Stationärhändler verlieren wohl 2,7 Mrd. Euro Umsatz

Wien beschließt harten Lockdown und Impfpflicht für alle

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In österreichischen Highstreets wie der Wiener Favoritenstraße dürfte es an diesem Freitag und Samstag noch einmal voll werden, da am Montag ein harter Lockdown in Kraft tritt.
In österreichischen Highstreets wie der Wiener Favoritenstraße dürfte es an diesem Freitag und Samstag noch einmal voll werden, da am Montag ein harter Lockdown in Kraft tritt.

Seit Tagen wurde darüber spekuliert. Nun steht es fest: Österreich geht am Montag in einen harten Lockdown, der auch für Geimpfte und Genesene gilt. Das haben die österreichische Bundesregierung und die Bundesländer auf ihrer Landeshauptleute-Konferenz in Tirol beschlossen, die der deutschen Ministerpräsidentenkonferenz entspricht.

Das Öffnungsverbot soll maximal 20 Tage dauern und spätesten am 13. Dezember in einen Lockdown für Ungeimpfte übergehen. Darüber hinaus haben die Politiker entschieden, dass am 1. Februar kommenden Jahres eine allgemeine Impfpflicht für alle Bürger eingeführt wird, um weitere Lockdowns und eine fünfte Corona-Welle zu verhindern.


"Diese Entscheidung fällt uns nicht leicht. Aber angesichts des Infektionsgeschehens müssen wir solche Maßnahmen setzen und tragen sie alle mit", sagte Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) auf einer Pressekonferenz. Ihm sei bewusst, dass den Geimpften "Enormes" abverlangt werde. Schließlich müssten sie nun Einschränkungen auf sich nehmen, weil sich zu viele Bürger unsolidarisch gezeigt hätten.
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Die Proteste der Impfgegner bezeichnete der konservative Politiker als ein "Attentat auf das Gesundheitssystem". Die Konsequenzen seien überfüllte Intensivstationen und ein "enormes menschliches Leid". Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein kündigte die Einführung einer FFP2-Maskenpflicht in Innenräumen an, die auch am Arbeitsplatz gelten soll, sofern keine anderen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden können. Schulen und Kindergarten bleiben dem Grünen-Politiker zufolge geöffnet.

Inzidenz von 1749 in Salzburg

Grundlage für die Entscheidung war der deutliche Anstieg der Corona-Kennzahlen gewesen. Laut Innenministerium haben sich zuletzt innerhalb eines Tages 15.145 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Die Sieben-Tages-Inzidenz stieg auf 990,7. Am schlimmsten ist das Bundesland Salzburg betroffen, wo der Wert auf 1749,3 anschnellte, heißt es auf der Website der staatlichen Gesundheitagentur Ages. 2.787 Personen befinden derzeit aufgrund der Lungenkrankheit in Krankenhäusern. Davon werden 498 auf Intensivstationen betreut.

Ort der Entscheidung: Im Tagungshotel Entners Strandhotel in Fürstenhaus am Achensee hat die Landeshauptleutekonferenz einen harten Lockdown für ganz Österreich beschlossen.
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Ort der Entscheidung: Im Tagungshotel Entners Strandhotel in Fürstenhaus am Achensee hat die Landeshauptleutekonferenz einen harten Lockdown für ganz Österreich beschlossen.
Nach Schätzung des Handelsverbands Österreich gehen dem Stationärhandel durch die Ladenschließungen Umsätze in Höhe von 2,7 Mrd. Euro verloren. Das habe tiefgreifende Folgen für die Branche: "Ein harter Lockdown im Weihnachtsgeschäft bedeutet, dass wesentliche Teile des stationären österreichischen Handels existenziell gefährdet sind und selbstredend dessen Arbeitsplätze", sagt Hauptgeschäftsführer Rainer Will.

Er fordert daher erneut eine Ausweitung des sogenannten Ausfallbonusses und ein "neues Set an Hilfen zur Stabilisierung des Handels- und Wirtschaftsstandortes Österreich". Die Gelder müssten bereits am ersten Tag des Lockdowns fließen. Unter anderem, weil viele Händler, die ihre Läger vor dem Weihnachtsgeschäft aufgefüllt und dementsprechend Kapital in Ware gebunden haben, nun "massive Liquiditätsengpässe" befürchten müssten.

Handelsverband-Hauptgeschäftsführer Rainer Will: "Ein harter Lockdown im Weihnachtsgeschäft bedeutet, dass wesentliche Teile des stationären österreichischen Handels existenziell gefährdet sind."
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Handelsverband-Hauptgeschäftsführer Rainer Will: "Ein harter Lockdown im Weihnachtsgeschäft bedeutet, dass wesentliche Teile des stationären österreichischen Handels existenziell gefährdet sind."
Einige Händler hätten in den vergangenen Tagen mit Rabattaktionen auf die Lockdown-Gerüchte reagiert, um nicht wieder auf der gesamten Saisonware sitzenzubleiben. "Heute und morgen dürfte es in vielen Geschäften und Einkaufsstraßen zu einem großen Ansturm und mancherorts auch zu Schlangenbildung kommen, das lässt sich kaum vermeiden", teilt der Wirtschaftsverband mit und rief gleichzeitig die österreichischen Verbraucher auf, ihre Weihnachtsgeschenke möglichst in heimischen Online-Shop und auf regionalen Online-Marktplätzen einzukaufen.
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 "Auch online lässt sich der österreichische Handel fördern und dazu kann jede und jeder einzelne einen Beitrag leisten", so die Interessenorganisation weiter. Die Kosten für den österreichischen Staat schätzt der Verband auf rund 2,5 Mrd. Euro pro Woche.

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Der Shopping-Center-Spezialist SES, der in Österreich 16 Malls und ein Fachmarkt-Zentrum mit einer Mietfläche von über 500.000m² betreibt, geht davon aus, dass den Modehändlern durch die dreiwöchigen Ladenschließungen ein Zehntel ihres Jahresumsatzes entgeht. "Jeder weitere Tag würde zumindest weitere 0,5 Prozent kosten", sagte COO Christoph Andexlinger im Interview mit der TextilWirtschaft. 

Hamsterkäufe seien nicht zu befürchten, wohl aber ein Kundenandrang an diesem Samstag, unter anderem, weil die Black Friday-Angebote vorgezogen werden. Die bestehende 2G-Regelung, der sogenannte Lockdown für Umgeimpfte, habe zu erheblichen Schwankungen bei den Frequenzen geführt.

Die besonders stark von der Pandemie betroffenen Bundesländer Salzburg und Oberösterreich hatten bereits an diesem Donnerstag einen Lockdown ab Montag ausgerufen. An diesem Montag war bundesweit der Lockdown für Ungeimpfte in Kraft getreten. Dieser verbietet Personen, die weder geimpft noch von Corona genesen sind, den Besuch von Geschäften, die nicht schwerpunktmäßig Artikel des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Medikamente und Drogerieartikel verkaufen.

Weitere Informationen zum Thema:
- Impf-Dash Board zur Corona-Pandemie in Österreich
- Interaktive Karten zu den Corona-Regeln in den deutschen Bundesländern
- TW-Bühne "Fokus Corona"

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