Steht Victoria's Secret-Verkauf auf der Kippe?

L Brands schließt Läden länger und beurlaubt Mitarbeiter

imago images / Pacific Press Agency
Dieser Victoria's Secret-Store in New York wird aufgrund von Covid-19 noch länger geschlossen bleiben.
Dieser Victoria's Secret-Store in New York wird aufgrund von Covid-19 noch länger geschlossen bleiben.

Das Coronavirus breitet sich auch in Amerika rasant aus: Inzwischen melden die Vereinigten Staaten doppelt so viele Corona-Infektionen wie China. Wegen der Ladenschließungen und Umsatzausfälle kämpfen Modehändler um ihre Existenz. So trifft es auch die Victoria's Secret-Muttergesellschaft L Brands: Stores bleiben länger geschlossen, Mitarbeiter werden beurlaubt.

L Brands hatte ursprünglich angekündigt, die Läden in den USA und Kanada bis zum 29. März geschlossen zu lassen. Bis zum 4. April sollten die Mitarbeiter demnach weiterhin Vergütungen und Leistungen erhalten. Nun werden allerdings die Stores aufgrund der weiteren Ausbreitung des Coronavirus länger dichtmachen als geplant. Derzeit sieht sich L Brands nicht imstande, abzuschätzen, wann die Türen von Victoria's Secret und der Drogeriekette Bath & Body Works wieder öffnen werden.

Dafür will L Brands den Online-Betrieb weiter aufrechterhalten bzw. wieder aufnehmen. Der E-Shop von Bath & Body Works wird weiter betrieben, nach einer kurzen Unterbrechung soll auch wieder Ware über den Victoria's Secret-Onlineshop verkauft werden. Laut Website wird der internationale VS-Shop bis zum 1. April nicht betrieben. Der US-Webshop lässt sich hingegen aufrufen, weist aber auf Lieferverzögerungen hin.


Um die finanzielle Flexibilität zu gewährleisten, ergreift der Konzern nun weitere Maßnahmen. Wie das Unternehmen bereits Mitte März mitgeteilt hatte, will es 950 Mio. US-Dollar (etwa 869 Mio. Euro) aus einem revolvierenden Kredit beziehen.

Zudem gibt es schlechte Nachrichten für die Mitarbeiter. So werden "die meisten" Store-Angestellten und diejenigen, die nicht für das Online-Geschäft oder im Homeoffice arbeiten können, ab dem 5. April auf unbestimmte Zeit beurlaubt. L Brands zufolge werden die Mitarbeiter weiterhin mit Leistungen des Gesundheitswesens unterstützt. "Soweit sich die Umstände ändern, wird L Brands sich bemühen, dass die Angestellten so schnell wie möglich wieder ihre Arbeit aufnehmen können", teilte das Unternehmen mit. Beurlaubte Mitarbeiter sollen bis dahin Arbeitslosengeld beantragen können, wenn sie dazu berechtigt sind.

Darüber hinaus will L Brands folgende Schritte gehen:
  • Aussetzung der Dividende für das zweite Quartal 2020
  • Erhebliche Reduzierung der Kosten und Investitionen. Dazu gehöre auch eine Reduzierung der Lagerbestände.
  • Die Grundvergütung der Senior Vice Presidents und höherer Führungskräfte wird um 20% reduziert. Die Vergütung von Verwaltungsratschef und CEO Leslie H. Wexner und anderen Mitgliedern des Verwaltungsrates (Board of Directors) sei ausgesetzt worden. Zudem verschiebe das Unternehmen jährliche Gehaltserhöhungen.
Nach eigenen Angaben ist sich L Brands sicher, die Krise zu überstehen: "Das Unternehmen verfügt derzeit über mehr als 2 Mrd. Dollar Barmittel. Deswegen glauben wir, dass dieser Bestand zusammen mit den genannten Maßnahmen ausreichende Liquidität für das Unternehmen gewährleistet", heißt es in der Mitteilung.


Kein Statement gibt es indes zum anstehenden Verkauf der Dessous-Marke Victoria's Secret. Medienberichten zufolge sollte die Veräußerung von 55% der Anteile an die Private Equity-Firma Sycamore Partners im zweiten Quartal 2020 abgeschlossen werden. Nun könnte der Deal aufgrund der kritischen Wirtschaftslage auf der Kippe stehen.
stats