Staatliches Hilfspaket nicht ausreichend

Corona-Krise: Bestseller entlässt 750 Mitarbeiter

Foto: Bestseller
Die 750 entlassenen Mitarbeiter stammen vor allem aus den verschiedenen Unternehmenszentralen in Dänemark (hier: Aarhus).
Die 750 entlassenen Mitarbeiter stammen vor allem aus den verschiedenen Unternehmenszentralen in Dänemark (hier: Aarhus).

Harter Schritt: Die dänische Bestseller-Gruppe (u.a. Jack&Jones, Vero Moda, Only) hat wegen der Corona-Krise 750 Mitarbeiter entlassen.

Wie das Unternehmen auf TW-Anfrage bestätigt, handelt es sich dabei vor allem um Mitarbeiter der verschiedenen Konzern- und Markenzentralen in Dänemark. In den vergangenen Wochen sei es zu erheblichen Umsatz- und Liquiditätsrückgängen gekommen, deshalb sehe man sich zu dieser Maßnahme gezwungen. Darüberhinaus nutzt der Konzern ein aufgrund der Corona-Krise aufgelegtes Regierungsprogramm, mit dem Unternehmen ihre Mitarbeiter temporär bis zum 9. Juni freistellen können und nur zu etwa einem Viertel für deren Gehälter aufkommen müssen. Bestseller will diese staatliche Hilfe zunächst für 2400 Mitarbeiter beantragen, vor allem aus dem Bereich Retail. Insgesamt haben bisher 4400 Mitarbeiter für die Modegruppe gearbeitet.




Konzernchef und Eigentümer Anders Holch Povlsen sagt: „Das Unterstützungspaket der Regierung ist ein gutes Tool und wir konnten so die Zahl der Entlassungen zumindest begrenzen. Trotzdem tut es mir leid, dass es nötig ist, mich von sehr talentierten und treuen Kollegen zu verabschieden. Die nächsten vier bis acht Wochen werden darüber entscheiden, wie die Zukunft aussieht. Wir glauben daran, dass wir dank unserer Anstrengungen langfristig zurück zu alter Stärke finden und werden dafür kämpfen.“

Im Interview mit der dänischen Tageszeitung Børsen lässt Povlsen tiefer blicken: „Wir rechnen in den nächsten acht bis zwölf Wochen mit dem Schlimmsten. Die Corona-Krise ist viel schlimmer als die Finanzkrisen, denn damals gab es schließlich Verbraucher.“ Derzeit seien praktisch alle 2750 Geschäfte geschlossen.

Auch im Ausland rechnet Povlsen mit Entlassungen, womöglich in gleicher Höhe wie im Heimatmarkt. „Aber ich weiß es noch nicht. Wir überprüfen das Markt für Markt. Schließlich gibt es in den verschiedenen Ländern unterschiedliche Regeln. Gleichzeitig wolle er dafür kämpfen, dass die entlassenen Mitarbeiter wieder eingestellt werden: „Sie sind talentiert, und ich hätte sie lieber selbst als bei anderen Unternehmen.“

Im Interview betont Povlsen die Dramatik der Krise: „Wir befinden uns in einer Situation, in der wir nicht wissen, was unsere Bestände und unsere Forderungen wert sind. Und wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass es länger dauern wird als die meisten denken, bevor alles wieder läuft. Wir haben keine andere Wahl, als das Schlimmste zu erwarten.“ Weil die Geschäfte zu Beginn der Krise zweistellig wuchsen, habe man bei den Lieferanten großzügige Orders platziert. Povlsen: „Das trifft uns jetzt wie ein Bumerang.”

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