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Schwerpunkt Sustainability

Nachhaltig innovativ

The North Face

Die Entwicklung nachhaltiger Lösungen ist vor allem für die Outdoor-Branche zum Innovationstreiber geworden.

Diese Woche fiel der offizielle Startschuss: The North Face feierte in New York die Markteinführung der neuen Technologie Futurelight. Es geht um nicht weniger als die größte Investition der Firmengeschichte: die Entwicklung einer wasserdichten, aber dennoch atmungsaktiven Membran. Möglich wird das durch den Einsatz von Nanospinning-Technologie. Öffnungen im Nanometerbereich sollen das Material sehr porös machen, also weicher und leichter, als man es bisher von wasserdichten Stoffen kennt.




Bezeichnend, dass eine Innovation und vor allem Investition von dieser Tragweite heute nicht mehr ohne den Hinweis auf ihr Nachhaltigkeitspotenzial auskommt. Und so war es erklärtes Ziel der Entwickler bei The North Face, ein Gewebe zu schaffen, das auch langlebig und nachhaltig ist: Die neuen Fertigungsprozesse sollen es ermöglichen, dreilagige Kleidungsstücke mit reduziertem Chemikalieneinsatz in einer solarbetriebenen Fabrik herzustellen. Zum Einsatz kommen bis zu 90 % Recyclingmaterialien.


Jack Wolfskin stellte mit Texapore Ecosphere bereits 2017 eine zu 100 % recycelte Membran vor. Dabei werden zwei Konzepte kombiniert: Das verwendete PET wird aus gebrauchten Plastikflaschen gewonnen, und der Fertigungsbetrieb arbeitet bei der Membran-Herstellung nach einem strikten Zero Waste-Prinzip, Schnittabfälle werden also sofort recycelt und aufbereitet. Eine nachhaltige Innovation, die sich für den größten deutschen Outdoor-Anbieter auch zu einem kommerziellen Erfolg entwickelt hat, wie Firmenchefin Melody Harris-Jensbach betont. Und eine lohnende Investition in einen Partnerbetrieb, mit dem Jack Wolfskin auch in den nächsten zwei Jahren exklusiv zusammenarbeitet.

Vaude-Chefin Antje von Dewitz ist sich der Verantwortung ihres Unternehmens bewusst. „Die Haltung, die Vaude auszeichnet, ist: Wir sind Teil der Textilindustrie“, betont die Nachhaltigkeits-Pionierin. „Und die Textilindustrie ist Mitverursacher von ungeheuren globalen Herausforderungen. Dafür sind wir mitverantwortlich. Wir möchten aber nicht Teil des Problems sein, wir möchten Teil der Lösung sein.“ Das sei heute wesentlicher Innovationstreiber.
Die Einsatzmöglichkeiten biobasierter Rohstoffe als Rohöl-Ersatz sind für von Dewitz derzeit eines der spannendsten Forschungsfelder. Im Sommer präsentierte Vaude eine Jacke, die zu fast 50 % aus Rizinus-Öl besteht. Noch nicht im Verkauf, da noch nicht komplett ausgereift, aber dennoch ein Meilenstein, ist sie überzeugt. Doch solche Innovationen dürften keine Leuchttürme bleiben, sondern müssten Standard werden. So wie das beim Thema Holzfasern geglückt sei. Zum Start kostete die erste Fleecejacke noch etwa 230 Euro, jetzt gibt es Modelle für 90 Euro.

Der Outdoor-Spezialist Schöffel verwendete für die Kollektion, die in diesem Frühjahr im Handel war, erstmals recycelten Kaffeesatz als Rohprodukt für eine Linie. Zum Verzicht auf PFC, an dem im Prinzip alle Outdoor-Anbieter wie -Zulieferer massiv arbeiten, hat sich auch Schöffel verpflichtet, er soll bis 2020 komplett umgesetzt werden. Der Bergsport-Spezialist Mammut hat zum Sommer 2020 auch im Bereich der Hartwaren einen großen Schritt in Richtung PFC-Freiheit gemacht: Zwei Drittel der Schlafsäcke sind PFC-frei (2019: 35 %) der Anteil der PFC-freien Rucksäcke, Taschen und Klettergurte konnte auf knapp 50 % verdoppelt werden.

Wenn es darum geht, den ökologischen Fußabdruck zu minimieren, sind vor allem kleine Anbieter kreativ: Klättermusen aus Schweden produziert u.a. viel in Europa und kauft nur zweimal im Jahr ein, um Transportwege zu minimieren. Das kanadische Outdoor-Label Tentree wiederum forstet auf: Für jeden verkauften Artikel werden zehn Bäume gepflanzt.

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