Selfie-Aktion im Internet gestartet

Gerry Weber-Mitarbeiter kämpfen um ihre Arbeitsplätze

Antje Finke
Gerry Weber-Mitarbeiterin Antje Finke will wie mehr als 500 ihrer Kollegen mit einem Selfie die Sparkassen überzeugen, das Unternehmen zu retten.
Gerry Weber-Mitarbeiterin Antje Finke will wie mehr als 500 ihrer Kollegen mit einem Selfie die Sparkassen überzeugen, das Unternehmen zu retten.

Es hängt an 20 Sparkassen: Die meisten Gläubiger haben dem neuen Sanierungskonzept des DOB-Herstellers zugestimmt. Aber etwa 20 regionale Sparkassen verweigern nach Angaben des Betriebsrates die Zustimmung und könnten damit die Pläne zur Rettung von Gerry Weber scheitern lassen. Deshalb haben IG Metall und Betriebsräte die Mitarbeiter aufgefordert, mit Selfies an das Gewissen der Banker zu appellieren.



Die Resonanz sei überwältigend, sagt Manfred Menningen, IG Metall Vorstand Ressort Operative Tarifpolitik. Mehr als 500 Mitarbeiter hätten seit dem Start am heutigen Morgen bereits Fotos auf die Facebook-Seite gestellt. "Wir wollen mit der Selfie-Aktion den Arbeitsplätzen ein Gesicht geben und an das Gewissen der Gläubiger appellieren", erklärt Menningen. Auf den Fotos halten die Mitarbeiter ein Schild in der Hand mit der Aufschrift: "Die Kreissparkasse riskiert in dieser Corona Krise meinen Arbeitsplatz bei Gerry Weber." Laut Gewerkschaft werde das Postfach für die Einsendung der Selfies derzeit "überrollt. Wir haben Schwierigkeiten, alle Bilder online zu kriegen." Menningen schätzt, dass bis Ende der Woche eine Entscheidung fallen muss.

Der Vorstand von Gerry Weber "sympathisiert natürlich mit dieser Aktion", wie eine Sprecherin erklärt, wolle diese aber nicht kommentieren. Die Adressaten selbst wollten sich bislang auch nicht äußern. "Was die Kommunikation mit den Gläubigern bezüglich einer anteiligen Stundung angeht, die zur Umsetzung des Zukunftskonzeptes notwendig ist, sind wir aktuell vorsichtig optimistisch und hoffen Anfang der kommenden Woche eine definitive Aussage machen zu können", heißt es dazu aus der Unternehmenszentrale in Halle.


Insgesamt seien nach der bereits beschlossenen Entlassung von 200 Mitarbeitern jetzt laut Gewerkschaft etwa 1800 Beschäftigte deutschlandweit betroffen. Gerry Weber befindet sich seit Jahresbeginn nicht mehr in der Insolvenz in Eigenverwaltung. Die Corona-Krise hatte den Konzern erneut in Liquiditätsnöte gebracht. Im vergangenen Jahr wurde bereits die Mehrheit an der Tochter Hallhuber in München an Robus Capital verkauft, die Zahl der Stellen insgesamt von 4500 auf 3400 reduziert und 150 der 350 Läden in Deutschland geschlossen.

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