Schuhhändler setzt auf eigene Energie und solidarische Maßnahmen

Schuhplus: "Grenzschließungen sind der Todesstoß für E-Commerce"

Schuhplus
Georg Mahn (li.) und Kay Zimmer von Schuhplus wollen ältere und kranke Menschen in Dörverden unterstützen.
Georg Mahn (li.) und Kay Zimmer von Schuhplus wollen ältere und kranke Menschen in Dörverden unterstützen.

Schuhplus, ein Spezialist für Schuhe in Übergrößen, ist von jeher kreativ, was Events und Social Media angeht. Das Unternehmen, das seine drei stationären Läden in Dörverden, Saterland und Kaltenkirchen schließen musste, führt das Geschäft nun ausschließlich über den Online-Shop fort. Wie berichtet, wollen die beiden Macher Kay Zimmer und Georg Mahn für jede eingegangene Bestellung 5 Euro an das Robert-Koch-Institut spenden.

Am Donnerstag waren die beiden erneut auf Instagram zu sehen. Sie bieten an ihrem Stammsitz in Dörverden an, älteren und erkrankten Menschen zu helfen und für sie einkaufen zu gehen. Dafür haben sie eine Bestell-Hotline eingerichtet. "Bei unserem Nachbarn Netto besorgen wir alles und liefern tagesaktuell aus", so Mahn. Zimmer ergänzt: "Wir haben derzeit sowieso weniger zu tun und können unsere Zeit sinnvoll nutzen." Alle Bestellungen werden ab sofort montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr telefonisch entgegengenommen. Die Auslieferung erfolgt tagesaktuell von 13 bis 16 Uhr.

Im Gespräch mit der TextilWirtschaft äußert sich Mahn noch detaillierter zur aktuellen Lage.

TextilWirtschaft: Wie ist die Situation für Sie als Händler? Gibt es Stress mit den Lieferanten?
Georg Mahn: Der Dialog mit den Herstellern läuft einwandfrei, problemlos und auf Augenhöhe. Unsere hauseigenen Lager sind voll; wir sind für die komplette Saison bestens gerüstet und bereiten uns für die Zeit nach Corona vor.

Wie sind Sie mit Ihren Mitarbeitern verfahren?
Das Thema Corona ist überdimensional präsent, auch bei uns im Team. Damit verbunden sind Ängste, Sorgen und Ungewissheiten. Wir haben uns bereits im Vorfeld auf die Situation eingestellt, wenn es per Erlass zu Schließungen kommt. Diese Pläne haben wir hausintern intensiv kommuniziert. Wichtig war uns, dass der Betrieb weitergeht und es zu keinen Entlassungen kommt. Genauso haben wir es auch realisiert. In individuellen Absprachen haben wir Lösungen erarbeitet, von Urlaub über Heimarbeit bis hin zur Aufstockung der Versandteams durch unsere Verkäufer. Das Thema Corona stresst alle, aber es schweißt auch zusammen.

Beantragen Sie finanzielle Unterstützung, Zuschüsse oder ähnliches?
Bis auf warmherzige Worte sind real greifende Pläne auf Landes- oder Bundesebene nicht annähernd zu finden; der Wille zu Sofortmaßnahmen steht der liebgewonnenen deutschen Überbürokratisierung im Wege. Wir können die Entwicklung und die Folge der Corona-Krise aktuell nicht einstufen. Wir verlassen uns in unseren Planungen, nicht auf staatliche Programme, sondern setzen auf Eigenenergie, erachten aber Wirtschaftsprogramme als potenzielle Maßnahme für Schuhplus.

Schuhplus hat von Beginn an viel über das Internet verkauft. Spüren Sie auf diesem Kanal derzeit deutliche Zuwächse?
Die Corona-Krise wirkt sich auch im E-Commerce negativ auf das Kaufverhalten in der Bevölkerung aus. Wir verzeichnen eine deutlich geringere Nachfrage, quer durch alle Produktgruppen. Die gesellschaftliche Verunsicherung lässt sich 1:1 im Kaufverhalten ablesen. Die aktuell im Raum stehende Ausgangssperre für Deutschland wird unserer Einschätzung nach das derzeitige Konsumverhalten nicht verändern, im Gegenteil. Umso elementarer ist es, im Zuge des Vertrauensaufbaus zu unseren Kunden, dass innerhalb der EU die Binnengrenzen offenbleiben und ebenfalls auch die Aufrechterhaltung der Paketzustellung. Eine staatlich angeordnete Einschränkung hätte fatale ökonomische Auswirkungen für die gesamte Modebranche, ein Todesstoß für jeden KMU-Betrieb im E-Commerce.
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