhöhung bzw. Verlängerung der Direktzuschüsse sollte als Branchenunterstützung geplant werden" heißt es.
  • Flexible zinslose Bürgschaften und Finanzierungsmodelle unterstützen die Branche laut FCG, um Projekte und Produktionen nicht zu gefährden. "Eine Erhöhung der Zahlungsziele an den Einzelhandel würde dabei beispielsweise eine deutliche Entlastung mit sich führen", schreibt der FCG. Demnach sollte diese durch Bürgschaften und ähnliche Instrumente gesichert werden. Möglicherweise sei dies auch eine Maßnahme, um frühzeitigen Rabattaktionen entgegenzuwirken.
  • Bürgschaften und weitere Instrumente zur Vorfinanzierung der Produktion
  • Steuerliche Anreize für die Produktion in Deutschland "Made in Germany"
  • Kurzfristige Bewilligung von Steuerstundungen
  • Senkung der Steuer- und Sozialversicherungsbelastung, um Personalkosten zu reduzieren und Unternehmen zusätzlich zu unterstützen
  • Aussetzung bzw. Stundung von Mietzahungen
  • staatliche Instrumente zur Förderng der wirtschaftlichen Situation sollten einheitlich und transparent zugänglich gemacht werden
  • Beschleunigte bzw. einfache Zahlungsmodalitäten der öffentlichen Gelder sollten in Kraft treten, um schnelle und unbürokratische Auszahlung der zugesagten Finanzmittel zu gewährleisten
  • Fristen zur Einreichung der Jahresabschlüsse und Steuererklärungen sollten gelockert werden
  • Herabsetzung der Abschläge für die Künstlersozialkasse
  • Mode- und Textilmessen bzw. Standorte sollten durch finanzielle Unterstützung Facheinkäufer und Medien aktivieren können
  • Nach Bewältigung der direkten und unmittelbaren Kristensituation sollten Bund und Länder zusätzlich neue Förderprogramme zur Vermarktung und Promotion der deutschen Mode- und Textilindustrie erhalten. FCG denkt etwa an flexible Markterschließungsprogramme sowie neue Präsentations- und Promotionsformate

Darüber hinaus stellt der FCG folgende Themen zur Diskussion:

  • Welche Wertigkeit hat die Modebranche auf die deutsche Volkswirtschaft?
  • Sind gelernte Saison-Rhythmen und Auslieferungsfenster zeitgemäß?
  • Wie lassen sich Rabattschlachten im Sinne der Branche positiv beeinflussen?
  • Welche Relevanz sollte "Made in Germany" künftig einnehmen?
Die Bundesregierung wurde bereits von diversen Branchenvertretern und Verbänden kontaktiert. Darunter etwa die Initiative „Händler helfen Händlern“, die Verbände HDE, BTE,  GermanFashion, Gesamttextil und HDS/L sowie Discounter: Takko, Kik, Tedi und Woolworth. Auch der Gesamtbetriebsrat des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof hat sich offenbar mit einem Brief direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt.
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