Social Media in Corona-Zeiten (2)

#modevscorona: So posten Händler und Co. in der Krise

instagram.com / Meine Jungs / Nike / Melagence / The Budims

Je schwieriger die Rahmenbedingungen durch das Virus, desto kreativer wird die Branche in den Sozialen Netzwerken. Von Bier-Bundesliga bis Live-Shopping, von Freundebuch bis #flexfromhome: Das sind die jüngsten und besonders einfallsreichen Beispiele.

Ebenso schnell, wie sich durch das Corona-Virus derzeit die Rahmenbedingungen für den Modehandel wandeln, ändert sich auch das Social Media-Verhalten von Händlern, Labels, Influencern und Co. Während vergangene Woche noch #supportyourlocaldealer und #service im Vordergrund standen, führen nun ganz andere Themen die Postings an. Sicher ist: Trotz oder gerade wegen der räumlichen Distanz findet die Branche derzeit stetig neue und einfallsreiche Wege, um mit den Kunden in Kontakt zu bleiben. Auch wir haben unsere Follower dazu aufgerufen, unter #modevscorona ihre kreativen Einfälle mit uns zu teilen. Das sind die originellsten Ideen − von Bier-Bundesliga bis #flexfromhome, von Freundebüchern bis zu Live-Workshops.

#entertainment

Wenn aufgrund der Corona-Krise geliebte Hobbys – wie etwa die Bundesliga – pausieren müsssen, kann das so manchen in der Quarantäne vor Herausforderung stellen. Einige Accounts machen sich genau das zu Nutze – und finden neue Wege des Entertainments.

Der Shop Meine Jungs startet zum Beispiel eine eigene Bier-Bundesliga. Die Idee: Jeden Tag treten zwei Biere gegeneinander an, die Follower können jeweils eines weitervoten, bis – ganz nach dem Bundesliga-Prinzip – am Ende eines an der Spitze steht. Passend dazu gibt’s Tipplisten und Co.

Ebenfalls kreativ: B&U Modehaus, Iserlohn, kreiert ein digitales Freundebuch und stellt jeden Tag einen der Mitarbeiter genauer vor. Eben so, wie man es von den Freundebüchern in der Grundschule kennt – samt Hobbys, Lieblingsessen und Co. Urban Outfitters hat sich gleich mehrere Maßnahmen überlegt – und zeigt, was die Mitarbeiter im Home-Office machen, hält Workshops ab und gibt Tips, wie man in den lokalen Communities derzeit seinen Beitrag leisten kann. Han Kjobenhavn stellt unterdessen interessante Künstler vor.

Den eigenen, nun stark veränderten Alltag rücken ebenfalls einige Händler in den Fokus – und kreieren daraus verschiedenste Reportagen. Hasardeur, Münster, führt etwa auf Instagram ein Corona-Tagebuch. Textile Concepts, die Waren verschiedener Händler auf Mallorca anbieten, zeigen nun, wie etwa die Contentproduktion unter erschwerten Bedingungen erfolgt. Herrenaccessoires-Anbieter Pellens und Loick stellt auf Instagram gegenüber, wie eine Kollektionserstellung im italienischen Como eigentlich aussieht – und wie sie aktuell im deutschen Homeoffice erfolgt.

Meine Jungs

#staypositive 

Positiv bleiben – das mag einigen in dieser Zeit schwer fallen. Genau deswegen nehmen sich einige Labels und Händler vor, mit ihren Posts gute Laune und Zuversicht zu verbreiten. Sei es über ein simples „nevergiveup“ von Nicole Mohrmann, München, ein "Stay strong, be positive" von By Mi Fashion, Hamburg, oder Sagmeister, Bregenz, die sich bei allen bedanken, die derzeit ihrem Job unter erschwerten Bedingungen nachgehen. Das reicht bis hin zu ganzen Kollektionen: So bietet etwa Brosbi ein T-Shirt mit der Aufschrift "youlookgreat" an – dass diese verkehrt herum aufgedruckt und somit nur im Spiegel lesbar ist, ergibtn in der Quarantäne umso mehr Sinn: „Wir alle sitzen Zuhause und bekommen wenig Komplimente – da ist auch bereits ein kleines ‚you look great’, das unser Spiegel uns schenkt, eine schöne Aufmunterung“, so die Macher.

Nicole Mohrmann, München

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#nevergiveup ♥️

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#stayathome

Social Distancing und freiwillige Isolation werden aktuell besonders heiß diskutiert. Und auch diverse Branchenteilnehmer machen sich dafür stark. Das reicht bis hin zu Big Playern wie Nike: der Sportartikelhersteller ruft gemeinsam mit diversen, von ihm gesponserten Sportlern dazu auf, Zuhause zu bleiben. Stellung bezieht auch die Resell-Plattform StockX, die ihre Follower dazu aufrufen, über den Hashtag #flexfromhome zu zeigen, wie sie ihre neusten Errungenschaften in den eigenen vier Wänden zur Schau tragen. Für jeden solcher Posts spendet der Reseller einen Euro an den America Covid-19-Response Fund, der Unterprivilegierte in der Krise mit Essen versorgt.

"Chillen kann leben retten" postet dann auch Naturkinder-Shop. "Ich nehm's ernst, ich bleib' Zuhause" lassen Leffers Mode, Leer oder Cactus Fashion, Ganderkesee, über ihre Mitarbeiter, die entsprechende Schilder hochhalten, verlauten. Ebenso das Label Crickit aus Hamburg, Sieker Mode, Telgte, oder der Shirteria-Shop machen sich für #stayathome stark.

