Stefan Leewe, Dieter Holzer, Daniel Terberger

Prominente Initiative fordert: Steuervorteile für Corona-Opfer

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Wer wegen des Shutdown wirtschaftliche Schäden erleidet, soll sie steuerlich geltend machen können.
Wer wegen des Shutdown wirtschaftliche Schäden erleidet, soll sie steuerlich geltend machen können.

Händler sollen ihre Verluste aus der Corona-Krise steuerlich geltend machen können. Das fordert eine prominent besetzte Initative aus Handel und Industrie. Gleichzeitig müsse es neben Krediten mehr direkte staatliche Zuwendungen geben. Dahinter stehen die Chefs von Opus, Stefan Leewe, Marc O'Polo, Dieter Holzer sowie der Katag, Daniel Terberger.



Dabei geht es unter anderem um eine Art rückwirkenden Verlust-Vortrag: Die voraussichtlichen Verluste im Corona-Jahr 2020 sollen steuerlich gegen die Gewinne der vergangenen fünf Jahre aufgerechnet werden. Im Idealfall gebe es dann eine Rückerstattung von bereits gezahlter Einkommens-, Körperschafts- oder Gewerbesteuer. Das sei nötig, denn: "Das Soziotop unserer Innenstädte ist nach wie vor in Gefahr", sagt Terberger.

Gegenüber der Idee, für eine begrenzte Zeit nach der Wiedereröffnung der Läden grundsätzlich die Umsatzsteuer auszusetzen oder zu reduzieren, sind Holzer und Terberger eher skeptisch: "Jeder Vorschlag ist erst einmal willkommen. Auch im Fall einer generellen Steuerreduzierung oder -Aussetzung müsste unbedingt gewährleistet sein, dass die Händler davon profitieren." Eine einmalige Sonderabschreibung sei sinnvoller als eine Systemänderung.

Daneben fordert die Initiative auch die Umwandlung von Darlehen − etwa jener der KfW − in echte Zuwendungen, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Die Schulden, die die Unternehmen nach der Corona-Krise sonst mit sich herumtrügen, "würden sich in den folgenden Jahren sehr negativ auf die Investionsfähigkeit auswirken", so Holzer. Und: "Der Schaden muss aus dem System. Sonst finanzieren wir diesen Schaden über Jahre."

Wer in der Corona-Krise Darlehen bekommen habe, müsse zudem den Schaden durch den Ausfall der Frühjahr-Sommer-Saison darauf anrechnen können. Der "nachweisbar entstandene Deckungsbeitragsverlust" durch Corona sollte von der Darlehenssumme abgezogen werden. Bemessungsgrundlage wären danach die Durchschnittswerte der drei Jahre vor Corona.

Grundsätzlich loben die Manager den Einsatz der Bundes- und Landespolitik für die Wirtschaft. "Was dort geleistet wird, ist beeindruckend", so Holzer. Die Ausweitung der Bundes-Bürgschaft auf 100 % der Darlehen sei "ein sehr wichtiger Schritt".

Terberger mag nicht kritisieren, dass die Komplett-Bürgschaft auf eine Darlehenssumme von 500.000 oder maximal 800.000 Euro gedeckelt wurde. "Dreiviertel der Antragsteller aus dem Mittelstand kommt mit einer halben Million Euro sehr gut aus, das bringt jetzt notwendige Liquidität", so der Katag-Chef. Die Politik achte richtigerweise darauf, nicht mit allzu großzügigen Programmen "Zombie-Unternehmen zu pflegen", die unter normalen Umständen keine Überlebenschance am Markt hätten.

Für größere Händler mit mehr Finanzbedarf sei durch den jetzt erfolgten Schritt wieder mehr Kapazität für die Bearbeitung der Anträge frei geworden. Terberger: "90 Prozent der großen Unternehmen sind gesund, sie werden ihre Kredite bekommen." Zwar könne es in Einzelfällen im Förderkosmos Lücken zwischen den einzelnen Unternehmensgrößen geben, "aber keine systematischen Lücken."

Holzer und Terberger begrüßen Initiativen, um den Konsum nach Ende des Shutdown wieder anzukurbeln: "Steuererleichterungen für die Verbraucher wären da hilfreich."

Für die Wiedereröffnung würde nach Ansicht der beiden Manager eine Woche Vorlaufzeit reichen. "Die Vorbereitungen insbesondere für die Logistik und die Sicherheitsmaßnahmen sollten ganz vorne stehen. Wir werden vor Ostern an die Katag-Häuser einen Leitfaden mit den wichtigsten Maßnahmen verschicken", so Terberger. Holzer erwartet zahlreiche originelle Aktionen der Händler für ihre Kunden, wenn sie endlich wieder öffnen dürfen.

Die Initiative hatte vor zwei Wochen von der Politik bereits einen Liquiditätsfonds im Wert von 850 Mill. Euro zur Förderung des innerstädtischen Modehandels gefordert. Von dieser Summe ist jetzt nicht mehr die Rede. Die große Zahl sei eher als Signal gedacht gewesen, um auf die Dramatik des Problems hinzuweisen, heißt es. "Das ist in Berlin schon wahrgenommen worden", meint Holzer.
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