Schutzschirmverfahren als Chance

"Esprit wird ganz anders aussehen"

Imago Images/Horst Galuschka
"Deutlich weniger Stores" soll Esprit nach Beendigung des Schutzschirmverfahrens haben.
"Deutlich weniger Stores" soll Esprit nach Beendigung des Schutzschirmverfahrens haben.

Kleiner, aber schlagkräftiger. So soll Esprit nach dem Ende des Schutzschirmverfahrens aussehen, sagt CEO Anders Kristiansen im TW-Exklusiv-Gespräch. Seit Ende März sind die sechs deutschen Tochtergesellschaften des Konzerns in diesem Verfahren in Eigenverwaltung.

Betroffen sind 2300 Stellen. Die Beantragung des Schutzschirms sei u.a. nötig gewesen, um den laufenden Geschäftsbetrieb zu sichern.


"Wir haben Geld. Aber wir konnten in der Cash-Prognose sehen, dass es uns schnell ausgehen würde, wenn wir nichts unternehmen." In den vergangenen knapp zwei Jahren sei das Unternehmen umgekrempelt worden, alle hätten hart gearbeitet, sagt Kristiansen. "Und dann kommt Corona. Das ist, als würde man im Boxring k.o. geschlagen."

"Der Schutzschirm gibt uns die Chance, Dinge zu tun, die wir sonst nicht tun könnten", sagt Esprit-Chef Anders Kristiansen.
Esprit
"Der Schutzschirm gibt uns die Chance, Dinge zu tun, die wir sonst nicht tun könnten", sagt Esprit-Chef Anders Kristiansen.
Durch den Schutzschirm gebe es die Chance, "Dinge zu tun, die wir sonst nicht tun könnten". Einer der größten Vorteile sei, aus Mietverträgen binnen drei Monaten rauszukommen. Manche hätten noch lange Laufzeiten und seien extrem teuer. Wie viele Stores geschlossen werden, könne er noch nicht sagen, aber am Ende werde "ihre Anzahl wird deutlich geringer sein als heute". Große Gehaltskürzungen gebe es auch im Management-Team, er selbst beziehe schon seit Februar kein Gehalt mehr. Solange bis  "das hier vorbei ist".


Esprit ist schon seit Jahren in der Restrukturierung. Kristiansen, seit 18 Monaten am Ruder, hat dem Unternehmen einen weiteren gewaltigen Transformationsprozess verordnet. Läden wurden geschlossen, die Kosten nochmals gesenkt, die Belegschaft außerhalb der Stores um 35% geschrumpft. Gleichzeitig wurde ins Produkt – an dem viele Handelspartner massive Kritik geübt hatten – investiert. Die Verluste sanken, nach den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2019/20 (Stichtag: 31.12.)  seien die Zeichen "ermutigend gewesen", sagt Kristiansen.

Nach dem Ende des Schutzschirmverfahrens – Esprit geht davon aus, dass es Ende Juni soweit ist – sollen im Juli die neuen Pläne vorgestellt werden. Kristiansen: "Esprit wird völlig anders aussehen. Wir werden kleiner sein. Einige unserer Wholesale-Partner, vielleicht auch Galeria Karstadt Kaufhof, werden kleiner sein, weil sie Läden schließen. Das bedeutet weniger Umsatz, also werden auch wir weniger erlösen." Darauf müsse sich der Konzern einstellen, die Marke sich darauf anpassen. Die Werte der Konsumenten werden sich ändern, davon sind sie in Ratingen überzeugt.

"Wir wollen eine affordable Premium-Casual-Lifestyle-Brand sein“, sagt Chief Product and Brand Officer Daniel Mayer.
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"Wir wollen eine affordable Premium-Casual-Lifestyle-Brand sein“, sagt Chief Product and Brand Officer Daniel Mayer.
Der Großteil der Produkte werde auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein, aber auch Passform und Qualität werden eine wichtige Rolle spielen. "Wir wollen eine affordable Premium-Casual-Lifestyle-Brand sein", sagt Chief Product and Brand Officer Daniel Mayer. Die Aussage müsse leicht sein, niemals kompliziert und die Auswahl der Styles müsse länger als eine Saison halten. "Ich denke, die Modebranche muss das ziemlich schnell lernen, und wer das tut, hat auch in Zukunft eine Chance", so Mayer. 
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