Staatliches Rettungspaket in Italien

Wunschzettel von Calzedonia, Coin und Co.

Coin
Coin Excelsior in Triest
Coin Excelsior in Triest

Die Regierungen mobilisieren in der Covid-19-Krise Milliarden. Doch reichen die Summen aus? Die italienischen Modefirmen verneinen das und rufen in offenen Briefen an die Regierung um Hilfe. Eine Idee dabei: öffentlich garantierte Kredite im Umfang von 30% des Jahresumsatzes.

Die Regierungen in aller Welt haben Konjunkturpakete aufgelegt, um den Firmen durch die Covid-19-Krise zu helfen. Doch richtig zufrieden sind die wenigsten Unternehmen. In Italien schafft sich die Modebranche deshalb in offenen Briefen an den Premierminister Giuseppe Conte Gehör.


Mehr als 50 Einzelhändler und Modemarken, darunter Calzedonia, Cisalfa, Coin, Liu Jo, Pinko und Rinascente, begehren in einem Brief dagegen auf, im Gegensatz zu Gastronomie, Hotellerie und Tourismus von der Regierung nicht zu den Krisensektoren gezählt worden zu sein. Auch der Accessoire-Verband Assopellettieri und der Modeverband Confindustria Moda trommeln für ihre Interessen und haben Forderungskataloge verfasst.

Die Staaten mobilisieren Tausende von Milliarden. Doch die Frage lautet: Reichen die Summen aus? Die USA werkelt an einem Paket im Umfang von 2000 Mrd. Dollar. Das entspricht rund 10% der Wirtschaftsleistung. Das ist doppelt so viel wie in der Finanzkrise von 2007 bis 2009. Die europäischen Regierungen sind sparsamer. Ihre Pakete bewegen sich geschätzt bei nur 2% der Wirtschaftsleistung. Italien hat bislang 25 Mrd. Euro in Aussicht gestellt.

Zu wenig, finden die Non-Food-Einzelhändler. „Unsere Branche vereint 110 Mrd. Euro auf sich und überweist im Jahr 20 Mrd. Euro an Umsatzsteuer an den Staat“, heißt es in dem Brief der mehr als 50 Einzelhändler und Marken. „Uns wurde beschieden, weniger von der Krise getroffen zu sein. In Wahrheit sind wir diejenigen, die es am härtesten erwischt hat.“

Die Unterzeichner des Briefs fordern, dass es ihnen gestattet wird, erst einmal nicht die Mieten zu zahlen. Auch die Umsatz- und Immobiliensteuer solle erlassen werden. Zudem sollten die Banken mithilfe staatlicher Kreditgarantien die Firmen umgehend mit Liquidität versorgen. „Wenn nichts unternommen wird, werden viele unserer Firmen gezwungen sein, für immer zu schließen“, führen die Briefautoren weiter aus. „Die Folgen wären für das gesamte System verheerend.“

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Zur Feder gegriffen hat auch der Accessoire-Verband Assopellettieri. Auch er macht sich für staatliche Kreditgarantien stark und nennt sogar eine konkrete Zahl. Die Banken sollten staatlich garantiere Darlehen im Umfang von 30% des Jahresumsatzes 2019 vergeben, die über einen Zeitraum von 25 bis 40 Jahren zurückgezahlt werden müssten. „Das ist einfach, aber mutig“, so Assopellettieri.

Nicht zuletzt schaltet sich der Modeverband Confindustria Moda ein. Er hat einen Fünf-Punkte-Plan formuliert, wie Italien nach dem Stopp für den Handel und die Industrie Schritt für Schritt wieder zur Normalität zurückkehren kann. Eine Idee dabei: kein Sommerurlaub im August. „Stattdessen könnte der Sommerurlaub auf Mai oder Juni verteilt werden“, schreibt der Verband.

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