Schwaches erstes Quartal

Corona-Krise bremst den Vermietungsmarkt aus

Aziza Freutel

Die Corona-Krise wirkt sich auf den Markt für Einzelhandelsvermietungen aus. Zwar führten frühe Vertragsabschlüsse im Januar und auch noch im Februar, die bereits Ende 2019 angebahnt wurden, zu einem normalen Start ins Jahr 2020, doch nach der Kontaktsperre und den verordneten Schließungen ging es bergab.

Bereits laufende Anmietungsprozesse seinen abrupt zum Erliegen gekommen, teilt der Immobilien-Spezialist Jones Lang LaSalle (JJL) mit. So seien in den ersten drei Monaten bei den Vermietungen lediglich 102.600m² bei 214 Abschlüssen realisiert worden. „Damit sank das Flächenvolumen im Vergleich zu 2019 um rund 13%, die Anzahl der Deals ging sogar um fast 20% zurück“, teilt JLL mit. Im Retail seien die Folgen der Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung unmittelbar zu spüren gewesen, so Dirk Wichner, Head of Retail Leasing JLL Germany.


Großflächen ab 1000m² waren im ersten Quartal 2020 wieder stärker nachgefragt als im Vorjahr und verbesserten sich um vier Prozentpunkte auf einen Anteil von 16%. Allerdings entfielen von den insgesamt 34 Anmietungen dieser Größenklasse nur neun auf die Big 10-Standorte, zu denen JLL unter anderem Berlin, München, Hamburg und Frankfurt zählt. Zusammen kommen die zehn Großen nur auf 34.200m² und damit auf einen der schwächsten Quartalswerte der vergangenen drei Jahre. Einzig Düsseldorf sticht positiv heraus. Generell zeige sich inzwischen auch der Trend, ehemals vom Handel belegte Flächen umzunutzen – zum Beispiel in Büroflächen, gerade in den zehn größten Städten.

JLL
Mit der schwachen Dynamik in den Big 10 setzt sich nach Angaben von JLL ein Trend der vergangenen Jahre fort. „Vor allem kleinere und mittelgroße Städte stehen im Fokus der Expansionsleiter“, teilt JLL mit.

Im Branchenvergleich setzte sich das Kopf-an-Kopf-Rennen der Branchen Textil und Gastronomie fort. Dabei hat der Textilsektor beim Flächenumsatz seinen Spitzenplatz an die Gastronomie bzw. Foodbranche verloren. Dieser Trend sei auch schon zu Beginn des vergangenen Jahres erkennbar gewesen. Die Textilbranche, die vor fünf Jahren noch im Schnitt pro Quartal rund 48.000m² Fläche anmietete, kam im ersten Quartal 2020 auf nur noch rund 28.000m². „Viele Filialisten agieren derzeit verhalten in Bezug auf Neuanmietungen und setzen auf Optimierung ihrer Filialnetze und Flächen“, teilt der Immobilienspezialist mit.

80% der angemieteten Flächen gingen auf das Konto von Bekleidungshäusern, Young Fashion-Anbietern und Textildiscountern. „Besonders expansiv waren Zalando mit der Anmietung weiterer Outlets in deutschen Innenstadtlagen sowie TK Maxx“, so JLL.

33.400m² sind in der Gastro/Food-Branche vermietet worden. Damit hat sie einen deutlichen Vorsprung vor der Textil-Branche. Allerdings muss differenziert werden, denn die Schließungen aufgrund der Corona-Krise macht sich in der Gastronomie stark bemerkbar, sodass über 70% des Flächenvolumens auf Lebensmittelanbieter entfallen.

Stundungen und Aussetzungen

Bei den Mietpreisen zeichnet sich in den 185 von Jones Lang LaSalle untersuchten Einzelhandelsstandorten keine nennenswerte Veränderung ab. „In den Big 10-Standorten verharren die Spitzenmieten seit dem ersten Halbjahr 2017 nahezu auf einem gleichbleibend hohen Niveau“, so JLL.

Primus ist unverändert München mit 360 Euro/m². „Derzeit stehen viele Händler mit ihren Vermietern in Verhandlungen über Stundungen und Aussetzungen der Mietzahlungen. Die Frage ist, ob die Spitzenmieten vor diesem Hintergrund auf dem aktuellen Niveau gehalten werden können“, erklärt Helge Scheumann, Head of Research JLL Germany. Viel werde davon abhängen, wie umfangreich die Lockerungen ausfielen und wie die Konsumenten mit ihnen umgingen.

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