Nike

#strongertogether

Von wegen Hass, Häme und Bullying auf Social Media. Dass in diesen Tagen das Wir-Gefühl über den Konkurrenz-Gedanken siegt, zeigen diese Posts. So bietet etwa Influenced by − ein Online-Shop für Second Hand-Kleidung von Influencern − anderen Boutiquen an, ihre Produkte auf deren Website mitzuverkaufen. Das B2B-Startup Fashion Cloud tut sich mit Humino zusammen und hält Webinare dazu ab, wie Händler nun auf kreative Weise trotz Corona Umsätze generieren können. Vertriebsagenturen wie Melagence oder Petra Esparza McAlpine stellen auf ihren Kanälen Händler vor, die von ihnen distributierte Kollektionen führen und aktuell ausliefern. 

Influenced by

#fürdengutenzweck

Ihre Reichweite für etwas Gutes einsetzen − das steht bei diesen Posts im Fokus. Das nachhaltige Label Dawn Denim zum Beispiel produziert ein Shirt, auf dem die vom Designer Oskar Pernefeldt entworfene Flagge der Erde und der Schriftzug "in this together" zu sehen sind. Die Hälfte der Erlöse geht „an die kleinen, unabhängigen Boutiquen und Stores, die Dawn führen und jetzt um ihre Existenz fürchten”, die andere an eine "Bio-Baumwoll-Farm, die durch die Krise bedroht ist", so Macher Marian von Rappard.

Andere produzieren Atemschtz-Masken. So nicht nur der der Filialist Cos, sondern auch regionale Händler wie Meislahn, Kiehl, und das Schuhlabel Pedro Miralles: "Unsere Einrichtungen, Geräte und Mitarbeiter stehen in solch schwierigen Zeiten im Dienste der Gemeinde." Apartfashion.de will Sanitätsartikel durch Kontakte zu Herstellern sourcen und im Online-Shop zur Verfügung stellen − und fordert in einem Post: "Melde dich! Sag uns, was fehlt!"

Dawn Denim

#supportlocal

Dieser Hashtag hat in den vergangenen Tagen für besonders viel Aufmerksamkeit gesorgt − ist er doch zugleich Ausdruck der Sorge, den die stationären Händler derzeit haben, dass ihre Kunden vermehrt Online bestellen könnten. Daher reihen sich unter dem Hashtag mittlerweile nicht mehr nur Aufrufe, regionale Händler oder Kollegen zu unterstützen, sondern sogar gänzlich neue Geschäftskonzepte. So etwa die Idee von Modekonten, die Kunden jetzt mit einem beliebigen Betrag aufladen können, um damit während oder nach der Krise Ware zu erwerben und bezahlen. So erzielt der Händler bereits jetzt Einnahmen, die er ggf. erst später mit Ware begleichen muss. Darauf setzt zum Beispiel Textilium, Nidda.

Nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren Gutscheine, die derzeit ebenfalls häufig angeboten werden − meist, als Anreiz, mit einem Aufschlag. So offerieren The Budims, Wien, Abseits, Stuttgart, Korb Mayer, Stuttgart, und Lindner Fashion, Dortmund, „Solidaritätsgutscheine”, wie sie sie selbst nennen. „Für einen lieben Menschen oder Euch selbst.” Heißt: Wer einen Gutschein für 200 Euro kauft, kann zum Beispiel für 220 Euro shoppen. Ebenso sagt Charlotte am Main, Frankfurt: „Wir bieten euch die Möglichkeit, online Gutscheine zu kaufen, die ihr dann hoffentlich ganz bald einlösen könnt.” Aber auch das Sylter Label North of Germany oder Hold Stores, die insgesamt 19 Läden betreiben, bitten ihre Kunden: #supportlocal.

The Budims, Wien

#auswahlpakete

Wurden in den ersten Tagen nach den Ladenschließungen vor allem die Online-Shops der Händler oder die Beratung über Kanäle wie WhatsApp, Facetime, Instagram etc. propagiert, hat sich nun ein neuer Trend herauskristallisiert. Statt Einzelteilen werden jetzt vermehrt Auswahlpakete mit kompletten Outfits verschickt, was zugleich höhere Bons verspricht.

So witzelt auch 23 Concept Mode, Hildesheim, über die "Fashion Care-Pakete": "Wenn ihr in der Quarantäne 8000 Chips gegessen habt und Eure Jeans jetzt in einer neuen Größe braucht, schreibt uns." Aber auch Jimmyz, Passau, R 25, Bielefeld, Ortner, Dortmund, Spazio, Frankfurt, und Hut-Schneider, Bad Berleburg, vermitteln den Kontakt zur Lieblings-Beraterin, die anschließend ein individuell abgestimmtes Paket zusammenstellt.

Anjas Lust auf Mode, Wemding

#liveshopping

Die Liveshopping-Formate, die derzeit die Instagram-Accounts der Modehändler erobern, kennt man bisher meist nur von Sendeformaten wie QVC. Aber in der aktuellen Situation wird diese Art des Verkaufens, die besonders persönlich und nahbar ist, auch in den Sozialen Netzwerken immer beliebter. Abseits, Stuttgart, zeigen sich vom Erfolg der Liveshopping-Sequenz am vergangenen Samstag so begeistert, dass sie drei Tage später erneut live gehen. Spazio, Frankfurt, will gar Montag bis Freitag immer um 13 Uhr live gehen.

Einen ähnlichen Ansatz wählt das Kaufhaus Ganz in Bensheim, das zum virtuellen Schaufensterbummel einlädt. Und auch Händlerin Kerstin Görling von Hayashi, Frankfurt, berichtet von sensationellen Erfolgen mit ihrem Live-Shopping am vergangenen Wochenende. Ein Format, das aufgrund seiner Attraktivität auch über die Krise hinaus Bestand haben könnte.

Spazio, Frankfurt

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