Sprunghafter Anstieg

Kurzarbeit: 470.000 Anträge im März

„Wir helfen Unternehmen, ihre Beschäftigten zu halten und sichern die Arbeitsplätze der Menschen“, erklärte Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag bei der Präsentation der Zahlen zur Lage am deutschen Arbeitsmarkt im März. Mittel der Wahl ist unter anderem die Kurzarbeit. Die Menge der Anträge für eben diese ist im vergangenen Monat sprunghaft angestiegen. Die Betriebe reichten im März 470.000 Anzeigen auf Kurzarbeit ein, teilte Scheele gemeinsam mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) mit.


Zum Vergleich: Im Jahr 2019 zeigten durchschnittlich etwa 1300 Betriebe pro Monat Kurzarbeit an. Im Februar 2020 lag die Zahl der Kurzarbeitsanzeigen noch bei 1900.

Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit
Bundesagentur für Arbeit
Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit
„Wenngleich wir noch nicht seriös prognostizieren können, wie viele Personen von Kurzarbeit betroffen sein werden, rechnen wir damit, dass ihre Zahl deutlich höher ausfallen wird als in der Wirtschafts- und Finanzkrise. Damals hatten wir in der Spitze 1,4 Millionen Kurzarbeitende. “
Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit


Die Nachfrage ist Heil und Scheele zufolge derzeit in allen Bundesländern hoch. Die Anzeigen kämen aus nahezu allen Branchen, anders als in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09, als vor allem das verarbeitende Gewerbe betroffen gewesen sei. Viele Anträge stammten von Unternehmen aus dem Handel, aber auch aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe.

„Kurzarbeit ist das Mittel der Wahl in dieser historischen Herausforderung für Wirtschaft und Arbeitsmarkt“, so Scheele. „Wenngleich wir noch nicht seriös prognostizieren können, wie viele Personen von Kurzarbeit betroffen sein werden, rechnen wir damit, dass ihre Zahl deutlich höher ausfallen wird als in der Wirtschafts- und Finanzkrise“. Damals seien in der Spitze 1,4 Millionen Kurzarbeitende gezählt worden. „Wir haben hierfür bereits jetzt überplanmäßig rund 10 Mrd. Euro zusätzlich bei unserem Verwaltungsrat und dem Bundesarbeitsministerium beantragt“, sagte Scheele.

Hubertus Heil
BMAS
Hubertus Heil
„Die Bewältigung der Corona-Krise wird ein historischer Kraftakt. Wir sind dieser Krise ausgesetzt – aber nicht ausgeliefert. Trotz vieler Sorgen und Unsicherheiten haben wir auch Anlass zur Zuversicht. Wir haben einen der stärksten Sozialstaaten der Welt und wir haben in guten Zeiten Rücklagen gebildet für schwere Zeiten.“
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil

Bundesagentur für Arbeit baut um

Um eingehende Fragen und Anträge schnell beantworten und bearbeiten zu können, hat die Arbeitsagentur ihre Organisation umgebaut. Sie fokussiere sich zurzeit auf die Beratung zur Kurzarbeit und die rasche Leistungsgewährung von Kurzarbeitergeld, Arbeitslosengeld und Grundsicherung, so Scheele. Dafür würden derzeit unter anderem die Teams, die Kurzarbeit abrechnen, von knapp 800 auf rund 4500 Personen verstärkt. Außerdem seien inzwischen gut 18.000 Kolleginnen und Kollegen in der telefonischen Beratung tätig – regulär seien es etwa 4000.

Die Bewältigung der Corona-Krise werde ein historischer Kraftakt, erklärte Hubertus Heil anlässlich der Präsentation der Zahlen. „Wir sind dieser Krise ausgesetzt – aber nicht ausgeliefert“, so der Bundesarbeitsminister.

Die genannten Anträge basieren auf einer Sonderauswertung der BA. Sie beinhalten die Anzeigen, die bis zum 27. März 2020 dort eingegangen sind. Sie bilden aber nicht die amtliche Statistik ab.

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