Sigrid Hebestreit über die Lehren aus dem Lockdown

"Ich erwarte keine Wunder"

Kosumgenossenschaft
Sigrid Hebestreit betreibt mit ihrer Konsumgenossenschaft Weimar fünf große Multilabelhäuser und zehn Monomarkenstores in Sachsen und Thüringen.
Sigrid Hebestreit betreibt mit ihrer Konsumgenossenschaft Weimar fünf große Multilabelhäuser und zehn Monomarkenstores in Sachsen und Thüringen.

Die TW hat die Macher der Branche gefragt, welche Learnings sie aus der Krise ziehen, wie sie den Restart gestalten und wie ihre Vision für 2021 aussieht. Sigrid Hebestreit, Vorstandsvorsitzende der Konsumgenossenschaft Weimar, spricht über zu viel Ware, träge Systeme und den Schulterschluss mit der Industrie.

TextilWirtschaft: Was sind Ihre wichtigsten Learnings aus dem Lockdown?
Sigrid Hebestreit:
Der Lockdown hat uns nochmals schmerzhaft vor Augen geführt, woran es nach wie vor im Kern der Branche krankt: Zu viel Ware, falsch gelenkte Ware, teure Prozesse und komplizierte und träge Systeme. Nach wie vor macht uns die Überdistribution zu schaffen. Handel und Industrie müssen nicht mehr nur darüber reden, sondern endlich Nägel mit Köpfen machen.

Wie sollte ein Restart aussehen?
Nach der Sicherung der Liquidität, war der nächste Schritt, den wir im Unternehmen besprochen haben, die Analyse der Bestands- und Liefersituation und die Vorbereitung des Marketings und der Kundenkommunikation sowie die Abstimmung mit den Lieferanten und vieles andere mehr. Was allerdings jetzt zur Öffnung der Läden durch die einzelnen Länder entschieden wurde, ist eine Katastrophe. Die 800m²-Größenbegrenzung ist schlichtweg nicht nachvollziehbar. Welche Grundlage hat eine solche Entscheidung, wenn z.B. Baumärkte mit weit mehr als 2.000 bis 3.000 m² und höheren Kundenfrequenzen öffnen dürfen. Insgesamt sind wir gut vorbereitet und freuen uns auf unsere Kunden. 

Welche Vision haben Sie für 2021?
Zuallererst einmal müssen wir das Jahr 2020 überstehen. Die verlorenen Umsätze der vergangenen Wochen lassen sich nicht aufholen. Das Sortiment auf unseren Flächen ist mehr oder weniger entwertet, und die anstehenden Lieferungen belasten die Liquidität zusätzlich. Wie schnell die Konjunktur anspringt und ob das ausreichen wird, wissen wir alle noch nicht. Ich persönlich sehe das mit gemischten Gefühlen und erwarte hier keine Wunder, da die Menschen im Moment mit vielen anderen Problemen zu kämpfen haben. Hier mit gesundem Respekt heranzugehen, ist sicher das Gebot der Stunde. Dazu kommen die Fragen: Wie reagiert der Markt? Wie groß ist die Not, die Liquidität der Unternehmen zu sichern? Wichtig ist, wieder in eine gewisse Normalität zu kommen, die aber ganz sicher anders aussehen wird, als das was wir bis jetzt kennen. Cross Channel ist der Weg, den wir gehen wollen. Von der Analyse der Standorte und der Flächen bis zur Entwicklung unserer Online-Strategie.
stats